Conversation Café (Liberating Structures)

Mit der Liberating Structure Conversation Café gestalten Sie einen strukturierten und offenen Dialog zu einem tiefgreifenden Thema. In vier Gesprächsrunden kommen alle Teilnehmenden zu Wort und hören zunächst einander zu, bevor sie sich behutsam austauschen. So schaffen Sie Raum für Verständnis und gemeinsame Perspektiven. Daraus entsteht eine gute Grundlage für mögliche Handlungen.

Conversation Café (Liberating Structures)

Conversation Café (Liberating Structures)

Mit der Liberating Structure Conversation Café gestalten Sie einen strukturierten und offenen Dialog zu einem tiefgreifenden Thema. In vier Gesprächsrunden kommen alle Teilnehmenden zu Wort und hören zunächst einander zu, bevor sie sich behutsam austauschen. So schaffen Sie Raum für Verständnis und gemeinsame Perspektiven. Daraus entsteht eine gute Grundlage für mögliche Handlungen.

Conversation Café (Liberating Structures)

Einsatzmöglichkeiten

  • Reflexion von herausfordernden Themen mit unterschiedlichen Perspektiven und Spannungen
  • Vorbereitung einer Lösungsfindung, z.B. im Kontext von Veränderungsprozessen
  • Bearbeitung von Fragen, auf die es keine eindeutige Antwort gibt
  • Förderung von gegenseitigem Verständnis und der Dialogfähigkeit im Team

Die Methode eignet sich besonders für Themen im komplexen Umfeld, bei denen unterschiedliche Sichtweisen existieren, Einigung nicht möglich oder notwendig ist und Situationen nicht vorschnell bewertet werden sollen.

Die Methode ist skalierbar von drei bis mehreren hundert Personen und sowohl vor Ort als auch remote durchführbar. Die Durchführung nimmt zwischen 20 und 60 Minuten in Anspruch. Eine Gruppengröße von vier bis acht Personen pro Café ist ideal. Bei größeren Gruppen werden mehrere parallele Conversation Cafés durchgeführt.

Ergebnisse

  • Geteilte Perspektiven und ein tieferes Verständnis für unterschiedliche Sichtweisen
  • Erste gemeinsame Einsichten oder neue Fragestellungen
  • Grundlage für weiterführende Entscheidungen, Lösungsfindungen, Maßnahmen oder Konsens-/Konsent-Prozesse

Vorteile

Alle Teilnehmenden kommen zu Wort und werden gehört
Fördert echtes Zuhören statt schneller Bewertung oder Diskussion
Ermöglicht neue Perspektiven und Verständnis für andere Sichtweisen
Unterstützt den Umgang mit komplexen oder sensiblen Themen

Durchführung: Schritt für Schritt

Die Liberating Structure Conversation Café (CC) ist ein strukturiertes Dialogformat, das einen sicheren Rahmen für den Austausch über komplexe oder bedeutungsvolle Themen schafft. Im Gegensatz zu klassischen Diskussionen und Statusrunden geht es nicht darum, Argumente zu gewinnen oder Lösungen zu erzwingen, sondern darum, Perspektiven sichtbar zu machen und ein tieferes Verständnis zu entwickeln. Die Methode zielt bewusst nicht auf Entscheidung, Konsens oder Konsent ab, sondern lässt den Raum offen für individuelle Schlussfolgerungen.

Das Conversation Café fußt auf einfachen Gesprächsregeln und vier klar strukturierten und getakteten Gesprächsrunden, die sicherstellen, dass alle Teilnehmenden zu Wort kommen.

Die Methode wird in einzelnen "Cafés" durchgeführt: Kleingruppen mit 3 bis 8 Personen. So wird sichergestellt, dass das Gespräch sich nicht zu lange zieht und dennoch diverse Perspektiven vertreten sind. Im Zweifel sind zwei Vierergruppen hilfreicher und produktiver als eine Achtergruppe!

Die vier Gesprächsrunden des Conversation Cafés laufen grob wie folgt ab (Bild 1):

  1. Runde: Reihum erste Gedanken und Ideen zum Problem oder zum Thema teilen (ca. ein bis zwei Minuten pro Person)
  2. Runde: Reihum zu den Äußerungen der anderen Bezug nehmen (ca. ein bis zwei Minuten pro Person)
  3. Runde: Offenes Gespräch (ca. fünf bis 30 Minuten für die Gruppe)
  4. Runde: Reihum eigene Schlussfolgerungen teilen (ca. ein bis zwei Minuten pro Person)
Flow-Chart der vier Schritte des Conversation Cafés wie im Text beschrieben
Bild 1: Die Abfolge und groben Regeln der vier Runden des Conversation Cafés

Beispiel: OE-Prozess in einem Großkonzern

Ein Großkonzern richtete im Rahmen eines Transformationsprozesses einen seiner Standorte neu aus. Rund 120 Mitarbeitende, die durch die damit verbundene Umstrukturierung betroffen waren, sollten in einer halbtägigen Veranstaltung sich über ihre größten Bedenken und Sorgen austauschen. Im Vorfeld war spürbar, dass viele relevante und zum Teil kritische Themen im Raum standen. Gleichzeitig bestand die Gefahr, dass diese Themen in großen Runden entweder untergehen oder in konfrontative Diskussionen kippen.

Design der Veranstaltung mit Liberating Structures

Als Einstieg sammelten die Teilnehmenden ihre größten Sorgen und Bedenken mithilfe der Liberating Structure Anxiety Circus gesammelt (Anxiety Circus ist eine 2023 neu veröffentlichte Liberating Structure, bei der die Teilnehmenden Sorgen, Ängste und Bedenken sammeln und bewerten). Sie formulierten dabei ihre zentralen Fragen und Unsicherheiten im Kontext der anstehenden Transformation. Anschließend ordneten sie sich jeweils dem Thema zu, das für sie persönlich am relevantesten war.

Auf dieser Grundlage entstanden rund 25 Conversation Cafés mit jeweils vier bis sechs Personen. Jedes Café widmete sich einem konkreten Thema, z.B.: "Die Arbeitslast ist bereits jetzt hoch - wie sollen wir zusätzlich die Anforderungen der Transformation bewältigen?" oder "Wie können wir bestehende Systeme sinnvoll auf neue technische Vorgaben umstellen?"

In den Cafés entstand ein ruhiger, strukturierter Austausch über diese Themen. Durch die klaren Gesprächsregeln und die Abfolge der Gesprächsrunden kamen alle Beteiligten zu Wort, ohne dass einzelne Stimmen dominierten oder Diskussionen eskalierten.

Neue, konstruktive Qualität des Austauschs und der Beteiligung

Im Vergleich zu früheren Formaten, in denen ähnliche Themen deutlich konfrontativer diskutiert worden waren, entstand hier eine spürbar andere Qualität: Die Gespräche waren behutsam, zugleich aber offen und ehrlich. Unterschiedliche Perspektiven konnten nebeneinander stehen bleiben und wurden als wertvoll wahrgenommen.

Das Feedback der Auftraggeberin fiel entsprechend positiv aus. Sie berichtete, dass der strukturierte Dialog nicht nur für den Moment hilfreich war, sondern auch in den darauffolgenden Wochen nachwirkte: Die Teilnehmenden gingen reflektierter mit den angesprochenen Themen um und konnten konstruktiver in die weitere Zusammenarbeit gehen.

Nennen Sie das Thema und setzen Sie die Regeln!

Das Conversation Café (CC) ist eine von den wenigen Liberating Structures, die zu Beginn vollständig erklärt werden sollten, sodass die Kleingruppen allein arbeiten können. Dazu nennen Sie zunächst das zu besprechende Thema oder die relevante Fragestellung, z.B.: "Wir werfen einen vertiefenden Blick auf das Thema … , um mehr Klarheit und gegenseitiges Verständnis dazu zu erlangen."

Dann beschreiben Sie den Charakter, Zweck und Ablauf der vier Gesprächsrunden (siehe Bild 1 oben und ausführliche Darstellung unten in den Runden 1 bis 4).

Anschließend erläutern Sie die sechs Vereinbarungen des CCs, die Sie auf einem Flipchart oder einer Folie teilen können:

  1. Vermeiden Sie Bewertungen
  2. Respektieren Sie sich gegenseitig
  3. Versuchen Sie zu verstehen, statt zu überreden
  4. Heißen Sie verschiedene Meinungen willkommen
  5. Sprechen Sie das aus, was persönliche und echte Bedeutung für Sie hat
  6. Seien Sie ehrlich und tiefgründig, ohne endlos weiter und weiter und weiter zu sprechen

Es ist auch ausreichend, die Regeln wie folgt zu paraphrasieren: "Beim Conversation Café geht es darum, Verständnis zu erzeugen und nicht darum, sich zu überreden. Das Conversation Café lädt ein, für Tiefe und Relevanz zu sorgen und nicht endlos zu monologisieren."

Struktur und Ablauf des CC sorgen implizit dafür, dass diese Regeln sich natürlich ergeben. Optional können Sie eine Person pro Untergruppe bitten, explizit auf die Einhaltung der Regeln zu achten – mehr dazu unten bei den Praxistipps.

Geben Sie vor dem Start die Zeiten der vier Runden vor und bitten Sie, dass die Cafés eigenständig auf die Zeiten schauen. Empfehlen Sie, dass jede Gruppe dazu eine:n Timekeeper:in bestimmt. Wenn Sie ein akustisches Signal verwenden wollen, erklären Sie dessen Bedeutung (siehe Praxistipps).

Um Rückfragen während des Ablaufs zu vermeiden, empfehle ich, dass Sie an dieser Stelle die Teilnehmenden auffordern, Fragen zum Ablauf jetzt gleich zu stellen.

Starten Sie dann die Cafés, indem Sie die eingangs benannte Fragestellung oder das Thema wiederholen.

Aufgabengebiete