Sprungfolge

Sprungfolge bezeichnet in der Netzplantechnik eine Anordnungsbeziehung, die den Anfang des Vorgängers mit dem Ende des Nachfolgers verbindet. Für die Ablaufplanung bedeutet dies, dass der nachfolgende Vorgang erst dann enden darf, wenn der vorherige Vorgang begonnen wurde.

Die Bezeichnung "Sprungfolge" drückt bereits aus, dass es sich hier um eine zunächst in sich widersprüchlich erscheinende Anordnungsbeziehung handelt. Intuitiv bedeutet "Nachfolger", dass er erst nach seinem Vorgänger erfolgt. Im Sinne der Netzplantechnik sind Vorgänger und Nachfolger jedoch lediglich über ihre logische Abhängigkeit definiert, nicht über ihre zeitliche: Mit "Nachfolger" wird lediglich der Vorgang bezeichnet, auf den der Pfeil der Anordnungsbeziehung zeigt. Somit kann ein Nachfolger auch zeitlich vor seinem Vorgänger liegen. Für diesen Fall definiert die Sprungfolge, dass der Nachfolger erst dann enden kann, sobald der Vorgänger begonnen hat

Ein Beispiel für den Einsatz der Sprungfolge wäre die Inbetriebnahme eines neuen Datenbankservers. Erst wenn dieser neue Datenbankserver den Vollzeitbetrieb aufgenommen hat (Vorgängervorgang), darf der Betrieb des alten Servers (Nachfolgervorgang) enden. Dieser wäre im Sinne der Netzplantechnik Nachfolger, obwohl er zeitlich vor dem Betrieb des neuen Servers liegt.

Netzplantechnisch sinnvoll verwendet werden kann die Sprungfolge bei der Planung vom Projektende her. Wenn der erste Vorgang zeitlich am Ende des Projekts steht ("neuer Datenbankserver übernimmt den Betrieb"), definiert er über eine Sprungfolge die späteste Lage seines Vorgängers ("alter Server ist überflüssig"). Über eine Kette von Sprungfolgen ergibt sich so der späteste Projektbeginn. Die Vorwärtsrechnung in der Terminplanung wird dadurch eine erzwungene, zeitliche Rückwärtsrechnung.

Das Arbeiten mit Sprungfolgen birgt erhebliche Risiken, da ihre Berechnung zu nicht intuitiven Ergebnissen führen kann. Falls eine solche Anordnungsbeziehung bei der Projektplanung erforderlich scheint, sollte überprüft werden, ob nicht durch Setzen von Meilensteinen und Randbedingungen eine intuitive Abfolge der Vorgänge mit dem gleichen terminplanerischen Effekt erreicht werden kann.

In Projektmanagement-Software wird für die Sprungfolge oft der vom englischen Begriff "Start-to-Finish" wörtlich abgeleitete Begriff "Anfang-Ende-Beziehung" verwendet.

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von Dr. Georg Angermeier
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