Projektitis bekämpfen

Projektitis ist eine gefürchtete Krankheit. Sie führt dazu, dass Vorhaben, die mit einer einfachen To-Do-Liste bewältigt werden könnten, wie Großprojekte geplant, überwacht und gesteuert werden. In Unternehmen, die von Projektitis befallen sind, ist die Projektarbeit oft vollständig blockiert. Dr. Georg Angermeier erklärt in seinem Tipp die Ursache für Projektitis, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten.

Im Jargon der Projektmanager bezeichnet Projektitis die übertriebene Anwendung von Methoden des Projektmanagements. Wenn also Vorhaben, die mit einer einfachen To-Do-Liste bewältigt werden könnten, wie Großprojekte geplant, überwacht und gesteuert werden, liegt Projektitis vor.

Ursache: Überspringen einer Reifegradstufe

Für Projektitis gibt es eine einfache Ursache: Bei der Einführung von Projektmanagement wird versucht, mindestens eine Reifegradstufe zu überspringen. Grundlage der folgenden Überlegungen ist das traditionelle fünfstufige Project Management Maturity Model - für alle anderen Reifegradmodelle gelten die Aussagen gleichermaßen.

Beispiel

Ein Unternehmen, in dem die Mitarbeiter das Projektmanagement bisher "aus dem Bauch heraus" durchgeführt haben (Level 1 = intitial level), soll sofort auf die Stufe 3 gehoben werden (defined level). Um dieses Ziel zu erreichen, werden zahlreiche, z.T. überflüssige Prozessdefinitionen erstellt. Die Mitarbeiter erleben diese Prozesse als einen von außen aufgesetzten Verwaltungsaufwand. Da nicht an die bisher (erfolgreich) gelebten Prozesse angeknüpft wird, empfinden sie die neuen Prozesse außerdem als Kritik an ihrer bisherigen Vorgehensweise. In der Folge bauen sie Widerstand auf. So weigern sie sich z.B., eine neue Aufgabe zu erledigen mit der Begründung, dass hierfür noch kein Prozess definiert sei. Sie bestehen darauf, jede einzelne Aufgabe im Detail zu regeln.

Wäre im ersten Schritt "nur" die Stufe 2 (repeatable level) angestrebt worden, hätte man mit einer Bestandsaufnahme die bisher erfolgreichen Vorgehensweisen identifiziert und die Erfahrungswerte gesichert. Existierende Prozesse wären verbessert worden, neue Prozesse wären nur dort eingeführt worden, wo Lücken bestanden. Den Mitarbeitern wäre so vermittelt worden, dass ihre bisherige Arbeit wertgeschätzt wird.

Formen der Projektitis

Grundsätzlich gibt es zwei Formen von Projektitis:

Die Management-Projektitis besteht darin, dass von der Geschäftsführung oder einer Stabstelle unangemessen ausführliche und arbeitsaufwändige Projektdokumente (Projektantrag, Statusberichte, Projektpläne usw.) angefordert werden. Begründet wird diese Forderung damit, dass die Führungsebene transparente Daten benötigt, um die Projekte optimal zu steuern. Die Forderung nach Transparenz ist

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