It's just work

Psychische Überforderung im Projekt – Praxistipps zur Prävention

Stress und eine dauerhafte Überlastung sind gerade in der Projektarbeit häufig anzutreffen. Das Risiko, einen Burnout zu entwickeln, ist deshalb hier besonders groß. Doch was können Unternehmen, Vorgesetzte und der einzelne Mitarbeiter dagegen tun? Roswitha Müller-Ettrich, Dr. Tatjana Reichhart und Dr. Werner Kissling beleuchten die wichtigsten Risikofaktoren und stellen präventive Maßnahmen vor.

 

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Psychische Überforderung im Projekt – Praxistipps zur Prävention

Stress und eine dauerhafte Überlastung sind gerade in der Projektarbeit häufig anzutreffen. Das Risiko, einen Burnout zu entwickeln, ist deshalb hier besonders groß. Doch was können Unternehmen, Vorgesetzte und der einzelne Mitarbeiter dagegen tun? Roswitha Müller-Ettrich, Dr. Tatjana Reichhart und Dr. Werner Kissling beleuchten die wichtigsten Risikofaktoren und stellen präventive Maßnahmen vor.

 

Projektarbeit in seiner gesamten Vielfalt birgt ein hohes Burnout-Risiko. Zu dieser Erkenntnis gelangte im vergangenen Jahr die GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement Deutschland e.V. in Zusammenarbeit mit dem Centrum für Disease Management der Technischen Universität München in einer breit angelegten Studie, die knapp 1.000 Projektmanager und -Mitarbeiter untersuchte (ausführliche Studienergebnisse finden Sie im Bericht "Ergebnisse Burnout-Studie 2014" der GPM sowie im Beitrag "Wie Burnout-gefährdet sind Projektmanagerinnen und -manager?", Projekt Magazin 15/2014).

Anhand eines standardisierten Messinstruments konnte bei einem Drittel der Befragten ein erhöhtes Burnout-Risiko festgestellt werden. Dabei ist Burnout an sich keine eigenständige Diagnose, sie gilt jedoch als Risikofaktor und möglicher Vorläufer bei der Entstehung einer diagnostizierbaren und behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung wie z.B. Depression, Angststörung oder Abhängigkeitserkrankung (Hamann et al.; Nervenarzt 2013).

Der vorliegende Beitrag stellt zunächst diejenigen Risikofaktoren vor, die den größten Einfluss auf die Entwicklung eines Burnouts im Projektalltag haben. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen zeigt der Artikel, an welchen Stellen Unternehmen, Vorgesetzte und der einzelne Mitarbeiter ansetzen können, um Stress und eine dauerhafte Überlastung abzubauen sowie der Entstehung eines Burnouts vorzubeugen.

Risikofaktoren kennen – Krankheiten vermeiden

Bei der Entwicklung eines Burnouts, also dem körperlichen und psychischen Erschöpfungssyndrom, spielen sowohl andauernde Überbelastungen im Beruflichen als auch im Privaten eine Rolle. Neben äußeren risikohaften Bedingungen kommen häufig bestimmte Persönlichkeitseigenschaften als potentielle Risikofaktoren hinzu. So sind gerade die Menschen gefährdet, die sich selber antreiben, über ihre Leistungsgrenze gehen, sehr leistungsorientiert sind, dabei dauerhaft wenig auf ihre eigenen Bedürfnisse achten und Warnzeichen ihres Körpers ignorieren, weil es zeitlich vielleicht gerade "ungelegen ist" etc.

Die äußeren (umweltbezogenen) und inneren (persönlichkeitsbezogenen) Risikofaktoren zu kennen und zu beachten, ist sowohl für Unternehmen als auch für die im Projektmanagement Beschäftigten von besonderer Bedeutung, um Krankheiten zu vermeiden und die Widerstandskraft gegenüber Stress zu stärken.

Wirtschaftliche Folgen

Dass dieses Thema für die Unternehmen auch ökonomisch von besonderem Interesse ist, unterstreichen die Arbeitsunfähigkeitstage (AU-Tage) aufgrund psychischer Erkrankungen, die in den letzten 15 Jahren um 165% gestiegen sind. Aktuell entfallen pro Jahr durchschnittlich 213 AU-Tagen auf 100 Versicherte, was bedeutet, dass statistisch jeder Mitarbeiter jedes Jahr mehr als 2 Tage wegen psychischer Erkrankungen am Arbeitsplatz fehlt. Was die Ursachen für die AU-Tage betrifft, stehen psychische Erkrankungen insgesamt auf Platz 3 nach Muskel-Skelett-Erkrankungen und Erkrankungen der Atmungsorgane (s. auch DAK-Gesundheitsreport 2014).

Da ca. 40% der Rückenbeschwerden auf Stress und psychische Belastungen zurückzuführen sind, sind seelische Ursachen eigentlich jetzt schon der Hauptgrund für Fehltage. Das kostet ein Unternehmen mit 1.000 Mitarbeitern jedes Jahr ca. 4,8 Millionen Euro. Die große ökonomische Bedeutung dieses Themas wird in vielen Unternehmen und Behörden noch unterschätzt. Die direkten Kosten für psychische Erkrankungen in Deutschland belaufen sich auf ca. 29 Milliarden Euro pro Jahr und die jährlichen Produktionsausfälle aufgrund psychischer Erkrankungen werden auf zusätzlich 26 Milliarden Euro geschätzt (s. u.a. Bericht der Hans Böckler Stiftung).

Risikofaktoren im Projektmanagement

So stellt sich die zentrale Frage, welche präventiven Strategien aus den Ergebnissen der Burnout-Studie für die Beschäftigten der Projektwirtschaft abgeleitet werden können. Dazu sind vorweg die gravierendsten Burnout-Risikofaktoren im Projektmanagement zu diskutieren, wobei auf Unterschiede zwischen den Teilnehmergruppen eingegangen wird. Diese projektmanagementspezifischen Risikofaktoren sind die Basis für den Einsatz wissenschaftlich belegter Präventions-Strategien (siehe hierzu z.B. "Psychische Belastungen", Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV) oder Infoseiten "Betriebliche Gesundheitsförderung" des Bundesministeriums für Gesundheit).

Im Folgenden werden konkrete Beispiele zur Umsetzung dieser Evidenz-basierten Strategien gegeben, ergänzt durch Ergebnisse der zahlreichen Diskussionsrunden zum Thema mit Projektmanagerinnen und-managern.

Die am stärksten belastenden äußeren Risikofaktoren

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