Schulungsinitiative bei den SBB

Mehr PM Know-how für den Lenkungsausschuss

Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) stellen hohe Erwartungen an ihre Projektmanager – die Mitglieder des Lenkungsausschusses müssen hingegen keine PM-Kenntnisse mitbringen. Dass die Zusammenarbeit bei so unterschiedlichen Voraussetzungen nicht immer optimal klappt, verwundert nicht. Eine spezielle PM-Schulung für Führungskräfte bei den SBB sollte das verbessern. Thomas Hunziker und Thomas Bachmann zeigen, wie die Initiative gelang.

 

Schulungsinitiative bei den SBB

Mehr PM Know-how für den Lenkungsausschuss

Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) stellen hohe Erwartungen an ihre Projektmanager – die Mitglieder des Lenkungsausschusses müssen hingegen keine PM-Kenntnisse mitbringen. Dass die Zusammenarbeit bei so unterschiedlichen Voraussetzungen nicht immer optimal klappt, verwundert nicht. Eine spezielle PM-Schulung für Führungskräfte bei den SBB sollte das verbessern. Thomas Hunziker und Thomas Bachmann zeigen, wie die Initiative gelang.

 

Projektmanager müssen bei den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) hohe Erwartungen erfüllen. Als Arbeitgeber erwarten wir, dass diese eine formale Projektmanagement-Ausbildung mitbringen oder erwerben, möglichst IPMA-zertifiziert sind und unseren firmenspezifischen zweitägigen Kurs für Projektmanager absolvieren. Von den Lenkungsausschuss-Mitgliedern erwarten wir im Gegensatz dazu jedoch keine speziellen Vorkenntnisse in Projektmanagement. Die Linienorganisationen delegieren Vertreter in den Lenkungsausschuss (LA) nach eigenen Kriterien.

Projekt Management Office der Division Personenverkehr der SBB

Das Project Management Office Personenverkehr (PMO P) ist für das Einzelprojektmanagement (EPM), d.h. für die Prozesse, Methoden und Instrumente der gesamten Division SBB Personenverkehr (s.u.) verantwortlich. Darüber hinaus definieren wir das interne Ausbildungsangebot für Projektpersonal und überprüfen die Einhaltung der EPM-Regeln mit Hilfe standardisierter Reviews. In der Organisation sind wir dem Geschäftsbereich "Finanzen" und darin dem Bereich "Projekt- und Investitionscontrolling" unterstellt. Die Abteilung ist mit vier Mitarbeitenden besetzt (drei Vollzeitstellen und eine Halbtagsstelle).

Division Personenverkehr der SBB

Mit fast 14 000 Mitarbeitenden ist der Personenverkehr die größte Division der SBB. Sie besteht aus den Geschäftsbereichen Regionalverkehr, Fernverkehr, Operating, Verkehrsmanagement, Vertrieb und Services, Finanzen, Human Resources, Unternehmensentwicklung, Programm Management sowie Öffentliche Sicherheit. Leiterin ist Jeannine Pilloud. 120 Projektmanager (nach Definition IPMA) arbeiten in der Division P.

Damit die LA-Mitglieder ihre Aufgaben im Gremium überzeugend erfüllen können, sind jedoch relevante Projekterfahrungen von Vorteil. Es ist daher naheliegend, auch von den Linienkadern grundlegende Kenntnisse des Projektmanagements und des Projektmanagement-Regelwerks PPM (Professionelles Projektmanagement Personenverkehr) zu erwarten. Auf Grund dieser Überlegungen, unseren Beobachtungen in Lenkungsausschuss-Sitzungen und wiederholten Klagen von Projektmanagern haben wir – das PMO Personenverkehr (siehe Kasten) – einen klaren Handlungsbedarf festgestellt. So entstand die Idee, einen Kurs anzubieten, der sich an den Anforderungen der LA-Mitglieder orientiert. In der Folge präsentierten wir diese Idee unserer direkten Vorgesetzten und bekamen grünes Licht, einen entsprechenden Kurs zu konzipieren.

Konzeption und Rahmenbedingungen

Ziel des Kurses sollte nach unserer Definition sein, dass die Teilnehmer die Grundlagen des PPM und die Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortung ihrer Rolle als Lenkungsausschuss-Mitglied kennen. Zudem sollte nach dem Kurs auch das Standardreporting auf Basis von SAP PPM 6.1 bekannt sein.

Nach der Freigabe des Auftrags konzipierten wir den Kurs mit der offiziellen Bezeichnung "Projekte in P erfolgreich lenken" (P = SBB Personenverkehr). Dabei galten folgende Rahmenbedingungen:

  • Sämtliche der rund 140 LA-Leiter und -Mitglieder der Division SBB Personenverkehr werden im Rahmen dieser Schulung ausgebildet. Davon ausgenommen sind Projektmanager, auch wenn diese ebenfalls zu den LA-Mitgliedern gehören. Die Namen der Schulungsteilnehmer entnahmen wir der "LA-Liste", die wir seit etwa einem Jahr führen und die sämtliche laufende Projekte mit den zugehörigen LA-Mitgliedern aufführt.
  • Der Kurs sollte nicht mehr als einen halben Tag dauern.
  • Es durften nur interne Ressourcen für Konzeption und Durchführung verwendet werden.

Mit diesen Rahmenbedingungen machten wir uns an die Arbeit. Ich muss vorausschicken, dass es im PMO zwar viel Erfahrung im Durchführen und Auffrischen von Kursen gab, jedoch nicht unbedingt in der Konzeption von etwas ganz Neuem. Rasch war uns klar, dass wir den Teilnehmern mehr bieten mussten als im PPM Grundkurs für Projektleitende & Controller. Schließlich waren für die Teilnahme primär Kollegen aus dem mittleren und dem Top-Kader vorgesehen. Der Kurs musste also noch lehrreicher, noch spannender und – ganz entscheidend – trotzdem kompakt gestaltet sein.

Wir entschieden uns für die in Tabelle 1 gezeigte Struktur. Der Fokus des Kurses liegt dabei auf der Rolle der LA-Mitglieder, um die Wichtigkeit und Verantwortung dieses Steuerungsgremiums für Projekte zu vermitteln. Die Teilnehmerzahl des Kurses legten wir auf mindestens acht bis maximal zehn fest. Um den Kurs gleichzeitig lehrreich und kompakt zu gestalten, entschieden wir uns, diesen mit zwei Moderatoren durchzuführen.

Tabelle 1: Struktur des Kurses zur Schulung der LA-Mitglieder.
Element Dauer Inhalt
Begrüßung / Einstieg 15 min Warum bieten wir diesen Kurs an? Was sind die Lernziele?
Grundlagen 45 min Hauptbotschaften: Die Kurs-Teilnehmer auf den gleichen Stand bringen; d.h. Projektmanagement Regelwerk SBB Personenverkehr (PPM), Aufgaben / Kompetenzen / Verantwortung eines LA, Rollen in einem LA und Reporting. Diese Grundlagen sind die Basis der Zusammenarbeit in einem Lenkungsausschuss.
Fallstudie 1 60 min Aufteilung der Teilnehmer in LA-Mitglieder und Beobachter Fiktive Projektsituation, dargestellt mit Ausgangslage und einem Statusbericht des PL. Darin sind verschiedene PM-Disziplinen enthalten, die ein schnelles und konsequentes Handeln des LA erfordern. Die Beobachter betrachten den LA aufmerksam und berichten anschließend von ihren Wahrnehmungen.
Pause 20 min
Fallstudie 2 55 min Siehe Fallstudie 1, jedoch mit Rollenwechsel bei der Aufteilung in LA-Mitglieder und Beobachter
Erfolgsfaktoren 20 min Auf was kommt es wirklich an? Mechanismen des "magischen Dreiecks" (Kosten, Termine, Qualität)
Abschluss 10 min Aufruf, das Gelernte anzuwenden.

Realitätsnahe Fallstudien

Bewertungen und Kommentare

(nur angemeldete Benutzer)

Diese Funktion steht nur eingeloggten Nutzern zur Verfügung. Jetzt einloggen
Gesamt
Bewertungen 11
Kommentare 5

Alle Kommentare

André
Aeschbacher
Als Projektleiter bei der SBB, Personenverkehr kann ich beim Lenkungsausschuss eine merkliche Qualitätssteigerung spüren. Die Mitglieder sind aktiver und geben ein konstruktiv-kritisches Feedback.

 

Siegfried
Männer
Dr.
Was man bei diesen Schulungen nie versteht, Zielpersonen sind Führungskräfte und Leitungsverantwortlichen. Ich halte dieses Konzept für überholt und für ein funktionables PM auch gefährlich. Wie schon in der Diskussion um Qualität und EFQM entscheidet sich ein gutes Projekt und der Projekterfolg beim Pförtner. Ist dieser "an Bord", dann funktioniert es. Wie will man den sonst sicherstellen, dass alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen eine gemeinsame Identität entwickeln und collaborativ für den Projekterfolg stehen. Eine Schulung/Zertifizierung würde es in unserem Unternehmen nie geben.

 

Guest
Klasse! Da könnten sich viele Organisationen ein Beispiel dran nehmen!!!

 

Peter
Benischke
keine

 

Marcel
Betschart
Ich habe den Kurs selbst besucht, er gibt für LA-Mitglieder einen guten Einblick in die eigene Tätigkeit als Projektauftraggeber.

 

Alle anzeigen