Krisen in IT-Projekten bewältigen

Der "Turnaround-Tower"

Teil 1: Idee, Prozess und Werkzeuge
Projekte geraten oft deshalb in eine Krise, weil sich die Unternehmensleitung bei Problemen nicht aktiv genug in die Lösungsfindung einbringt. Der Projektleiter ist in der Regel machtlos, weil die Probleme nicht in seinem Einflussbereich liegen. Christian Setzwein zeigt, wie ein "Turnaround-Tower" – ein Change Projekt auf höchster Unternehmensebene – dazu beitragen kann, Krisenprojekte wieder auf Kurs zu bringen. Teil 1 stellt die Wirkungsweise des Turnaround Towers vor, Teil 2 zeigt er, was man bei dessen Einführung beachten muss.

Ein weit verbreiteter Grund für das Auftreten von Krisensituationen in IT-Projekten ist die mangelhafte Einbeziehung der Unternehmensleitung in die Lösung von auftretenden Problemen. Häufig wird der Lenkungsausschuss nur als passive Empfangsstelle für den Projektstatus genutzt. Die Verantwortung für ein Projekt und sein Umfeld wird - bis in eine Krise hinein - dagegen meist ausschließlich beim Projektleiter belassen. In der Folge sind Projektmanager oft mit Problemen konfrontiert, die auf der Unternehmensebene und damit außerhalb ihres direkten Einflussbereichs liegen. So sind sie zwar verantwortlich für den Projekterfolg, haben aber zugleich nicht alle dafür wichtigen Stellschrauben in ihrem Zugriff.

Ein zentraler Teil des Turnaround-Managements von IT-Projekten besteht deshalb darin, gleich zu Beginn für eine aktivere Einbindung der Leitungsebene zu sorgen. Ein wirksames Instrument dafür ist der "Turnaround-Tower", ein Verfahren, das ich auf der Grundlage langjähriger Erfahrungen als Turnaround-Manager entwickelt habe. Es handelt sich dabei um ein übergeordnetes Projekt auf der Ebene der Geschäftsführung, das alle wichtigen bzw. kritischen Projekte eines Unternehmens überwacht und unterstützt.

Dieser zweiteilige Beitrag beschreibt das Konzept des Turnaround Towers (Teil 1) und zeigt, was bei seiner Einführung zu beachten ist (Teil 2). Dabei werden sowohl die Erfolgsfaktoren als auch mögliche Fallstricke diskutiert. Der Artikel richtet sich an alle, die in verantwortlicher Position mit komplexen, herausfordernden oder gefährdeten Projekten zu tun haben: Projektleiter, Projektmanager, Auftraggeber und Mitglieder der Geschäftsleitung.

Entkoppelung von Projektleitung und Geschäftsleitung

Wenn ich in Projektkrisen als externer Turnaround-Manager dazukomme, erlebe ich die Positionen von Projektleitung und Geschäftsleitung oft folgendermaßen:

Der Projektleiter hat aus seiner Sicht alles getan, was er tun konnte. Er hat eine für alle Stakeholder sichtbare und nachvollziehbare Planung aufgesetzt und diese immer rechtzeitig aktualisiert. Er hat für eine transparente Kommunikation gesorgt und tägliche Abstimmungs-Meetings eingeführt. Er hat ein professionelles Risikomanagement betrieben und den Kontakt zur Geschäftsleitung mit der "Standleitung" gepflegt. Trotzdem droht ihm das Projekt zu entgleiten. Die Probleme werden immer größer und die Stimmung im Team sinkt. Der Projektleiter hat das Gefühl, das Vertrauen seines Teams und das der Geschäftsleitung zu verlieren.

Ähnlich das Bild des Geschäftsführers: Auch er hat aus seiner Sicht alles getan, um das betreffende Projekt optimal zu betreuen. Er hat seinen besten Projektleiter eingesetzt und alle Linienmanager angewiesen, das Projekt zu unterstützen, wo immer es geht. Er hat sich außerdem regelmäßig Zeit genommen, um den Statusbericht anzuhören und immer ein offenes Ohr für auftretende Probleme

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