Best Practice

Best Practice ist die durch Benchmarking empirisch bestimmte, beste realisierte Lösung für eine Aufgabenstellung. Somit ist ein Best Practice nicht als optimale Lösung anzusehen, sondern lediglich als durch Versuch und Irrtum entwickelter Erfahrungswert, der im Vergleich zu anderen Erfahrungswerten die besten Ergebnisse liefert.

Da Projektmanagement eine aus der Praxis heraus entstandene und in ihrer Entwicklung rein auf Empirie begründete Disziplin ist, spielen Best Practices bei Definition von Projektmanagementprozessen, Erstellung von Vorgehensmodellen, Zusammenstellung von relevantem Wissen sowie der Entwicklung von Methoden eine ausschlaggebende Rolle. Die führenden Richtlinien für Projektmanagement basieren darauf, dass Redaktionsteams die Erfahrungen von Experten zusammentragen und versuchen, aus diesen allgemein anerkannte Best Practices zu formulieren.

"Best" oder "Good" Practice?

In der aktuellen Diskussion wird vielfach der Begriff "Best Practice" kritisiert und stattdessen gefordert, besser von "Good Practice" zu sprechen. Das wichtigste Argument dafür ist die Kritik an den Redaktionsprozessen der PM-Richtlinien, die nicht einem systematischen Benchmarking entsprechen, sondern eher einer Expertenbefragung mit anschließender Konsensbildung. Weiterhin wird angeführt, dass die Anwender den Begriff "Best Practice" häufig die tatsächlich bestmögliche Lösung missverstünden, da sie sich nicht seiner empirischen Entstehung bewusst seien. Auf die tatsächliche Formulierung der Richtlinien hat diese Begriffs-Diskussion aber keine Auswirkung.

Überlagert wird diese Diskussion durch den kommerziellen Aspekt, dass das britische Office of Government Commerce den Begriff "Best Management Practice" für die Formulierung seiner Richtlinien (unter anderem ITIL® und PRINCE2®) eingeführt hat. Das vom privat-öffentlichem Joint Venture AXELOS® vermarkte Best Management Practice Portfolio nimmt damit für sich in Anspruch, dass seine Richtlinien die in der Praxis als besten erkannten Vorgehensweisen beschreiben. Das US-amerikanische Project Management Institute (PMI®) und die International Project Management Association (IPMA) verfolgen zwar ähnliche auf Empirie basierende Ansätze, differenzieren sich jedoch als Wettbewerber von AXELOS.

Erläuterung und Kommentar

Der "Best Practice"-Ansatz ist im angloamerikanischen Raum weit verbreitet und gilt selbst gewissermaßen als "Best Practice" für die Entwicklung von Managementsystemen. Größter Vorteil dieses Vorgehens ist, dass sehr schnell praxisorientierte Handlungsempfehlungen erstellt werden können, die im Rahmen eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses weiterentwickelt werden.

Das empirische Vorgehen führt jedoch auch zu einer Reihe von Schwachpunkten der so erstellten Richtlinien. Insbesondere entstehen dadurch mosaik-artige Systeme, deren einzelne Elemente nicht reibungslos ineinandergreifen oder sogar Widersprüche aufweisen können. Eines von vielen möglichen Beispielen hierfür ist die getrennte Behandlung von Projekten, Programmen und Projektportfolios in getrennten Richtlinien. Auch die extrem uneinheitliche Darstellung von Project Management Offices (PMO) beruht letztendlich auf der rein empirischen Vorgehensweise.

Für die Anwender ist die Suche nach Best Practices zugleich Segen und Fluch. Auf der einen Seite stehen schnell umsetzbare Anleitungen zur Verfügung, die erwiesenermaßen wirksam und nutzbringend sind. Andererseits bestehen – insbesondere durch die Wettbewerbssituation zwischen den Eigentümern der Standardwerke – große Unterschiede in den Vorgehensweisen, so dass es derzeit nicht möglich ist, effizient über Systemgrenzen hinweg zusammenzuarbeiten.

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