Eine Branche im Umbruch: Projektmanagement bei Energieversorgern

Die deutschen Energieversorger stehen vor großen Veränderungen: Die Liberalisierung der Energiemärkte, Zusammenschlüsse, Kooperationen und Vorschriften der EU erfordern neue Strukturen und Strategien. Aus dieser Entwicklung ergeben sich zahlreiche neue Projekte, zum Beispiel Organisations-, Investitions- oder IT-Projekte. Oliver Verspohl berichtet, wie sich die Unternehmen der Energiebranche auf professionelles Projektmanagement umstellen, in welchen Unternehmensbereichen Projekte derzeit vorrangig anfallen, wo es Defizite beim Projektmanagement gibt, wann externe Projektmanager helfen können und welche Kriterien diese erfüllen sollten.

Eine Branche im Umbruch: Projektmanagement bei Energieversorgern

Die deutschen Energieversorger stehen vor großen Veränderungen: Die Liberalisierung der Energiemärkte, Zusammenschlüsse, Kooperationen und Vorschriften der EU erfordern neue Strukturen und Strategien. Aus dieser Entwicklung ergeben sich zahlreiche neue Projekte, zum Beispiel Organisations-, Investitions- oder IT-Projekte. Oliver Verspohl berichtet, wie sich die Unternehmen der Energiebranche auf professionelles Projektmanagement umstellen, in welchen Unternehmensbereichen Projekte derzeit vorrangig anfallen, wo es Defizite beim Projektmanagement gibt, wann externe Projektmanager helfen können und welche Kriterien diese erfüllen sollten.

Mehr als 730 Energieversorgungsunternehmen (EVU) konkurrieren in Deutschland um eine gute Ausgangsposition für die Zukunft. Sie müssen sich auf tiefgreifende Veränderungen einstellen. Drei maßgebliche Entwicklungen kennzeichnen den Umbruch, in dem sich die Branche zur Zeit befindet:

1. Zusammenschlüsse und Kooperationen forcieren die Marktkonsolidierung. Jüngstes Beispiel ist die Übernahme der Ruhrgas AG durch die E.ON AG. Die Unternehmen sind gezwungen, die Integration schnell zu vollziehen und Synergien auszuschöpfen.

2. Mit Wirkung zum 1. Juli 2004 sind alle deutschen Strom- und Gasunternehmen dazu verpflichtet, die EU-Direktive II umzusetzen. Diese Direktive sieht vor, dass Energieversorger, die mehr als 100.000 Kunden beliefern, ihre Handels- und Transportaktivitäten gesellschaftsrechtlich entflechten müssen. Daher ist es nötig, eigenständige Transportgesellschaften mit neuen Organisationsformen zu gründen.

3. Die Liberalisierung der Energiemärkte hebt die Monopolstellung der Energieversorger auf. Denn die Endkunden haben nun die Möglichkeit, ihren Strom- und Gaslieferanten frei zu wählen. Diese Tatsache zwingt Unternehmen wie zum Beispiel E.ON, RWE, BEB oder Vattenfall Europe dazu, sich diesem neuen Wettbewerb zu stellen und sich sinnvoll zu positionieren. Das Management der Kundenbeziehungen (CRM - Customer Relationship Management) wird in diesem Prozess zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor.

Nur die Marktteilnehmer, die sich bedacht und organisiert den ständig wechselnden Anforderungen des Energiemarkts stellen, können maßgeschneiderte Produkte anbieten: Geschäftskunden fordern Energie "just in time" sowohl für ihre Produktion als auch zur Spitzenlastabdeckung. Privatkunden dagegen wünschen sich die Vollversorgung aus einer Hand für Strom, Gas, Wasser und Wärme.

Wie kann ein Energieversorger sich den wechselnden Marktanforderungen stellen?

Professionelles Projektmanagement ist die Voraussetzung dafür, dass die Unternehmen die anstehenden Veränderungsprozesse bewältigen. Nur so können sie in der derzeitigen Marktsituation wettbewerbsfähig bleiben, ihre Marktposition nachhaltig ausbauen und flexibel auf die wechselnden äußeren Bedingungen reagieren. Die Anpassung einzelner Unternehmensbereiche an neue Anforderungen bleibt durch gezieltes Projektmanagement steuerbar.

Projektmanagement in der Energiebranche: Der Status Quo

Obwohl Projektmanagement in der schwierigen Situation der Energiebranche dringend notwendig wäre, sehen viele Energieversorger diese Disziplin eher als lästige Pflicht denn als Chance oder Management-Instrument an, das dazu dient, den Wandel zu bewältigen. Der Grund ist die Monopolstellung, die die Unternehmen in der Vergangenheit innehatten. Das Geschäft lief problemlos, gezieltes Management von Projekten schien daher unnötig. Diese Einstellung haben die Verantwortlichen in vielen Energieunternehmen bis heute beibehalten.

Einheitliche Projektmanagement-Standards oder gar eine zentrale Projektmanagement-Instanz existieren dort meist nicht. Das Projektgeschäft läuft zusätzlich zum Tagesgeschäft. Häufig ist ungeklärt, wie die Projekte in die Linienorganisation eingebettet werden sollen. Deshalb stoßen zum Beispiel abteilungs- oder bereichsübergreifende Vorhaben auf Widerstände bei den betroffenen Mitarbeitern und Führungskräften.

Doch mittlerweile beginnen die Verantwortlichen in den Unternehmen, umzudenken: Gekürzte IT-Budgets und reduzierte Mitarbeiterzahlen auf der einen Seite, konstante oder steigende Projektanforderungen auf der anderen Seite erhöhen den Leidensdruck. Damit wächst die Notwendigkeit, professionelles Projektmanagement zu betreiben.

Projekte im IT-Bereich

Neben den eingangs angesprochenen Organisationsprojekten, die sich aus Zusammenschlüssen, Kooperationen und Neugründungen ergeben, ist auch im IT-Bereich professionelles Projektmanagement notwendig. Größere Projekte wie beispielsweise

  • die Weiterentwicklung des Energiedaten-Managements (zum Beispiel für die Erstellung von Analysen und Prognosen für die Netznutzung),
  • die Einführung von Systemen, mit denen sich die veränderten Vertriebsprozesse bis hin zu Customer-Relationship-Lösungen abbilden lassen,
  • die Integration von Messdaten-Systemen sowie Systemen für Abrechnung und Kundeninformation (zum Beispiel SAP IS-U) und
  • die Homogenisierung der IT-Landschaften und die Schaffung von Schnittstellen bei Fusionen und Kooperationen

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