Praxisbericht: Einführung eines Back-Office-Kernsystems in einer Bank

Veraltete Software, neue gesetzliche Anforderungen, Fusionen und Übernahmen zwingen Banken zunehmend, ihre IT-Systeme abzulösen. Solche Projekte sind komplex und erfordern für eine erfolgreiche Durchführung eine sorgfältige Planung. Daniel Ober beschreibt in seinem Beitrag die einzelnen Schritte bei der Einführung eines neuen Back End-Systems in einem Kreditinstitut. Dabei zeigt er mögliche Probleme in den einzelnen Projektphasen sowie vorbeugende Maßnahmen auf.

Veraltete Software, neue gesetzliche Anforderungen, Fusionen und Übernahmen zwingen Banken zunehmend, ihre IT-Systeme abzulösen. Solche Projekte sind hoch komplex und bereiten zwangsläufig Probleme, zumal unterschiedliche Sichtweisen von operativen Bereichen und IT-Experten oft interne Konflikte verursachen. Denn gerade in Banken sehen Front-Office- und Back-Office-Bereiche die Arbeit der IT-Fachleute kritisch. Noch immer ist die Meinung weit verbreitet, die Informationstechnologie sei eine kostspielige Abteilung, die keinen unmittelbaren Beitrag zum operativen Unternehmenserfolg leistet. Tatsächlich aber hat sich das IT-Know-how kontinuierlich zu einer Kernkompetenz und einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor der Banken entwickelt.

Betrachtet man die funktionale Komplexität eines integrierten Back-End-Systems, wird schnell klar: Ohne eine fundierte und detaillierte Projektplanung ist der Erfolg eines solchen Vorhabens schnell gefährdet. Denn die Vielschichtigkeit eines Back-Office-Systems wird annähernd deutlich, wenn man sich vor Augen führt, dass neben zahlreichen bankinternen Funktionseinheiten (z.B. Kontoverwaltung, Zahlungsverkehr, Buchhaltung, Wertpapierabwicklung) eine Vielzahl externer Schnittstellen angebunden werden muss - beispielsweise zu Anbietern von Kapitalmarktdaten oder zur Bankenaufsicht.

Dieser Beitrag beschreibt die einzelnen Schritte bei der Einführung eines Back-End-Systems in einem Kreditinstitut. Dabei werden mögliche Probleme in den einzelnen Projektphasen sowie vorbeugende Maßnahmen aufgezeigt.

Phase I: Softwareauswahl

Bevor das eigentliche Implementierungsprojekt beginnen kann, steht die Entscheidung an, welche Software bzw. welcher Softwareanbieter das bestehende System ablösen soll. Gerade bei Banken spielt dabei die geographische Lage eine entscheidende Rolle. Speziell in den Bereichen Steuer und Meldewesen sehen sich die Kreditinstitute je nach Bundesland ganz unterschiedlichen Anforderungen gegenüber. So gibt es beispielsweise beim aufsichtsrechtlichen Meldewesen in Deutschland zwei Marktstandards. Da rund 95% der deutschen Banken auf eine dieser Lösungen zurückgreifen, ist es notwendig, alle Varianten zur Anbindung dieser Lösungen an die möglichen Back-Office-Kernsysteme zu bewerten.

Aufgrund der Komplexität der Softwareauswahl, organisieren die Verantwortlichen diese gerne als eigenständiges, vorgelagertes Projekt.

Bild 1:Kriterien für die Softwareauswahl.

Diese Phase ist entscheidend für das anschließende Einführungsprojekt, da in diesem Zeitraum schon die Weichen für den Erfolg der Implementierung und des Betriebs gestellt werden. Entscheidende Fragen bei der Softwareauswahl sind z.B.:

  • Bevorzugt der Auftraggeber eine lokal oder global einsetzbare Lösung
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