Gleiche Prozesse – verschiedene Prioritäten

Kulturelle Eigenheiten in internationalen Teams

Internationale Projekte stellen Projektleiter vor spezielle Herausforderungen: Kulturelle Eigenheiten führen zu uneinheitlicher Gewichtung von Projektzielen und -prozessen, Zeit- und Budgetüberschreitungen sind an der Tagesordnung. Warum das so ist, sollte eine empirische Studie klären. Auf Basis des international verbreiteten PM-Standards PMBOK(R) Guide untersuchte Dr. Jörg Storm, wie viel Zeit Projektmitarbeiter aus Deutschland, Japan und den USA für die Umsetzung der einzelnen PM-Prozesse aufwenden. Die Ergebnisse der Studie, die er gemeinsam mit Marcus Müller vorstellt, liefern eine wichtige Orientierung bei internationalen Projekten und zeigen, auf welche PM-Prozesse sich ein Projektleiter besonders konzentrieren muss, um Projekte mit deutschen, japanischen und amerikanischen Teammitgliedern erfolgreich abzuschließen.

Mit zunehmender Globalisierung wächst auch die Bedeutung internationaler Projekte. Die Anzahl solcher Projekte steigt, und damit auch die Zahl multikultureller Projektteams. Auch wenn kulturelle Unterschiede im Projektteam die Dynamik eines Teams bereichern und Grundlage für kreative Lösungsansätze sein können, so bieten sie auch Raum für Missverständnisse. In Folge davon liefern viele internationale Projekte nicht die ursprünglich versprochenen Ergebnisse oder scheitern sogar ganz.

Um als Projektmanager auf internationaler Ebene erfolgreich zu sein, ist es deshalb notwendig, die speziellen Herausforderungen im Rahmen internationaler Projekte zu kennen. Wichtig ist vor allem zu verstehen, welche Auswirkungen kulturelle Einflüsse auf das Projektmanagement (PM) und das Verständnis der PM-Methodik haben können.

In meiner Zeit als Projektmitglied, aber auch als Projektleiter in den USA, Deutschland und Japan wurde ich sehr oft mit Budget- und Zeitüberschreitungen konfrontiert. Diese Beobachtung führte zu der Idee, eine wissenschaftliche Untersuchung durchzuführen, um die Gründe für die signifikanten Abweichungen bei Budget und Zeit – insbesondere bei Projekten in den USA, Deutschland oder Japan – zu erforschen. Die Untersuchung sollte unter anderem klären, inwieweit kulturelle Faktoren bei den beobachteten Zeit- und Budgetüberschreitungen eine Rolle spielen und ob ein Zusammenhang besteht zwischen der Landeskultur der Teammitglieder aus den USA, Deutschland oder Japan und der Implementierungsbreite und ‑tiefe einzelner Bereiche der PM-Methode.

Online-Befragung

Um die Gründe für die signifikanten Abweichungen bei Budget und Zeit zu ermitteln, wurde zwischen Juli und September 2008 eine Online-Befragung durchgeführt. Die URL des in englischer und japanischer Sprache verfassten Fragebogens wurde einerseits per Email verschickt, andererseits auf verschiedenen Internetplattformen bereitgestellt (z.B. www.xing.com; www.internations.org und www.linkedin.com) sowie in diversen Newslettern publiziert (z.B. Newsletter der PMI Chapter München, Washington D.C. und Buenos Aires). Die Umfrage stand damit Interessenten diverser Nationalitäten zur Verfügung, wobei der Hauptfokus auf den untersuchten Ländern Deutschland, Japan und den USA lag.

Insgesamt beteiligten sich 1.036 Personen an der Online-Befragung. Die Teilnehmer stammten vorwiegend aus Deutschland (47%), Japan (23%) und den USA (21%), ein geringer Anteil auch aus anderen Ländern (8,2%). Etwa ein Viertel der Teilnehmer (26%) verfügte über mehr als zehn Jahre Erfahrung im internationalen Projektmanagement, 32% über fünf bis zehn Jahre, 29,4% über zwei bis fünf Jahre und 13% über ein bis zwei Jahre Erfahrung. Die meisten der Befragten arbeiten in IT Unternehmen (20%), in der Automobilebranche (18,5%) oder in Telekommunikations-Unternehmen (9,5%). Die restlichen 52% kommen aus 14 verschiedenen Industriezweigen, u.a. aus den Bereichen Unternehmensberatung (8%), Ingenieurwesen (7%), Konsumgüter (6,6%) und Finanzen (6,43). Über 61% der Teilnehmer hatten eine Management Position inne, wie z.B. Projektleitung oder Teilprojektleitung, 17% waren Projektmitglieder, die restlichen 22% setzten sich zusammen aus PMO-Mitarbeitern, Trainern, diversen Stakeholdern sowie Kunden.

Um eine möglichst hohe Qualität sicherzustellen, wurden zur weiteren Auswertung nur die Daten derjenigen Personen herangezogen, die mehr als zwei Jahre Erfahrung im internationalen Projektmanagement nachweisen konnten. Nach dieser Maßnahme standen 768 gültige Fragebögen zur Analyse zur Verfügung.

Ansatz

Ziel der Untersuchung war es, eine bestehende Projektmanagement Methodik um kulturspezifische Aspekte zu erweitern, so dass beides zusammen Hilfestellung in multikultureller Projektarbeit geben kann. Da die Untersuchung vor allem kulturelle Eigenheiten von Japan, USA und Deutschland analysierte, sollte sich die Erweiterung auf diese Kulturräume konzentrieren.

Zunächst war es notwendig, eine geeignete Projektmanagement-Methodik als Basis für die kulturspezifische Betrachtung zu bestimmen. Die hier durchgeführte Untersuchung betrachtete drei ausgewählte Ansätze:

  • P2M – Project and Program Management der Project Management Association of Japan (
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