Fusion der Unternehmenskulturen: Aus vier Landeseinrichtungen entsteht Dataport

Der IT-Dienstleister Dataport arbeitet für die öffentlichen Verwaltungen von vier Bundesländern – im öffentlich-rechtlichen Bereich ein immer noch einzigartiges Beispiel. Dataport entstand in einer mehrstufigen Fusion aus Einrichtungen der Bundesländer Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen. Insgesamt waren rund 1.500 Menschen von den Fusionen betroffen. Ziel des Projekts war es, die zuvor verteilten Fachkompetenzen länderübergreifend zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig sollte die Effizienz durch die gemeinsame Benutzung von Infrastrukturen gesteigert werden. Dr. Sebastian Saxe beschreibt, wie in einem langfristig angelegten Organisationsentwicklungsprozess die bestehenden Unternehmenskulturen der Landeseinrichtungen in das neue Unternehmen Dataport integriert wurden.

Der IT-Dienstleister Dataport arbeitet für die öffentlichen Verwaltungen von vier Bundesländern. Entstanden ist in einer mehrstufigen Fusion dieses Modell eines Vier-Länder-IT-Dienstleisters, im öffentlich-rechtlichen Bereich ein immer noch einzigartiges Beispiel. Initiatoren der Fusion waren die beteiligten Landesregierungen. Im ersten Schritt fusionierten drei voneinander unabhängig agierende Institutionen der Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein. Zwei Jahre später beteiligte sich Mecklenburg-Vorpommern mit einem Teil seiner Steuerverwaltung an dem Unternehmen. Im Jahr 2007 vervollständigte Bremen mit dem Eigenbetrieb Fidatas GmbH das Kleeblatt - ein "Fusions-Marathon" für den sich gut behauptenden IT-Dienstleister. Das wichtigste Ziel dieser Fusion lag darin, die Integration der zuvor erfolgreich funktionierenden Einheiten mit ihren jeweils eigenen Organisationsstrukturen und Kulturen an den verschiedenen Standorten in vier Bundesländern zu erreichen. Insgesamt waren rund 1.500 Menschen von den Fusionen betroffen.

Aus erfolgreich funktionierenden Einzelorganisationen wurde somit eine gemeinsame neue Organisation geschaffen. Die Zusammenführung verfolgte mehrere Ziele: Zum einen sollten die unterschiedlichen Kompetenzen und Erfahrungen zusammengeführt und gemeinsam genutzt werden. Zum anderen wollte das Unternehmen am jeweiligen Standort eine Erweiterung des Angebotsspektrums erreichen. Durch die gemeinsame Benutzung der Infrastrukturen sollten außerdem neue Vorteile gewonnen werden.

Dataport, Anstalt des öffentlichen Rechts

Dataport ist der Dienstleister für moderne Informations- und Kommunikationstechnik (IuK) der öffentlichen Verwaltungen in Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen sowie für die Steuerverwaltung in Mecklenburg-Vorpommern. Das Unternehmen bietet seinen staatlichen und kommunalen Kunden u.a. Netzdienste für Sprach- und Datenübertragung, Fachanwendungen für Verwaltungsaufgaben, Datenschutz- und Datensicherheitskonzepte, IuK-Beschaffung und Schulungen. Für überregionale E-Government-Lösungen schafft Dataport eine einheitliche Infrastruktur. Außerdem betreut das IuK-Unternehmen die Clients seiner Kunden und stellt alle Arten des Server- und Verfahrensbetriebs in seinen Rechenzentren zur Verfügung. Seit dem 01.01.2006 betreibt Dataport in Rostock das "Data Center Steuern", das gemeinsame Rechenzentrum der Länder Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern für die Fachverfahren der Steuerverwaltung. Die Anstalt des öffentlichen Rechts hat ihren Unternehmenssitz in Altenholz bei Kiel und betreibt Niederlassungen in Hamburg, Rostock und Bremen. Mit 1.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erzielte Dataport 2007 einen Umsatz von 234 Mio. Euro.

Innere Fusion der Unternehmenskulturen

Die nach außen sichtbare Fusion der Landeseinrichtungen schaffte zwar den rechtlichen und organisatorischen Rahmen für die neu entstandene Organisation. Eine Fusion kann aber nur Erfolg haben, wenn es gelingt, auch die Mitarbeiter vom Vorteil dieser Veränderung zu überzeugen. Nur wenn auch die innere Fusion der Unternehmenskulturen gelingt, werden sich die Mitarbeiter aktiv für die mit diesem Schritt angestrebten Ziele einsetzen.

Fusion schafft Ängste und Widerstände

Wie jeder Veränderungsprozess ist eine Fusion für die betroffenen Menschen ein Stressfaktor. Eine Vielzahl von Ängsten bewegt im Verlauf dieses Prozesses die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Ist mein Arbeitsplatz sicher? Behalte ich meine Aufgaben? Werde ich an einem anderen Standort arbeiten müssen? Schließlich war es Ziel der Fusion, die Arbeit effizienter zu gestalten und Kosten zu reduzieren. Dass dies nicht zu Arbeitsplatzabbau bzw. zu einer Auflösung eines Standorts führen würde, war vor Beginn des Fusionsprozesses den Mitarbeitern noch nicht klar. Mit dem Staatsvertrag zur Gründung von Dataport vom 27. August 2003 wurde jedoch sehr schnell deutlich gemacht, dass weder ein Arbeitsplatzabbau noch die Aufgabe eines Standorts geplant waren. Auch innere Widerstände gegen die neue Organisationsform entstehen - insbesondere, wenn die fusionierenden Einheiten sich als funktionierende und erfolgreiche Dienstleister empfinden. Dies war bei der Fusion des Landesamts für Informationstechnik Hamburg (LIT), der Datenzentrale Schleswig-Holstein (DZ-SH) und der IuK-Stelle des Senatsamts für Bezirksangelegenheiten Hamburg (SfB IuK) nicht anders. Aus diesem Grund war für das Fusionsprojekt von vornherein klar: Ob die Fusion gelingt, hängt in entscheidenden Maße von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der fusionierenden Organisationen ab.

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