Schluss mit Spielchen

Geht es darum, Arbeit zu vermeiden, kennt der Einfallsreichtum mancher Mitarbeiter keine Grenzen. Sie verkomplizieren Sachverhalte, fragen unnötig oft nach oder verweisen auf angeblich schwierige Rahmenbedingungen. Marcus Heidbrink zeigt in seinem Tipp, wie Sie souverän mit solchen typischen Mitarbeiterspielchen umgehen können.

Schluss mit Spielchen

Geht es darum, Arbeit zu vermeiden, kennt der Einfallsreichtum mancher Mitarbeiter keine Grenzen. Sie verkomplizieren Sachverhalte, fragen unnötig oft nach oder verweisen auf angeblich schwierige Rahmenbedingungen. Marcus Heidbrink zeigt in seinem Tipp, wie Sie souverän mit solchen typischen Mitarbeiterspielchen umgehen können.

Geht es darum, Arbeit zu vermeiden, können manche Mitarbeiter durchaus einfallsreich sein. Sie erklären wortreich, warum sie bestimmte Teilziele nicht erreichen oder Fristen nicht einhalten können. Hier muss der Projektleiter auf der Hut sein: Der Mitarbeiter beginnt ein "Spielchen" und versucht auf diese Weise, Aufgaben und Verantwortung zurück zu delegieren.

Beliebte Spielchen

In Projekten zeichnen sich häufig drei typische Mitarbeiterspielchen ab:

  • "Ja, aber...": Bei diesem Spiel demonstriert der Mitarbeiter das eigene Wissen, neigt zum Verkomplizieren, sieht überall Risiken und will dabei aber eigentlich nur Zeit schinden und keine Verantwortung übernehmen. Lassen Sie sich auf dieses Spielchen ein, haben Sie die Arbeit schnell wieder auf Ihrem Tisch – und nicht der Mitarbeiter.
  • "Ich bin blöd": Dieser Mitarbeiter unterschätzt die eigenen Fähigkeiten, sucht Rat und Hilfe und möchte alles detailliert erklärt haben. Dabei will dieser Typus aber in erster Linie Aufmerksamkeit und eigentlich die Aufgabe zurückdelegieren. Mit ihren Hinweisen auf die eigene Überforderung versuchen diese Mitarbeiter eine Entschuldigung parat zu haben, falls es später dann doch nicht ganz geklappt haben sollte. Und Sie als Vorgesetzter sind für das Scheitern verantwortlich, da Ihr Mitarbeiter Sie schließlich früh genug auf sein Nicht-Können hingewiesen hat – vorausgesetzt, Sie lassen sich auf dieses Spiel ein.
  • "Ach, die Welt ist so schrecklich": Dieser Mitarbeiter sieht nur halb leere Gläser, betont die Schlechtigkeit der Welt, plagt sich mit Zukunftssorgen und will nichts als Ruhe, Routine und Sicherheit. Der Mitarbeiter verweist besonders auf schwierige Rahmenbedingungen, um durch solche Diskussionen von der eigenen Person und Aufgabe abzulenken. Lassen Sie sich auf diese Diskussionen ein, werden Sie dazu verleitet, die Rahmenbedingungen zu verändern.

Lösungsvorschläge einfordern

Was können Sie also tun, wenn ein Mitarbeiter mit einem dieser Spielchen beginnt? Die Antwort: Fordern Sie den Mitarbeiter auf, eigene Lösungsvorschläge zu machen. Erkennen Sie den Mitarbeiter als Experten für den zugeordneten Teilbereich an und nehmen Sie ihn zeitgleich in die Verantwortung.

Betonen Sie, dass Sie die eigenständige Bearbeitung der besprochenen Aufgabenfelder erwarten und halten Sie eigene Ideen zurück – auch wenn für Sie die Lösung auf der Hand liegt.

Auf die drei typischen Spielchen reagieren Sie wie folgt:

  • "Ja, aber..."-Spiel: Anerkennen des Mitarbeiters als Experten und nach eigenen Lösungsideen rückfragen.
  • "Ich bin blöd"-Spiel: Auftreten als Partner des Mitarbeiters und in coachendem Stil rückfragen nach bisherigen Lösungsversuchen, persönlichen Hindernissen und eigenen Vorschlägen zum weiteren Vorgehen.
  • "Ach, die Welt ist so schrecklich"-Spiel: Zeigen Sie Verständnis für die Sorgen des Mitarbeiters. Fragen Sie aber nach Vorschlägen, wie er die Arbeit trotz des schwierigen Rahmens verrichten kann.

Bleiben Sie hart

Auch wenn die Gespräche höflich und verständnisvoll ablaufen – bleiben Sie in der Sache hart. Der Mitarbeiter kann durchaus spüren, dass Sie auf ihn angewiesen sind. Denn sollte er dem eigenen Aufgabenbereich nicht gerecht werden, läuft das Kollektiv Gefahr, die gesteckten Ziele zu verfehlen. Dieser Verantwortung muss sich jedes Teammitglied stellen.

Wenn Mitarbeiter zu Ihnen kommen und um Hilfe bitten, wirkt das Einfordern eigener Lösungsvorschläge von ihnen zunächst nicht unterstützend. Es birgt die Gefahr, dass sich Mitarbeiter alleine gelassen fühlen und Sie als hart und unpartnerschaftlich wahrnehmen.

Reagieren Sie nicht auf alle Mitarbeiter gleich. Trennen Sie sorgfältig zwischen den Mitarbeitern, die Spielchen mit Ihnen versuchen und denen, die nur in Ausnahmesituationen und gut begründeten Fällen zu Ihnen kommen. Grundsätzlich gilt: Bügeln Sie Einwände Ihrer Mitarbeiter nicht kommentarlos ab, sondern signalisieren Sie Verständnis für die Bedenken.

Weitere Empfehlungen zur Teamführung finden Sie in dem Buch "Das Projektteam" von Marcus Heidbrink. Das Buch ist erschienen in der Reihe "Projektmanagement Klartext".

Bewertungen und Kommentare

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Kommentare 2

Alle Kommentare

Uwe
Keller
Was hier als "Spielchen" bezeichnet wird, dürfte wohl tiefer gehende Gründe haben. Vielleicht sollte man eher den eigenen Führungsstil reflektieren? Die vorgeschlagenen Lösungen sind ein äußerst arroganter, wenig kooperativer und nicht zeitgemäßer Ansatz, der kaum erfolgreich sein dürfte.
Andreas
Diener
Dr. sc. techn.
Ich halte diese Art von Reaktion für gefährlich. Es fehlt der wichtige erste Schritt: Erkennen, ob wirklich ein "Spielchen" vorliegt oder eine echte Überforderungssituation. Ohne diese Analyse laufe ich Gefahr, erste Symptome eines Burnouts zu verkennen!
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