Hinderliche Verhaltensmuster in Projekten

Featuritis: Merkmale, Vorbeugung und Heilung

Sie entwickeln gerade ein kleines Tool, das bestimmte Arbeiten erleichtern soll. Die dafür erforderlichen Funktionalitäten sind klar, Ihre Kollegen und Vorgesetzten haben aber darüber hinaus noch jede Menge zusätzlicher Wünsche. Vorsicht – hier besteht Featuritis-Gefahr! Die Software droht von Anforderungen überfrachtet zu werden. Die Folgen sind erhöhte Kosten, verlängerte Laufzeiten und eine schlechtere Bedienbarkeit. Christof Geißel und Matthias Strößner zeigen Ihnen, woran Sie Featuritis erkennen und wie Sie sie bekämpfen.

Wird ein Softwaresystem entwickelt, ist es im Idealfall darauf ausgerichtet, bestimmte Arbeiten zu erleichtern. Dafür muss es über festgelegte Funktionalitäten verfügen. Oft geschieht es aber, dass ein System mit Anforderungen überfrachtet wird und immer mehr, im Grunde unnötige Funktionalitäten erfüllen soll. Dann sprechen wir von "Featuritis". Diese ist z.B. gegeben, wenn ein Tool für die Erfassung von Urlaubstagen plötzlich auch Autoreservierungen verwalten oder zur Textverarbeitung dienen soll. Featuritis erhöht die Kosten des Projekts und verlängert seine Laufzeit. Oft werden auch Bedienbarkeit und Verständlichkeit durch die zusätzlichen Funktionalitäten schlechter, so dass die Anwender nicht mit dem Softwaresystem arbeiten möchten.

Soweit muss es nicht kommen, denn wird diese Projektkrankheit in einer frühen Projektphase behandelt, ist sie heilbar. Im Folgenden betrachten wir die Featuritis genauer und stellen einige Erkennungsmerkmale und Heilmittel vor.

Erkennungsmerkmale

Die ursprünglichen Ziele wurden aus dem Blick verloren

Mit Projekten werden bestimmte Ziele verfolgt, z.B. möchte man Innovationen entwickeln oder neue Geschäftsfelder erschließen und die dafür notwendigen Prozesse systemtechnisch unterstützen. Zu Projektbeginn sind diese Ziele in der Regel allen Projektbeteiligten klar. Im Projektverlauf werden aber oft neue Ideen und Wünsche generiert, so dass die ursprünglichen Ziele aus dem Blick geraten. Wenn die aktuellen Arbeitspakete nichts mehr mit den ursprünglichen Projektzielen zu tun haben, ist das ein deutliches Anzeichen für Featuritis. War Ihr Urlaubsplanungstool z.B. dafür gedacht, Informationen über die verfügbaren Personentage zu liefern und den Projektleitern als Planungsgrundlage zu dienen, dann sollten Sie weder an einer Exportfunktion nach Powerpoint arbeiten noch an einer individuell konfigurierbaren Eingabemaske. Um Featuritis vorzubeugen, ist es empfehlenswert, dass Sie die eigentlichen Ziele zu Beginn vollständig und präzise dokumentieren und daraus den Projektscope ableiten. In regelmäßigen Abständen können Sie dann überprüfen, ob sich Ihr Projekt noch auf dem richtigen Weg befindet. So vermeiden Sie auch, dass sich die Ziele unbemerkt ändern.

Sie müssen nicht auf Gedeih und Verderb an Ihren einmal festgelegten Zielen festhalten. Ziele dürfen sich im Projektverlauf ändern - aber nur, wenn der zusätzliche Nutzen den zusätzlichen Aufwand rechtfertigt. Und vor allem sollten Sie sich darüber bewusst sein, dass eine Zieländerung vorgenommen wird.

Die Zahl der Stakeholder steigt

Stakeholder sind alle Personen, die ein Interesse am Projekt haben oder vom Projekt betroffen sind. Dazu gehören neben der Projektleitung meist auch Fachabteilungen, die Geschäftsführung und der Betriebsrat. Es ist wichtig, dass die Stakeholder auf das Ergebnis des Projekts Einfluss nehmen und ihre Interessen durchsetzen können.

Die Zahl der Stakeholder kann während des Projekts ansteigen. Oft ist das unvermeidlich. Wenn Sie z.B. erst während der Analysephase erfahren, dass Ihr Urlaubplanungstool auch

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