Sünden im Projekt

Wenn die Mächtigen die Klugen überstimmen

Immer wieder kommt es vor, dass Top-Manager gute Ideen von Projektleitern und Mitarbeitern ablehnen – sogar dann, wenn das Weiterbestehen des Unternehmens davon abhängt. Aber warum ist das so? Und was kann man dagegen tun? Klaus Schuster erklärt, warum manche Top-Manager gute Ideen blockieren und wie Projektleiter vorgehen können, um ihre Vorschläge auch gegen mächtige Widerstände durchzusetzen.

Im Projektmanagement geschieht es immer wieder, dass Top-Manager gute Ideen von Mitarbeitern und Projektleitern ablehnen - selbst dann, wenn das Weiterbestehen des Unternehmens davon abhängt. Oft überstimmen die Mächtigen die Klugen. Aber warum ist das so? Und was kann man dagegen tun?

Lieber pleite gehen als etwas ändern

Beispiel

Ein Industrieunternehmen hatte große wirtschaftliche Schwierigkeiten. Falls das Management nicht zahlreiche Mitarbeiter entließ, war die Insolvenz unvermeidbar. In dieser Situation bot ein institutioneller Investor, ein Private Equity Fonds, finanzielle Unterstützung zur Rettung des Unternehmens an. Er stellte allerdings eine Bedingung: Das Unternehmen sollte neu strukturiert werden, um so die Ursachen für die Notlage auszuräumen. Der Plan klang vernünftig, also startete man den Turnaround. Ein Ziel war es, eine Eigenkapitalrendite (ROE = Return on Equity) von 30% zu erreichen. Das war ehrgeizig, denn zum Zeitpunkt des Investoreneinstiegs lag der ROE nahe Null.

Um den Turnaround durchzuführen, wurde ein internes Projektteam aus kompetenten und erfahrenen Mitarbeitern zusammengestellt. Insgesamt waren zwölf Personen im Team. Darunter ein Regionalleiter, der dank seiner großen Vertriebserfahrung die Entwicklung neuer Produkte leiten und die Modifikation alter Produkte beschleunigen sollte. Außerdem eine junge Mitarbeiterin und High Potential aus der Qualitätskontrolle, die im Projekt für Prozessverbesserungen zuständig war. Weiterhin zwei junge Mitarbeiter mit viel theoretischem Wissen zum Thema Change Management.

Zur Unterstützung des Projektteams engagierte der Investor externe Experten, die den Turnaround-Prozess begleiten sollten. Die Externen sollten Verbesserungsvorschläge machen und Innovationen aus anderen Branchen und Ländern einbringen, außerdem den Wandel als Prozess begleiten, moderieren und das Projektteam coachen.

Nach kurzer Zeit präsentierte das Projektteam einen Maßnahmenkatalog zur Rettung des Unternehmens. Die Teammitglieder schlugen beispielsweise vor, neue Produkte anzubieten, da die alten Produkte den veränderten Bedürfnissen der Zielgruppen nicht mehr entsprachen. Der Vertriebsleiter lehnte die Idee ab: "So etwas brauchen unsere Kunden nicht." Als Grund für seine Ablehnung gab er an, dass er keine Überalterung seiner Produkte in den Zielgruppen erkennen könne. Außerdem würde die Markteinführung neuer Produkte zu viele Mitarbeiter binden; so stünden bei einer Markteinführung mindestens 15% weniger Innen- und Außendienstmitarbeiter für die Abwicklung anderer Geschäftsvorgänge zur Verfügung. Zudem habe das Unternehmen mit seinen bestehenden Produkten noch immer einen hohen Marktanteil. Er sah die Gefahr von Kannibalisierungseffekten und befürchtete, dass die neuen Produkte die alten teilweise verdrängen könnten.

Die Bedenken, die der

Anzeige
Jetzt kostenlos weiterlesen!
Abonnenten des Projekt Magazins wissen mehr!
Starten Sie jetzt unser 4-wöchiges Kennenlern-Angebot: Die Anmeldung dauert nur ein paar Minuten – Sie können also gleich weiterlesen.
  • KostenlosDas Kennenlern-Angebot kostet Sie nichts.
  • Kein RisikoSie können jederzeit kündigen, ohne dass Ihnen Kosten entstehen.
  • Einen Monat lang alles lesen4 Wochen Online-Zugriff auf alle Inhalte des Projekt Magazins.
Tech Link