Thinkers Trio

English
Thinkers Trio

Thinkers Trio ist ein Dialogformat, mit dessen Hilfe zwei (bzw. wenige) Personen ein gemeinsames Verständnis erlangen können. Das Format ist geeignet für 3 bis 5 Teilnehmende und wird stets in Kombination mit einer anderen Methode verwendet, in deren Rahmen persönlicher Informationsaustausch stattfindet. Thinkers Trio ermöglicht einen unaufgeregten, sachorientierten Informationsaustausch – insbesondere bei interdisziplinären Vorhaben. Die im Dialog verifizierten Informationen werden in der Logik der jeweiligen Sache für die weitere Verwendung visualisiert.

Thinkers Trio

Thinkers Trio

English
Thinkers Trio

Thinkers Trio ist ein Dialogformat, mit dessen Hilfe zwei (bzw. wenige) Personen ein gemeinsames Verständnis erlangen können. Das Format ist geeignet für 3 bis 5 Teilnehmende und wird stets in Kombination mit einer anderen Methode verwendet, in deren Rahmen persönlicher Informationsaustausch stattfindet. Thinkers Trio ermöglicht einen unaufgeregten, sachorientierten Informationsaustausch – insbesondere bei interdisziplinären Vorhaben. Die im Dialog verifizierten Informationen werden in der Logik der jeweiligen Sache für die weitere Verwendung visualisiert.

Thinkers Trio

Einsatzmöglichkeiten

Das Dialogformat ist vielseitig einsetzbar. Es ist immer dann hilfreich, wenn "Schlüsselpersonen in Schlüsselmomenten" einander "in der Sache" verstehen müssen. Das Thinkers Trio kann z.B. bei der Auftragsklärung eines Projekts (durch Auftraggeber und Projektleiter) eingesetzt werden, bei einer SWOT-Analyse (durch Führungskräfte und Fachexperten eines Unternehmens) oder bei jeder anderen richtungsweisenden Entscheidung, die das Zusammenbringen verschiedener Perspektiven erfordert.

Das Thinkers Trio eignet sich ebenfalls sehr gut für die kollegiale Beratung (z.B. zwischen zwei Projektleitern aus unterschiedlichen Bereichen oder zwischen Fach- und IT-Experten).

Ergebnisse
  • Sammlung von Informationen, die alle Beteiligten in gleicher Weise verstehen und teilen
  • verdichtete und priorisierte Informationen (themenabhängig)
  • strukturierte und visuell aufbereitete Informationen (themenabhängig)
Vorteile
Unerwünschte kognitive Verzerrungen wie z.B. selektive Wahrnehmung werden weitgehend ausgeschaltet, so dass die getroffenen Vereinbarungen im Sinne der Sache sind und von allen Beteiligten verstanden und akzeptiert werden.
Die Methode schafft durch entspannten Dialog und sachorientierte Informationsanalyse die Basis für von allen Parteien akzeptierte Entscheidungen bzw. Vereinbarungen.
Die Teilnehmenden lernen, einander besser zu verstehen.
Die befragte Person kann blinde Flecken im eigenen Verständnis einer Sache oder eines Themas erkennen.
Der formalisierte Gesprächsablauf gewährleistet, dass niemand übergangen wird, sondern jeder Raum bekommt, um seine Gedanken zu äußern.
Das Thinkers Trio fördert kooperative Arbeitskultur.
Das Dialogformat ist sofort einsetzbar, da kaum Vorbereitung erforderlich ist.
Grenzen, Risiken, Nachteile
Nur für eine kleine Teilnehmerzahl geeignet. Für größere Gruppen s.u. "Varianten".
Das Format ist nicht geeignet, politisch oder emotional motivierte Entscheidungen zu begleiten.
Voraussetzungen
  • Die Teilnehmenden müssen an einer sachorientierten Lösung interessiert sein.
  • Die Teilnehmenden verfolgen keine "Hidden Agenda", sondern sind bereit, ihre Interessen offen zu kommunizieren.
  • Ungestörte Atmosphäre für die Dauer der Anwendung (abhängig vom behandelten Thema. Daumenregel: ca. 90 Minuten).
Qualifizierung

Zumindest eine Person ist mit den Grundsätzen und dem Ablauf des Verfahrens vertraut und hat bereits praktische Erfahrungen damit gesammelt. Sie moderiert das Thinkers Trio und achtet auf die Einhaltung der Regeln. Da das Thinkers Trio üblicherweise in Kombination mit einem anderen (Management-)Instrument eingesetzt wird, muss diese oder eine andere Person dieses andere Instrument kennen (z.B. SWOT-Matrix, Project Canvas).

Benötigte Informationen
  • Zusammenstellung von klaren, offenen Fragen (themenabhängig)
  • Sachkompetenz der Teilnehmenden (in ihren Bereichen)
Benötigte Hilfsmittel
  • Moderationskarten oder Haftnotizen, Stifte
  • Pinnwand und Pinn-Nadeln oder Whiteboard
  • Moderationskarten mit Fragen, die den thematischen Dialog gliedern und vorantreiben. Die Fragekarten können selbst erstellt oder – je nach Thema – vorproduziert erworben werden.
  • Materialien für die Methode, in deren Rahmen das Thinkers Trio eingesetzt wird. Z.B. SWOT-Matrix oder Project Canvas auf einem großformatigen Ausdruck oder auf Whiteboard aufgezeichnet.
Herkunft

Das Thinkers Trio ist eine Anwendung des "langsamen Denkens in Projekten" (Habermann und Schmidt: Langsames Denken in Projekten – ein Manifest, Projekt Magazin 02/2017). Erdacht und erprobt wurde das Verfahren zum Zweck der Auftragsklärung mit Hilfe des Project Canvas der Projektinitiative "Over the Fence“. Ein grafischer Leitfaden für das Thinkers Trio sowie weitere praktische Tipps für das langsame Denken in Projekten finden sich in dem Buch von Habermann und Schmidt: "Over the Fence – Projekte neu entdecken, neue Vorhaben besser durchdenken und gemeinsam mehr Spaß bei der Arbeit haben", Berlin 2018.

Durchführung: Schritt für Schritt

Das Thinkers Trio ist "nur" ein Dialogformat. Sie wenden es nie isoliert an, sondern um ein bestimmtes Thema zu bearbeiten (z.B. "Auftragsklärung" oder "Stakeholderanalyse"). Themenabhängig wählen Sie ein visuelles (Management-)Instrument, mit dessen Hilfe Sie die jeweiligen Informationen sammeln und strukturieren. Solche visuellen Instrumente sind beispielsweise Project Canvas, SWOT-Matrix, Stakeholder-Matrix, Kraftfeldanalyse usw.

Das gewählte visuelle Instrument bzw. die dazugehörige Methode gibt in der Regel Fragen vor, die von den Teilnehmenden zu beantworten sind. Formulieren Sie diese Fragen unter Bezug auf die konkrete Aufgabenstellung aus und notieren Sie jede Frage auf einer eigenen Moderationskarte. Wichtig ist, dass die Fragen non-direktiv und nicht wertend formuliert sind.

Bild 1: Thinkers Trio Universelle Agenda

Bild 1: Thinkers Trio "Universelle Agenda"

Jedes Thinkers Trio läuft – ganz unabhängig vom Thema des Workshops – nach demselben Schema ab (siehe Bild 1). Die folgenden Faustformeln und Grundsätze haben sich bewährt:

Ablauf

Jede Anwendung beginnt mit einem Intro und endet mit einem Fazit. Im Mittelpunkt steht die eigentliche Arbeit am Thema, welche immer in drei Schritten verläuft (Anfang/ Mitte/ Ende).

Dialog

Jedes Thinkers Trio dient einem konzentrierten und dennoch entspannten Dialog auf Augenhöhe. Zeitraubende Debatten und unproduktive Diskussionen werden vermieden. Erreicht wird dies durch ein Brechen der sonst oft anzutreffenden Gesprächsmuster. Hierzu dienen wenige aber strikte Kommunikationsregeln.

Agilität

Gespräche, die mittels Thinkers Trio durchgeführt werden, liefern Resultate in sehr kurzer Zeit. Um dies zu gewährleisten, folgt der gesamte Ablauf agilen Praktiken, insbesondere dem "Timeboxing", d.h. engen, bindenden Zeitvorgaben samt Ergebnisreview und wiederholter Anwendung (Iteration).

Dauer

Ein Thinkers Trio Workshop dauert typisch 90 Minuten. Die unmittelbare Arbeit am Thema beträgt eine Stunde. Nach dem Workshop wissen alle Beteiligten, ob das Gespräch fortgeführt werden muss oder ob andere Schritte folgen können.

Schritt 1 (Anfang): Führen Sie die Teilnehmenden ein!

Abhängig von Thematik (z.B. Auftragsklärung), Anlass (z.B. Hinzunahme eines neuen Lieferanten), führender Methode (z.B. Sprint Planning) und weiteren Rahmenbedingungen erläutern Sie den Teilnehmenden Aufgabenstellung und Ablauf des Workshops. Darin eingebettet sollten Sie die folgenden Punkte behandeln, um die Methode Thinkers Trio mit vorzustellen.

Zielsetzung des Workshops

Nennen Sie nach der Begrüßung die thematische Aufgabe des Workshops. Im Falle eines "Auftragsklärungs-Workshops" könnte z.B. formuliert werden: "Ziel ist es, alle Aspekte zu klären, die für das Projekt wichtig zu wissen sind. Am Ende wollen wir ein gemeinsames Bild des Projekts besitzen und uns über die nächsten Schritte im Klaren sein."

Visuelles Instrument

Weisen Sie auf das visuelle Instrument hin, das Sie für diesen Workshop gewählt haben (also z.B. "SWOT-Matrix", "Project Canvas", "Stakeholder-Map" o.ä.). Begründen Sie Ihre Wahl und erklären Sie die Form selbst, falls dies nicht offenkundig bzw. nicht allen Beteiligten bekannt ist.

Agenda und Grundsätze des Thinkers Trio

Stellen Sie die Agenda vor (s. Bild 1) und erläutern Sie, dass das Vorgehen eine "gründliche und sachorientierte Informationsanalyse in drei Phasen" (Anfang, Mitte, Ende) fördert. Falls nötig, erklären Sie das Prinzip des "Timeboxing" und legen Sie fest, wer die Zeiten kontrolliert. Laden Sie die Teilnehmenden ein, sich auf die folgenden Grundsätze einzulassen, die helfen, schnell und unaufgeregt auf den Punkt zu kommen:

  • Keine Rückfragen und Diskussionen: "Wir wollen zuerst die einzelnen Sichtweisen erkennen und das Gesamtbild verstehen, bevor wir Einzelnes bewerten."
  • Offene Fragen: "Hierbei helfen uns die Fragen auf diesen Karten (Sie können die Moderationskarten kurz in die Luft halten). Die Fragen sind bewusst offen gehalten, um allen Überlegungen Raum zu geben und keine Antworten vorwegzunehmen."

Rollen und ihre Aufgaben

Erklären Sie die drei Rollen des Thinkers Trio: Fragender (F), Antwortender (A) und Schreibender (S). Die Person, deren Wissen es zu erheben gilt, nimmt die Rolle des Antwortenden ein (im Falle einer "Auftragsklärung" ist das der Kunde/ Auftraggeber). Die Person, welche zuvorderst erreicht werden soll, nimmt die Rolle des Schreibenden ein – also z.B. der Projektleiter. Die Rolle des Fragenden übernimmt eine dritte Person, z.B. ein Projektmitglied oder auch ein externer Moderator. In unserem Beispiel wären Sie als "Moderator" der Fragensteller. Sie können eine aktive Rolle im Projekt besitzen, müssen das aber nicht.

Zur Positionierung im Raum

Der Schreibende (S) steht am leeren visuellen Chart (also am Whiteboard/ Ausdruck), ausgestattet mit Stift und Moderationskarten / Haftzetteln. Der Befragte bzw. Antwortende (A) steht abgewandt davon. Der Fragende (F) steht gegenüber vom Befragten und hält die Fragenkarten in den Händen (siehe Bild 2). Tipp: Die Rollen können doppelt besetzt werden; jedoch sollten mindestens so viele Menschen schreiben (S) wie antworten (A), sonst kann das Schreiben sehr anstrengend werden.

Schritt 2 (Mitte): Arbeiten Sie am Thema!

Fragen stellen

Der Fragende stellt nacheinander die Fragen der Fragenkarten. Der Antwortende beantwortet diese. Je nach Setting gibt es für jede Frage eine oder mehrere Antworten. Im Hintergrund notiert der Schreibende das Verstandene stillschweigend auf Haftzettel / Moderationskarten und bringt diese an der visuellen Struktur an. Jede Antwort erhält dabei einen eigenen Zettel. Folgendes hat sich bewährt:

  • Die Fragenkarten müssen einmalig vor einem Workshop erstellt werden. Die Fragen müssen in Inhalt und Struktur zur Logik der visuellen Form passen (also bei einer SWOT-Analyse Fragen zu S, W, O, T oder beim Project Canvas Fragen zu den verschiedenen Komponenten wie „Zweck", „Ergebnis" usw.).
  • Der Fragende sollte vor dem Lesen jeder Frage laut sagen, um welchen "Bereich" der visuellen Form es sich handelt, also z.B. "Stärken" bei der SWOT-Analyse (das erleichtert dem Schreibenden die Orientierung).
  • Der Fragende sollte darauf achten, dass der Schreibende "mitkommt" (ggf. Pausen machen).
  • Während der gesamten Phase gilt: keine Rückfragen, keine Diskussion!

Bild 2 veranschaulicht die Verteilung der Rollen und Materialien bei der Phase "Fragen stellen".

Bild 2: Konstellation des Thinkers Trio bei der  Phase Fragen stellen

Bild 2: Konstellation des Thinkers Trio bei der Phase "Fragen stellen"

Perspektivwechsel

Nachdem alle Fragen beantwortet sind, drehen sich die Beteiligten zu der visuellen Form hin. Diese ist nun mit Haftzetteln gefüllt. Der Schreibende erklärt – Haftzettel für Haftzettel – was er verstanden hat ("Ich habe verstanden, ... "). Hierbei wird jede einzelne Haftnotiz in einer sinnhaften Reihenfolge vorgelesen. Nach dem Vorlesen der Haftzettel, benennt der Schreibende, was noch unklar ist ("Ich habe noch nicht verstanden, ... ") sowie was aus seiner Sicht ergänzt werden sollte ("Ich möchte noch ergänzen, ... ").

Der vormals Antwortende (also z.B. Kunde) hört schweigend zu und macht sich ggf. Notizen. Sobald das gesamte Bild erklärt ist, kann der Antwortende seine Notizen abarbeiten und weitere Erklärungen vornehmen. Dieser Perspektivwechsel kann mehrmals durchgeführt werden – bis alle Beteiligten alle Informationen der jeweils anderen Personen verstanden haben. Auch in dieser Runde hat sich bewährt: Keine Rückfragen und keine Diskussion. Bild 3 veranschaulicht das Vorgehen.

Bild 3: Konstellation des Thinkers Trio in der  Phase Perspektivwechsel

Bild 3: Konstellation des Thinkers Trio in der Phase "Perspektivwechsel"

Ergebnis überdenken

Wenn kein weiterer Perspektivwechsel gewünscht wird, ist die Runde jetzt offen für eine konstruktive Diskussion. Unterschiede bei Vorverständnissen und Annahmen wurden erkannt und können nun beseitigt werden. Zudem kann das gesamte Bild auf Stimmigkeit und Sinnhaftigkeit geprüft werden. Hierfür sollten auch Querverbindungen zwischen Informationsblöcken geprüft werden (je nach Thema).

Praxistipps ...

Varianten ...

Ergänzende Methoden

Zirkuläre Fragen

Erweitern Sie die Perspektive von Gesprächspartnern und Arbeitsgruppen! Brechen Sie festgefahrene Antwortmuster auf und finden Sie so zu überraschenden Lösungen!

Fachartikel zur Methode

Vorgefasste Denkmuster behindern unsere Fähigkeit zur Problemlösung. Gerade in neuartigen Projekten benötigen wir deshalb "langsames Denken", das Voraussetzung für Design Thinking ist. Prof. Dr.

Meilensteine markieren Etappenziele innerhalb eines Projekts und geben dadurch dem Team Orientierung. Karen Schmidt und Prof. Dr.

Aufgabengebiete

Bewertungen und Kommentare

Diese Funktion steht nur eingeloggten Nutzern zur Verfügung.
2 Kommentare anzeigen & selbst mitreden!
Gesamt
Bewertungen 7
Kommentare 2

Alle Kommentare (2)

Karin
Braun

Gut beschrieben, klingt schlüssig, möchte ich gern ausprobieren!

 

Vera
Reithmeier

super wie bisher alles aus der Habermas Schmiede