Der überflüssige Projektleiter

"Wissen ist Macht", so lautet eine alte Weisheit. Doch welche Bedeutung hat diese Aussage, wenn man sie auf das Projektmanagement anwendet? Besitzt also auch ein Projektleiter umso mehr Macht, umso mehr Wissen er auf sich konzentriert? Oder ist es umgekehrt das Wissen des Teams, das entscheidend zum Projekterfolg und somit auch zum Erfolg des Projektleiters beiträgt? Dirk Heche ist diesen Fragen einmal gründlich nachgegangen und zeigt an praktischen Beispielen, warum ein Projektleiter, der fast überflüssig geworden ist, zu Recht von sich behaupten darf, sein Projekt im Griff zu haben.

Fall 1: Projektleitung für Masochisten

Ein Projekt eskaliert. Der Kunde hat den Vertrag auf den Tisch geknallt und pocht auf die Erbringung einer Leistung, von der gemeinhin angenommen wurde, dass sie nicht mehr erbracht werden muss. Was genau ist passiert? Ist der Wunsch des Kunden tatsächlich gerechtfertigt?

Fall 1: Projektleitung für Masochisten

Ein Projekt eskaliert. Der Kunde hat den Vertrag auf den Tisch geknallt und pocht auf die Erbringung einer Leistung, von der gemeinhin angenommen wurde, dass sie nicht mehr erbracht werden muss. Was genau ist passiert? Ist der Wunsch des Kunden tatsächlich gerechtfertigt?

Der Projektleiter hält mit seinen Mitarbeitern Rücksprache und erfährt von ihnen, dass die Auslassung des Vertragsbestandteils nicht zufällig oder versehentlich passierte, sondern als Ergebnis einer Abstimmung mit dem Kunden in einem Meeting zu Beginn des Projekts. Er beginnt also, seine Unterlagen zu durchsuchen, prüft die Sitzungsprotokolle und spricht mit anderen Teilnehmern des Meetings. Schließlich ergibt sich ein im Rückblick erschreckendes Bild:

An dem betreffenden Gespräch mit dem Kunden nahm statt des Projektleiters ein Fachexperte aus dem Projektteam teil, dessen Fachwissen die besprochene Thematik besser abdecken konnte. Er versäumte es jedoch, nach dem Meeting das Protokoll mit der erforderlichen Sorgfalt zu prüfen, sodass ihm entging, dass die Auslassung darin nicht vermerkt war. Die vermeintlich ausgeschlossenen Vertragsbestandteile wurden im weiteren Projektverlauf nicht mehr berücksichtigt. Dass aber diese im Einvernehmen getroffene Entscheidung niemals aktenkundig geworden war, wusste niemand im Team.

Der Projektleiter steht nun vor einer unangenehmen Aufgabe. Er muss entweder jemanden auf Kundenseite finden, der die Entscheidung über die Auslassung des Vertragsbestandteils offiziell bestätigt, oder er muss sich mit dem Gedanken anfreunden, die Mehraufwände zu leisten, die für die nachträgliche Erbringung der Leistung anfallen würden.

Die Schuldfrage zu stellen hilft nicht weiter

Das beschriebene Szenario wird dem einen oder anderen sicher bekannt vorkommen. Es ist Folge eines fatalen Irrtums in Bezug auf die Einflussmöglichkeiten des Projektleiters, die Rolle des Teams und die Befähigungen der einzelnen Teammitglieder, die für ein erfolgreiches Projekt vonnöten sind. Im Verlauf dieses Artikels wird ersichtlich

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