Qualitätssicherung in der Software-Entwicklung Technische Reviews

Teil 2:
Voraussetzungen und Rentabilität

Qualitätssicherung in der Software-Entwicklung Technische Reviews

Teil 2:
Voraussetzungen und Rentabilität

Mit Technischen Reviews lassen sich Fehler bei der Software-Entwicklung frühzeitig entdecken und kostspielige Nachbesserungen vermeiden. In Teil 1 dieses Beitrags haben Sie erfahren, welche Vor- und Nachteile ein Review hat, wer daran beteiligt ist und wie es in der Praxis abläuft. In Teil 2 werden nun die Voraussetzungen für effektive Reviews vorgestellt; des Weiteren wird anhand von Beispielen aufgezeigt, welche Kosteneinsparungen mit Reviews möglich sind.

Voraussetzungen für effektive Reviews

Wille zu kontinuierlicher Verbesserung

Um erfolgreiche Reviews durchzuführen und mit ihnen Kosteneinsparungspotenziale zu realisieren, braucht eine OrganisationOrganisationDer Begriff "Organisation" wird in drei, eng miteinander verknüpften Bedeutungen verwendet: Organisation als System Die Aufgabe, innerhalb des Systems Prozesse und Strukturen zu gestalten. Die Struktur eines solchen Systems den Willen, sich laufend zu verbessern und einen hohen ReifegradReifegradMit dem Begriff Reifegrad wird gemeinhin die Fähigkeit einer Organisation hinsichtlich einer bestimmten Methode oder eines Handlungs- und Führungsmodells beschrieben. Am bekanntesten ist die Verwendung des sog. Reifegrads im Capability Maturity Model des Software Engineering Institutes. Das Project Management Maturity Model verallgemeinerte das CMM auf den gesamten Bereich des Projektmanagements. Darüber hinaus ist der Begriff Reifegrad auch im Zusammenhang mit Risikomanagement, Qualitätsmanagement und anderen Managementbereichen zu finden. (Maturity Level) zu erreichen. Um den Reifegrad einer Organisation zu bestimmen, wurde 1986 an der Universität Pittsburgh das Capability Maturity ModelCapability Maturity ModelDas Capability Maturity Model (CMM) wurde in den 90er Jahren vom Verteidigungsministerium der USA entwickelt, um die Qualität von Software-Zulieferern standardisiert beurteilen zu können. Es beschreibt den "Reifegrad der Fertigkeit" (Capability Maturity) in fünf Stufen, angefangen vom einfachen, unstrukturierten Programmieren bis hin zum standardisierten und beständig optimierten Software-Entwicklungsprozess. (CMM) entwickelt. Im Jahr 2002 wurde dieses durch das Capability Maturity Model Integration (CMMI) ersetzt. In Bild 1 ist eine vereinfachte Übersicht des CMMI dargestellt.

Bild 1: Der Reifegrad einer Organisation lässt sich nach dem fünfstufigen Capability Maturity Model Integration (CMMI) einordnen.

Um Level 2 im CMMI zu erreichen, muss eine Organisation im Rahmen der Qualitätsplanung Qualitätsstandards wie zum Beispiel Prüftechniken, Prozesse und Werkzeuge in einem QualitätssicherungsplanQualitätssicherungsplanDer Qualitätssicherungsplan eines Projekts definiert die Umsetzung der Qualitätssicherung innerhalb eines Projekts. definieren und weitgehend einhalten. Die wichtigste Voraussetzung für eine funktionierende Qualitätssicherung ist das Management Commitment. Fehlen Rückendeckung und Engagement des Managements, können QS-Maßnahmen nicht die gewünschte Wirkung erzielen. Ohne Management Commitment werden QS-Maßnahmen weniger ernst genommen und mit der Zeit mangelhaft bis gar nicht mehr durchgeführt. Der Mensch ist ein "Gewohnheitstier" und braucht Vertrauen und in der Regel auch einen gewissen Druck, um sich zu verändern. Zudem ist es bei Veränderungen am effektivsten, wenn das Management mit gutem Beispiel vorangeht.

Prüfplan

In der Qualitätsplanung wird u.a. festgelegt, wie die Qualitätsprüfung von Dokumenten, Quelltext und lauffähiger Software durchgeführt werden soll. Das Ergebnis dieser Planung ist der so genannte Prüfplan für Dokumente und Quelltexte sowie der Testplan für ausführbare Software. Da wir uns in diesem Artikel mit dem technischen Review beschäftigen, wird im Folgenden nur der Prüfplan für die statischen Prüfungen näher beleuchtet.

Im Prüfplan werden die Dokumente und Quelltexte aufgeführt, die mittels eines Reviews, eines Walk Throughs oder einer Code Inspection geprüft werden sollen. Grundvoraussetzung dafür ist, dass der Projektleiter weiß, welche Dokumente bzw. Arbeitsergebnisse in einem Projekt entstehen.

Die Kunst bei der Erstellung eines Prüfplans besteht darin, die Prüftechniken richtig und pragmatisch festzulegen. Es gibt weniger formelle Prüftechniken (Walk Through) und sehr formelle Prüftechniken (Review und Code Inspection). Welche Prüftechnik gewählt wird, hängt davon ab, welche Ziele mit der Prüfung verfolgt werden. Mögliche Ziele sind beispielsweise das Finden von Fehlern, der Erwerb von Fachwissen, die Förderung des Verständnisses fachlicher Zusammenhänge oder das Anstoßen einer Diskussion, an die sich eine Konsensentscheidung anschließen soll. Tabelle 1 zeigt, welche Methode für welche Zielsetzung am besten geeignet ist.

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