Die Produktbasierte Planung nach PRINCE2

Teil 1: Produktbeschreibung und Produktstrukturplan
Mit der Produktbasierten Planung (PBP) stellt PRINCE2 eine Technik zur Verfügung, die allgemein verwendbar ist. Ihr besonderer Reiz besteht darin, dass sie die vom Projekt zu erbringenden Leistungen in den Mittelpunkt des Planungsprozesses stellt. Dr. Georg Angermeier stellt Ihnen in diesem zweiteiligen Beitrag die Produktbasierte Planungstechnik anhand eines einfachen Beispiels vor und erläutert, warum die PBP sowohl für Klarheit über den Leistungsumfang des Projekts sorgt als auch eine realistische Einschätzung des Projektfortschritts ermöglicht. Im ersten Teil zeigt er, was eine Produktbeschreibung enthalten muss und wie man einen Produktstrukturplan im Rahmen der PBP erstellt.

Was gibt es zu tun? Diese intuitive Frage stellen sich Projektmanager und Auftraggeber zu Beginn eines Projekts. Planungsteams neigen deshalb bei der Projektplanung dazu, gleich im ersten Schritt To-do-Listen, Netzpläne oder Balkendiagramme zu erstellen. Allerdings fordern sämtliche Projektmanagement-Richtlinien, dass bei einer Projektplanung vor dem Ablaufplan zuerst ein Strukturplan erstellt wird. Dieser soll gewährleisten, dass alle Aspekte des Projekts vollständig erfasst und in die richtigen Zusammenhänge gestellt werden.

Wenn man versucht, ohne Strukturplan Projektpläne zu erstellen, entsteht im Projekt statt eines zielgerichteten Vorgehens unnötiger Mehraufwand: Arbeitsergebnisse müssen wieder verworfen werden, da verfrüht mit Arbeiten begonnen wurde, für die notwendige Voraussetzungen noch gar nicht geschaffen waren. Weiterhin laufen viele Arbeiten doppelt, da die Zusammenhänge der einzelnen Arbeitsergebnisse nicht rechtzeitig erkannt wurden und folglich Synergieeffekte nicht ausgenutzt werden konnten.

Während der PMBOK® Guide des PMI (PMI 2008) und die ICB der IPMA (IPMA, 2006) hierfür einen Projektstrukturplan (Work Breakdown Structure) fordern, geht die britische Richtlinie PRINCE2 einen etwas anderen Weg: Sie stellt den Produktstrukturplan in den Mittelpunkt des Planungsprozesses.

Auf den ersten Blick scheint der Unterschied zwischen diesen beiden Planungsansätzen nicht groß zu sein: Der Projektstrukturplan gliedert die Aufgabenstellung des Projekts in Teilaufgaben bis hinunter zu Arbeitspaketen. Der Produktstrukturplan gliedert dagegen den Leistungsumfang vom Projektendprodukt bis hinunter zu den einzelnen Teilleistungen (gleichbedeutend: Teilprodukt, Teillieferung, Liefergegenstand, Werk). Bei genauerer Betrachtung wird im Folgenden aber bei der produktbasierten Planung eine andere Philosophie deutlich, die dem ergebnisorientierten Charakter von Projekten besser entspricht als die aktivitätenorientierte Planung.

Pate der Produktbasierten Planung: Colin Bentley

Die Methode der Produktbasierten Planung geht auf Colin Bentley zurück, dem Initiator und langjährigen Lead Author des britischen Projektmanagementsystems PRINCE2 (OGC 2005; OGC, 2009). Dabei erfand er das Rad keineswegs neu – das Konzept des Produktstrukturplans gibt es schon seit jeher und findet sich in vielen Standardwerken über Projektmanagement, ausführlich dargestellt z.B. bei Burghardt (Burghardt, 2006).

Die Leistung Colin Bentleys besteht darin, mit seinem Konzept der Produktbasierten Planung (PBP) den gesamten Planungsprozess ergebnisorientiert gestaltet zu haben. Dies hilft, u.a. zwei der wichtigsten Schwierigkeiten des Projekt

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