Interview mit Uwe Böning, Böning-Consult AG

Coaching als Frischzellenkur in Reorganisationsprojekten

Wenn Firmen sich in Form einer Reorganisation häuten, geht für viele oft auch die Schutzschicht ihrer Arbeitsplätze verloren. Reorganisationen entfachen viel Brisanz, an der sie oftmals scheitern können. Um die schwierigen Umbruchprozesse in einer Reorganisation erfolgreich zu meistern, holen Unternehmen sich oft externe Coaches als Helfer. Doch kann ein Coach tatsächlich das Dynamit entschärfen, das bei einer Reorganisation entsteht? Georg von Stein sprach mit Uwe Böning, der als Coach seit knapp 20 Jahren Unternehmen bei der Reorganisation nach Fusionen und Akquisitionen begleitet, darüber, was er zum Erfolg eines Reorganisationsprojekts beiträgt und wie er dabei vorgeht.

Mitarbeiter eines Unternehmens, das sich im Stadium der Reorganisation befindet, sehen häufig die Sicherheit ihrer Arbeitsstelle in Gefahr: Werde ich meinen Arbeitsplatz behalten? Werde ich mehr arbeiten müssen? Wer von meinen Vorgesetzten bestimmt den weiteren Weg und wer wird Kompetenzen abgeben? Aus Sicht von Entscheidern und Projektleitern stellen sich noch weitere Fragen: Wie wirkt die interne Reorganisation auf unsere äußere Wettbewerbssituation? Ist das ausgearbeitete Konzept wirklich das beste? Wie viele Menschen werden ihren Arbeitsplatz verlieren müssen?

Viel Sprengstoff also, der sich in Reorganisationsprojekten aus den mannigfaltigen Interessen entzünden kann. Um Explosionen zu vermeiden, ziehen Unternehmen vermehrt einen Coach als Berater hinzu. Doch kann ein Coach tatsächlich helfen, das Dynamit zu entschärfen oder es gar in Dynamik zu verwandeln, mit der die Organisation kraftvoller agiert? Georg von Stein sprach mit Uwe Böning, der als Coach seit knapp 20 Jahren Unternehmen bei der Reorganisation nach Fusionen und Akquisitionen begleitet, darüber, was er zum Erfolg eines Reorganisationsprojekts beiträgt und wie ein Coach dabei vorgeht.

Uwe Böning (56) ist Mitglied des Vorstandes der Böning-Consult AG. Seit 1979 arbeitete er als Wirtschaftspsychologe und Führungskräftetrainer. Von 1992 bis 1995 war er parallel Direktor Personal bei B/S/H (Bosch-Siemens Hausgeräte/München) und von 2001 bis 2003 Coach im AMP (Advanced Management Program) von INSEAD, Fontainebleau. Als Berater und Executive-Coach ist er seit Mitte der 80er Jahre für Unternehmen wie BMW, E.ON, E.ON Energie, Schott Glas, Stinnes, Degussa, RWE, Nestlé, Linde etc. tätig. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Executive-Coaching, Change-Management und Coaching bei Reorganisationen und Post Merger Integrationen. Er ist Gründungsmitglied und Vorsitzender des Vorstandes des DBVC (Deutscher Bundesverband Coaching)/Frankfurt am Main und Autor von mehreren Artikeln und Fachbüchern.

"Reorganisationsprojekte sind geprägt von Komplexität, Widerständen und Konflikten"

Projekt Magazin: Was sind typische Fälle, in denen Sie für Reorganisationen engagiert werden?

Uwe Böning: Da gibt es viele Möglichkeiten. Zum Beispiel, wenn ein in einem Bereich qualifizierter Fachmann bei einer Reorganisation auf eine andere Führungsposition mit schwierigen Mitarbeitern gesetzt wird. Soll er dann alle Fehler machen, die mit professioneller Unterstützung vermeidbar sind? Ein Coach sollte die Lern- und Einführungszeit verkürzen.

Oder: Wenn zwischen zwei Vorständen oder Hauptabteilungsleitern ein persönlicher Streit entsteht, der die neuen Arbeitsabläufe behindert, dann helfe ich als Coach die Konflikte aufzulösen. Und wenn ein Projektleiter mit seinem Team in einem IT-Projekt immer wieder Termine und Budgets überfährt und das Projekt zu scheitern droht, dann coachen mein Team und ich Projektleiter bzw.

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