Projektmanagement in der Forschung

Analysiert man Probleme und Misserfolge in Forschungsprojekten, so sind diese oft auf mangelndes Projektmanagement zurückzuführen. Viele Wissenschaftler betrachten ihr Projekt ausschließlich aus fachlicher Sicht. Management- und Führungsaufgaben, die wesentlich zum Projekterfolg beitragen können, werden nur unzureichend wahrgenommen. Dr. Daniel Baumann, Dr. Olga Pardo Escher und Urs Witschi zeigen in ihrem Beitrag, wie Projektmanagement den Forschungsprozess unterstützen kann und welche Besonderheiten dabei zu beachten sind.

Systematisches Projektmanagement wird in der Forschung wenig oder gar nicht angewandt, dabei kann es nach Überzeugung der Autoren auch in diesem Bereich sehr hilfreich sein. Es gilt allerdings, einige Besonderheiten zu beachten.

Fehlendes Projektmanagement führt oft zu Misserfolgen

Die meisten Projekte entstehen aus klassischen Auftragsverhältnissen, in denen ein Kunde einen Projektleiter mit der Umsetzung eines Projekts betraut. In der Forschung ist das in der Regel nicht der Fall. Hier entstehen Projekte oft aus offenen Fragen, die ein laufender Forschungsprozess aufwirft. Naturwissenschaftliche Projekte generieren meist mehr Fragen als Antworten; auf diese Weise werden wissenschaftliche Projektleiter zu ihrem eigenen Auftraggeber und reihen Projekt an Projekt.

Analysiert man Probleme und Misserfolge in Forschungsprojekten, so sind diese oft auf mangelndes Projektmanagement zurückzuführen: Zielsetzungen und Meilensteine werden, wenn überhaupt, nur grob formuliert. Projektstrukturierung, Termin- und Ressourcenplanung sowie Risikobeurteilung werden als überflüssig betrachtet, denn Forschungsgebiet und wissenschaftliches Vorgehen sind aus zahlreichen vorangegangenen Projekten bekannt. Im Lauf der Projektarbeit werden die Forschungsziele aus dem erarbeiteten Material abgeleitet, welches wiederum abhängig ist von der verfügbaren Zeit und den verfügbaren Ressourcen. Der Forschungsprozess verläuft also nicht zielorientiert, sondern inputorientiert, gesteuert wird er durch Zufälle und persönlichen Ehrgeiz.

Weitere Gründe, weshalb Projektmanagement in der Forschung so wenig angewandt wird, sind:

  • Forscher verstehen sich als Wissenschafter, ja als Künstler, und nicht als Manager. Management und Führung wird mit unnötiger Administration assoziiert und als lästig empfunden, da sie vom eigentlichen Forschungsthema ablenken.
  • Forscher und Wissenschafter sind Individualisten, ehrgeizig und oft auf die eigene Entwicklung und Laufbahn konzentriert. Sie fügen sich daher nicht immer vorbehaltlos in eine Projektorganisation und in ein Team ein.
  • Es fehlt an spezifischen Projektmanagement-Methoden, die den besonderen Bedürfnissen von Forschungsprojekten gerecht werden.

Es ist primär die Aufgabe von Projektleitern, aber auch von Forschungsprogramm- und Projektportfoliomanagern dafür zu sorgen, dass Projekte nicht nur aus fachlicher Sicht, sondern auch aus Sicht des Projektmanagements kompetent bearbeitet werden. Dies ist besonders bei internationalen Projekten mit zahlreichen Partnerorganisationen wichtig (EU-Projekte), kann aber auch bei Forschungsinstituten mit mehr als 10-15 parallel laufenden Projekten hilfreich sein. Leider wird diese Verantwortung noch viel zu wenig wahrgenommen. Die Folge ist, dass die Projektziele (Termin-, Leistungs- und Kostenziele) oft nicht erreicht werden. Der vorliegende Artikel analysiert Ursachen und Hintergründe und gibt Hinweise und Beispiele für ein professionelleres Management von Forschungsprojekten.

Forschungsinhalt und Forschungsmanagement gehören zusammen

Für Forscher ist primär der Forschungsgegenstand, also die Fragestellung interessant. Das ist die Ebene der Systemgestaltung (siehe "Systemgestaltung", Daenzer). Darunter versteht man die Strukturierung des Themas: Was ist Thema, was ist Nicht-Thema? Was ist darüber bekannt, wo bestehen Forschungslücken, welches sind

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