Mit Insight Mapping können Sie aus heterogenen, qualitativen Daten belastbare Erkenntnisse gewinnen. Meiner Erfahrung nach eignet sich die Methode besonders dann, wenn Teams bereits viel Material gesammelt haben, z.B. aus Interviews, Feedback, Workshop-Notizen, und dennoch das Gefühl haben, "nicht wirklich weiterzukommen".
Ich habe die Methode erstmals bewusst eingesetzt, als Interviewaussagen logisch korrekt, aber strategisch wirkungslos blieben. Erst durch das gemeinsame Verdichten und Formulieren von Insights wurde sichtbar, welche unausgesprochenen Annahmen das Handeln tatsächlich steuerten.
Das Ziel von Insight Mapping ist, hinter Aussagen von Anwender:innen, Beobachtungen von Marktforschenden und aus erkannten Verhaltensmustern die zugrunde liegenden Bedürfnisse, Spannungen oder Entscheidungslogiken der betroffenen Personen sichtbar zu machen.
Ein Insight-Mapping-Workshop dauert in der Regel 60–90 Minuten und eignet sich besonders für kleine bis mittlere Gruppen. Entscheidend ist ein moderierter Rahmen, der Interpretation erlaubt, ohne vorschnell in Lösungen zu springen.
Sie können Insight Mapping z.B. an Methoden wie "Get out of the House" oder "Be Your Customer!" anschließen.
Beispiel: Widersprüchlichkeiten in den Kundenfeedbacks
Ein Projektteam aus dem After-Sales-Bereich eines Industrieunternehmens hatte mehrere Interviews mit Servicetechniker:innen und Kund:innen geführt, um die Kundenzufriedenheit zu erfassen und Verbesserungsmaßnahmen zu identifizieren. Die Rückmeldungen wirkten widersprüchlich: Einerseits wurde der Service als kompetent wahrgenommen, andererseits als schwer zugänglich und wenig verlässlich. Ziel des Insight Mappings war es, diese Spannungen zu verstehen.
Schritt 1: Klären Sie Ziel und Rahmen Ihres Insight Mappings!
Damit Sie mit Insight Mapping wirksame Ergebnisse erzielen können, brauchen Sie Klarheit über den Zweck: Was genau wollen wir verstehen und warum? Ohne ein gemeinsames Erkenntnisziel bleibt die Methode an der Oberfläche und produziert eher interessante Beobachtungen als tragfähige Einsichten.
Meiner Erfahrung nach entscheidet diese Phase darüber, ob Insight Mapping zu echten Erkenntnissen (Insights) führt oder nur bestehende Annahmen bestätigt. Klären Sie daher zu Beginn, auf welchen Problemraum sich die Analyse bezieht und welche Entscheidungen später davon abhängen sollen. Insight Mapping ist kein offenes Ideengenerieren, sondern ein gezielter Erkenntnisprozess.
Grenzen Sie den Fokus bewusst ein, etwa auf einen bestimmten Abschnitt eines Prozesses, eine konkrete Stakeholdergruppe oder wiederkehrende Irritationen. Wenn Sie zu viel gleichzeitig behandeln wollen, entstehen kaum Aha-Erlebnisse, sondern nur allgemeine Aussagen ohne konkreten Nutzwert.
Sie können hier KI unterstützend einsetzen, um vorhandenes Material grob zu sichten oder typische Themenfelder sichtbar zu machen. Die Zieldefinition selbst sollte jedoch im Team erfolgen.
Mögliche Leitfragen für die gemeinsame Klärung von Ziel und Rahmen sind:
- Welche Entscheidungen stehen an, für die wir Grundlagen brauchen?
- Welche Situationen oder Abläufe wollen wir uns genauer anschauen?
- Welche Personengruppe ist für unsere Überlegungen besonders wichtig?
Ich starte Workshops häufig mit der Frage:
"Was verstehen wir im Moment noch nicht, obwohl wir viele Informationen haben?"
Diese Frage verschiebt den Fokus von Lösungen hin zu Erkenntnislücken.
Beispiel: Zielklärung im After-Sales-Team
Das After-Sales-Team stellt fest, dass das Kundenfeedback widersprüchlich ausfällt: hohe Fachkompetenz, aber geringe Zufriedenheit. Die Projektleiterin formuliert das Ziel so:
"Wir wollen verstehen, warum Kundinn:en Vertrauen in unsere Expertise haben, sich aber im Prozess dennoch alleingelassen fühlen."
Das Team entscheidet, sich beim Insight Mapping auf Übergabepunkte zwischen Abteilungen zu konzentrieren. Damit ist der Rahmen klar: Es geht nicht um einzelne Mitarbeitende oder Tools, sondern um strukturelle Brüche im Erleben der Kund:innen.