26
Jul 2016
Meilenstein – Der Projektmanagement-Blog

Medizin 4.0: Bayern will in Augsburg Maßstäbe setzen

Das gibt es nicht alle Tage: Der Freistaat Bayern investiert rund eine Milliarde Euro in den Ausbau des Augsburger Klinikums zur Uniklinik. Mitte Juli legten Politiker und Vertreter des Klinikums feierlich den Grundstein für den "Anbau West", der ab 2018 u.a. als Intensivzentrum dienen soll. Kostenpunkt: 106 Millionen Euro, von denen Bayern 99 Millionen aufbringt. Insgesamt investiert der Freistaat in die Sanierung des Klinikums 270 Millionen Euro.

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Weitere 70 bis 100 Millionen Euro bringt der Freistaat jährlich für Stellen und Sachmittel – ein ganzes Jahrzehnt lang. Spätestens am 1. Januar 2019 wechselt das Klinikum von kommunaler in staatliche Hand. Ab dem Wintersemester 2018/2019 sollen 1.500 Studenten an den neu geschaffenen Fakultäten ihr Studium aufnehmen.

Anfang Juli nahm das Projekt beim Wissenschaftsrat in Kiel seine letzte große Hürde. Überzeugt haben die zwei Forschungsschwerpunkte, Medizininformatik und Umweltmedizin sowie der Modellstudiengang für Mediziner. Das Konzept für das Medizinstudium in Augsburg sieht vor, vorklinische und klinische Phasen zu verzahnen, statt sie nacheinander ablaufen zu lassen. Damit können Studenten schon früh im Umgang mit Patienten geschult werden. Aktuell steht noch die Zustimmung des Bayerischen Ministerrats zur Umwandlung des Augsburger Klinikums in ein Universitätsklinikum aus. Sie wird für Herbst 2016 erwartet.

Forschungsschwerpunkte mit Blick auf Big Data, Cloud und Co.

Laut der Webseite zum Milliardenprojekt setzen die Verantwortlichen beim Medizininformatik-Studiengang auf "Methoden und Technologien sowie den Aufbau von neuen, internetbasierten Infrastrukturen für ein 'Lernendes Gesundheitssystem'". Mögliche Anwendungsfelder seien die Forschung zur Telemedizin, "Mobile Health" und Big Data. Vielversprechend klingt der Ansatz, dass Medizininformatiker mit dem Forschungsgebiet der Umweltmedizin zusammenarbeiten, um Krankheitsverläufe unter verschiedenen Umwelteinflüssen und therapeutischen Maßnahmen zu simulieren.

Für mich hat die Wahl der Forschungsschwerpunkte des künftigen Uniklinikums, insbesondere die Medizininformatik, für Schwaben und ganz Deutschland in mehrerlei Hinsicht Signalwirkung: Die Verantwortlichen in der Gesundheitspolitik haben offenbar erkannt, dass die Digitalisierung auch in diesem Wirtschaftssektor mit großen Schritten kommt: Speziell das Stichwort Big Data fällt mir zu den riesigen Mengen an Patientendaten ein, aus denen neue Anhaltspunkte für Therapie und Forschung gewonnen werden können. Immerhin müssen Patientendaten sowieso meist zehn oder mehr Jahre aufbewahrt werden und die Dokumentationspflichten nehmen weiter zu – warum nicht den reichen Datenfundus zur Verbesserung der Patientenversorgung nutzen?

Da die Kliniken hierfür speziell ausgebildeten IT- und Wissenschafts-Nachwuchs benötigen, ergeben sich aus meiner Sicht für angehende Studenten und Arbeitnehmer im Gesundheitsberufen völlig neue Möglichkeiten der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Insbesondere für diejenigen, die bereits Berufserfahrung im medizinischen Bereich haben, kann ein IT-Studium eine interessante Alternative zu den bereits etablierten Pflege- und Gesundheitsmanagement-Studiengängen darstellen und auch die IT profitiert von den Kenntnissen der späteren (End-)Anwender. Gespannt bin ich, welche Ansätze die Forscher und Studenten in Augsburg finden, um die zunehmend angespannte Ressourcenlage im Gesundheitswesen mit IT-Entwicklungen zu verbessern.

Gesundheitsbranche im Wandel

Die Weiterentwicklung zum Universitätsklinikum in Augsburg werde ich weiterhin aufmerksam verfolgen. Jedoch soll es lediglich als Beispiel dienen für Trends, die sich aus meiner Sicht aktuell im Gesundheitssektor abzeichnen. Welche Beispiele bzw. Projekte kennen Sie in diesem Bereich? Welche Trends sehen Sie? Ich freue mich auf Beispiele von anderen (Universitäts-)Kliniken.

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