Tipp: Sozialkompetenz – Eine Frage der inneren Haltung

Kritisches Feedback – annehmen statt reflexhaft abblocken

Sich mit einem kritischen Feedback auseinanderzusetzen ist schmerzhaft, lohnt oft aber, denn es liefert uns nützliche Informationen – nicht nur bezüglich unserer eigenen Arbeitsweise. Leider liegt es in der menschlichen Natur, dass wir auf Feedback mit Abwehr reagieren. In der Folge fällt es schwer, die Rückmeldung für sich zu nutzen. Wie Sie aus diesem Teufelskreis ausbrechen, erläutern Chris Wolf und Heinz Jiranek in ihrem Beitrag.

"Du musst Feedback ehrfürchtig annehmen, zumindest muss es so aussehen. Also halte einfach den Mund und blicke ergriffen." Dieser Satz bringt die gängige Vorstellung vom vermeintlich richtigen Umgang mit Feedback auf den Punkt. So lernt man das im Seminar, so wollen es die Feedbackregeln: Als Feedback-Empfänger sollte man das Gehörte demütig und dankbar annehmen und dazu ergeben schweigen. Den Inhalt wird man früher oder später schon begreifen und sein Verhalten dann entsprechend ändern.

Auch wenn eine solche Empfehlung praktisch klingt – bringt sie einen weiter? Wir meinen nein, denn sie lässt einen wichtigen Punkt außer Acht: den Faktor "Mensch". Nur wer sich zugesteht, dass es bei einem Feedbackgespräch auch "menschelt", kann lernen, mit Feedback nutzbringend umzugehen. Auf was Sie dabei achten sollten zeigt dieser Tipp.

Bild 1: Die "Feedbackregeln" – verführerisch einfach, aber gefährlich.

Der natürliche Schutzreflex

Stellen Sie sich vor, Ihr Chef gibt Ihnen ein Feedback mit negativem Inhalt. Die reflexartige Reaktion auf solch einen Angriff auf unser Selbstbild ist bei fast allen Menschen gleich; um uns zu schützen, schalten wir auf Abwehr: "Da irrt er sich aber gewaltig!", oder "Sein Feedback geht völlig an der Wirklichkeit vorbei!". Oft ist diese Abwehrreaktion mit einer Abwertung des Feedbackgebers verbunden: "Er sollte erst mal vor seiner eigenen Haustür kehren – bei seiner Arbeitsweise!" Dadurch ersparen wir uns auch die Auseinandersetzung mit dem Inhalt des Feedbacks (und eventuell die Entdeckung, dass die Kritik teilweise nicht ganz unberechtigt ist).

Man kann noch so sehr an die gewohnten Feedbackregeln glauben, denen zufolge man Feedback zeitnah, konkret, nicht-wertend und in Form von Ich-Botschaften geben soll, und man als Empfänger am besten schweigt – die oben beschriebene Reaktion ist zutiefst menschlich und tritt deshalb ein. Es handelt sich hierbei um einen vollkommen normalen psychischen Vorgang. Doch weiter bringt uns dieses reflexhafte Abwehrverhalten nicht.

Zeitverzögerte Wirkung

Es ist aber auch möglich, dass man zunächst überzeugt ist, dass man mit dem Feedback bestens zurechtkommt. Nach ein paar Stunden beginnt jedoch die Kränkung an einem zu nagen und einige Zeit später überwiegt diese so stark, dass es ausgesprochen schwierig wird, konstruktiv mit dem Feedback umzugehen. Auch in diesem Fall geht man in den Widerstand – entweder äußerlich durch sein Verhalten oder – schlimmer – innerlich. Wirksame Kränkungen zeichnen sich genau durch eine solche verzögerte Wirkung aus.

Diese zwei Beispiele verdeutlichen, wie sehr der

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