Rollenteilung und ihre möglichen Konsequenzen

Füllen mehrere Mitarbeiter ein- und dieselbe Rolle aus, sind Probleme programmiert. Der Projekterfolg ist in Gefahr, wenn niemand die Rollenträger miteinander koordiniert. Jonathan Siegel schlägt in seinem Beitrag mit einem Augenzwinkern den Bogen von den "Chaos- und Kosmos"-Theorien antiker Philosophen zum heutigen Projektalltag. Er beschreibt mögliche Folgen einer schlecht organisierten Rollenteilung und schlägt konkrete Präventivmaßnahmen vor. Der Artikel wurde ursprünglich in Englisch verfasst und steht interessierten Lesern auch in der Originalversion zur Verfügung.

In der Projektarbeit ist es oft erforderlich, dass sich mehrere Personen eine Rolle teilen. Zum Beispiel, wenn die für eine Rolle vorgesehenen Aufgaben besonders komplex sind oder wenn das begrenzte Budget keine andere Möglichkeit zulässt. Projektleiter, Auftraggeber, Software Architekten, Software Tester, etc. sind Beispiele für Rollen, die in der Praxis oft auf mehrere Personen aufgeteilt werden. Dieser Beitrag verdeutlicht die negativen Auswirkungen der Rollenteilung. Er zeigt, wie wichtig Vorsorgemaßnahmen sind, um unerwünschte Folgen in Grenzen zu halten, beziehungsweise zu vermeiden.

Chaos und Kosmos: Was Desorganisation mit Vernunft zu tun hat

Für die Philosophen vergangener Zeiten war die Welt leicht erfassbar. Auf der eine Seite herrschte das Chaos, also Durcheinander und Instabilität, und auf der anderen der Kosmos - also Ordnung und Stabilität. Über die zeitliche Abfolge war man sich einig: Zuerst kam das "böse" Chaos, danach der "gute" Kosmos. Irgendwann würde alles seinen Platz finden.

Was schließen wir heute daraus? Die Philosophen von damals haben wahrscheinlich nie ein Projekt durchgeführt!

Ein gewisses Maß an Chaos lässt sich in Projekten nie ausschließen. Projektleiter müssen immer mit dem Faktor Unsicherheit rechnen. Damit umzugehen ist meist verwirrend. Software-Projekte sind darüber hinaus Opfer eines ganz besonderen "modernen Leidens": Das fürchterlichste Chaos kann plötzlich aus dem schönsten Kosmos heraus entstehen. Mit anderen Worten: Konfusion entsteht nicht unbedingt immer aus unorganisiertem Verhalten der Projektmitarbeiter, sondern wegen deren "vernüftigem" Handeln.

Ein Beispiel aus der Praxis

Nehmen wir an, ein Unternehmen hat den Auftrag, ein Auto herzustellen. Es setzt ein Projekt mit drei Gruppen und drei Gruppenleitern auf: "Mechanik" (Frau Gaber), "Elektronik" (Herr Weiß) und "Design" (Herr Walter). Am ersten Projekttag schickt der Kunde Frau Gaber eine E-Mail mit den aktuellsten Motor-Spezifikationen zu ("motorspec.doc"). Die E-Mail ist - natürlich - verschlüsselt.

Frau Gaber möchte ihre Kommunikation mit dem Kunden dokumentieren. Deshalb speichert sie das verschlüsselte Dokument auf dem Server des Unternehmens, um später darauf zurückgreifen zu können.

Gleichzeitig möchte sie aber auch die Kollegen über die neuen Anforderungen informieren. Sie entschlüsselt das Dokument, damit es alle lesen können, speichert es auf dem Server und schickt es per E-Mail an

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