Führen Frauen besser?

Intrigant, autoritär, emotional unberechenbar – so sind weibliche Chefs. Zumindest geistert dieses Klischee in vielen Köpfen herum, bei Mitarbeiterinnen genauso wie bei männlichen Kollegen. Aber ist nicht doch etwas dran?

 

Führen Frauen besser?

Intrigant, autoritär, emotional unberechenbar – so sind weibliche Chefs. Zumindest geistert dieses Klischee in vielen Köpfen herum, bei Mitarbeiterinnen genauso wie bei männlichen Kollegen. Aber ist nicht doch etwas dran?

 

Die Anforderungen an heutige Führungskräfte - Männer wie Frauen - sind hoch: Permanenter Veränderungsdruck, rasante technologische Entwicklungen, immer schneller und direkter verlaufende KommunikationKommunikationDer Austausch von Informationen zwischen den Projektbeteiligten, insbesondere innerhalb des Projektteams, ist einer der entscheidenden Erfolgsfaktoren des Projektmanagements. Trotz aller technischer Hilfsmittel, die Kommunikation erleichtern, bleibt ausschlaggebend, in wie weit die einzelnen Projektbeteiligten bereit sind, ihre Erfahrungen mitzuteilen und bei Problemen die anderen zu fragen., Informationsflut, stärker werdende Vernetzung, Hektik und Termindruck kennzeichnen den Arbeitsalltag von Führungskräften. Sie müssen in der Lage sein, Unternehmensstrukturen und -organisation an die sich verändernden Bedürfnisse und Verhaltensweisen ihrer Mitarbeiter anzupassen, Entscheidungen müssen gefällt werden.

Von Vorgesetzten wird erwartet, dass sie ihre Mitarbeiter motivieren; ihnen das Gefühl vermitteln, zu einer Gemeinschaft zu gehören, einen sinnvollen Beitrag zu einer guten Sache leisten und ein gemeinsames ZielZielZiel ist ein prognostizierter Zustand, der ein bestimmtes Handeln legitimiert. Um ein Ziel zu erreichen ist ein Plan erforderlich. Sowohl Ziel als auch Plan sind charakterischte Bestandteile eines Projekts . Siehe Projektziel . vor Augen haben. Eine Führungskraft muss es schaffen, dass sich jede und jeder einzelne Mitarbeiter/in mit dem Ganzen identifiziert. Ausgeprägte kommunikative Fähigkeiten, gerade auch im emotionalen und persönlichen Bereich, und eine hohe, durch Vorbildfunktion belegte Glaubwürdigkeit sind dafür unerlässlich, ganzheitliches Denken ist angesagt.

Viele Führungskräfte sind überfordert

Viele Führungskräfte sind von diesen Aufgaben jedoch überfordert, erweisen sich in immer mehr Situationen als handlungs- und entscheidungsunfähig, sind nicht mehr in der Lage, ihrer großen VerantwortungVerantwortungVerantwortung besteht aus den drei untrennbaren Bestandteilen Aufgabe, Befugnis und Rechenschaftspflicht. Es ist also nicht möglich, für die Durchführung einer Aufgabe ohne die entsprechenden Befugnisse (z.B. Zeichnungsrecht, Weisungsrecht) verantwortlich zu sein (sog. Kongruenzprinzip). Ebenso bedeutet Verantwortung, dass aus falschem Handeln oder Nicht-Handeln Konsequenzen wie z.B. Vertragsstrafen oder disziplinarische Strafen erwachsen. gerecht zu werden. Diese Führungskräfte sind prädestiniert dafür, den Druck, den sie empfinden, nach unten weiterzugeben, Bossing zu betreiben.

Führen Frauen anders?

In vielen Untersuchungen und Studien wird inzwischen die These vertreten, dass Frauen aufgrund ihrer durch Sozialisiation erworbenen kommunikativen Fähigkeiten, ihrer Team- und Ergebnisorientierung, ihrer sozialen und strategischen KompetenzKompetenzKompetenz ist kein eindeutiger Begriff. Er kann zum einen die Befugnis, zum anderen die Qualifikation bezeichnen, etwas zu tun., ihrer ganzheitlichen Sicht- und Denkweise die besseren Führungskräfte seien. Führen sie wirklich so anders? Sind sie weniger anfällig für Bossing? Oder führen diese Zuschreibungen von angeblich typisch weiblichen Eigenschaften nur zu einer weiteren Geschlechterrollenfixierung und damit wieder einmal in eine Sackgasse?

Immer noch zu wenig Frauen in Führungsetagen

Grundsätzlich sind diese Fragen schwierig zu beantworten, weil es immer noch viel zu wenig Frauen in Führungspositionen gibt (1997 waren es 11,4% Frauenanteil im Topmanagement und 14,8% Frauenanteil im Mittelmanagement der großen und mittelständischen Unternehmen) und zu wenig Untersuchungen darüber vorliegen. In der Wissenschaft herrscht Uneinigkeit bezüglich dieser Thematik.

Die Wirtschaftswissenschaftlerin Prof. Dr. Sonja Bischoff aus Hamburg veröffentlichte 1999 die Studie "Männer und Frauen in Führungspositionen der Wirtschaft in Deutschland", in der 348 Männer und Frauen aus dem deutschen Mittelmanagement zu diesem Themenkomplex befragt wurden. In dieser Studie konnte kein empirischer Beleg dafür gefunden werden, dass Frauen ein grundsätzlich anderes Führungsverhalten an den Tag legen als Männer: Zwei Drittel der Männer sagten aus, dass sie genauso gut mit Männern wie mit Frauen als Führungskräfte zusammenarbeiten konnten, 19% der Männer fand die Zusammenarbeit mit einer Frau als Vorgesetzte besser, 14% hielten die Zusammenarbeit für schlechter als mit einer männlichen Führungskraft. Ein Viertel der Frauen dagegen meinte, dass die Zusammenarbeit mit vorgesetzten Frauen schlechter lief ist als mit männlichen Vorgesetzten. Auffällig dabei ist, dass gerade Frauen in höheren Führungsebenen und Frauen in Unternehmen mit besonders hohen Frauenanteilen überdurchschnittlich häufig negative Erfahrungen mit vorgesetzten Frauen gemacht haben. 60% der Frauen stellten jedoch keinen Unterschied fest.

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