Missverständnisse und Ärger vermeiden

Stolperfallen im interkulturellen Kontakt umgehen

Begegnen Angehörige verschiedener Kulturen einander, kann es in der Kommunikation leicht zu Missverständnissen kommen. Diese erschweren die Zusammenarbeit im Projekt. Dr. Tomas Bohinc benennt die 11 wichtigsten "Hot Spots", bei denen die kulturellen Unterschiede am gravierendsten sind. Und er stellt verschiedene Methoden vor, wie Sie als Projektleiter im Meeting diese Hot Spots im Projektteam sinnvoll ansprechen und mit diesem gemeinsam eine eigene Projektkultur entwickeln.

Die Teammitglieder des fiktiven Umstrukturierungsprojekts "Orion" treffen sich zum Kick-off-Meeting. Sie kommen aus China, England, Spanien und der Slowakei. Als erstes betritt das Teammitglied aus China den Raum, sucht sich einen Sitzplatz und beginnt an seinem Notebook zu arbeiten. Wenige Minuten später kommt die Kollegin aus der Slowakei herein, geht auf den chinesischen Kollegen zu und will ihn mit einem Händedruck begrüßen. Der Kollege aus China steht auf, verbeugt sich und nennt seinen Titel und Nachnamen. Erst dann ergreift er die ausgesteckte Hand der slowakischen Kollegin, drückt sie aber nicht. Als nächstes kommt die Kollegin aus England beginnt mit nach einem "Nice to meet you" mit Small Talk. Als letztes kommt die Kollegin aus Spanien hinzu und geht direkt auf den Kollegen aus Großbritannien zu und will ihn reflexartig durch Küsse auf die Wangen begrüßen. Dieser tritt einen Schritt zurück und streckt ihr die Hand entgegen. Manche Teammitglieder tauschen sich nach der Begrüßung kurz miteinander aus. Bald beschäftigt sich jedoch jeder mit seinem Smartphone oder anderen Dingen.

Der bereits anwesende deutsche Projektleiter, der zuerst die Frauen, dann die Männer mit einem kurzen Handschlag begrüßt hatte, ist ebenfalls irritiert. Er hatte erwartet, dass die Teammitglieder neugierig aufeinander wären und die Wartezeit vor Beginn des Kick-off zu einem regen Austausch nutzen würden.

Doch was war der Grund für das distanzierte Verhalten der Teilnehmer? Die teilweise ungewohnte Begrüßung hat alle Meeting-Teilnehmer verunsichert und es ist ihnen noch nicht klar, wie sie sich im Team verhalten sollen. Deshalb gingen sie erst einmal auf Abstand zueinander.

Diese Situation zeigt, wie wichtig Begrüßungsrituale für den Beziehungsaufbau sind. In jeder Kultur ist klar, wie Angehörige dieser Kultur sich verhalten müssen, wenn sie sich zum ersten Mal begegnen. Treffen jedoch Menschen aufeinander, die aus unterschiedlichen Kulturen stammen, fehlt dieser gemeinsame Verhaltenskodex.

Deshalb ist es für Teams mit Mitgliedern aus unterschiedlichen Kulturen wichtig, dass sich diese über die kulturellen Unterschiede austauschen und diese so sichtbar werden. Dadurch gewinnen die Teammitglieder ihre Selbstsicherheit zurück. Diese Erkenntnisse eröffnen ihnen auch den Raum, für diese und andere Situationen gemeinsam teambezogene Verhaltensweisen und damit eine gemeinsame Projektkultur zu entwickeln.

Dieser Artikel beschreibt

  • zum einen anhand ausgewählter Beispiele aus verschiedenen Kulturen die 11 wichtigsten sog. "Hot Spots", d.h. bestimmte Situationen, in denen die kulturellen Unterschiede am stärksten aufeinander treffen und für Irritationen, Missverständnisse oder sogar Verärgerung sorgen (Heringer, 2010),
  • zum anderen, wie Sie diese Hot Spots im Projektteam sinnvoll ansprechen und mit ihm
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