Interview mit Tom DeMarco:

Wir müssen schneller werden!

IT-Unternehmen verwenden zu viel Zeit auf die Koordination ihrer Mitarbeiter und können deshalb ihre Projekte nicht schnell genug vorantreiben. So lautete die Kernaussage des Vortrags von Tom DeMarco am 20. März auf der Veranstaltung "Projektmanagement 2006" in München. In einer Zeit, in der Geschwindigkeit der entscheidende Erfolgsfaktor ist, müssen die Unternehmen ihre Projekte sorgfältiger auswählen und schneller vorantreiben – auch auf Kosten von Fehlern, so DeMarco. Petra Berleb sprach mit ihm über die neuen und klassischen Anforderungen im Projektmanagement.

Tom DeMarco gilt als Koryphäe auf dem Gebiet des Projektmanagements. Nachdem er lange Zeit als Software-Entwickler tätig war, arbeitet er heute als Buchautor und Berater. Am 20. März 2006 hielt er auf der Veranstaltung "Projektmanagement 2006" in München einen viel beachteten Vortrag, in dem er bemängelte, dass in IT-Unternehmen zu viel Zeit mit unwichtigen Arbeiten verschwendet werde. Die Mitarbeiter nutzen nur einen geringen Teil ihrer Arbeitszeit für wertschöpfende Tätigkeiten, die direkt zum Projektziel beitragen - ein großer Nachteil, in einer Zeit, in der Geschwindigkeit der entscheidende Erfolgsfaktor ist. Petra Berleb hatte Gelegenheit, nach seinem Vortrag mit Tom DeMarco zu sprechen.

Tom DeMarco

Es wird zu viel koordiniert

Projekt Magazin: Tom, Sie schreiben gerade an einem neuen Buch. Wovon handelt es?

DeMarco: Das Thema ist Geschwindigkeit und Gewohnheiten. Es geht um die Frage, warum manche Unternehmen deutlich schneller sind als andere. Viele Unternehmen vergeuden ihre Zeit: zu viel Abstimmungsaufwand, zu viele zeremonielle Meetings statt produktiver Arbeitstreffen, zu viel Dokumentation und zu viele Prozeduren. Die Unternehmen sind regelrecht abhängig davon. Sie haben für all diese Dinge ausführliche Erklärungen und können begründen, warum sie sie brauchen. Aber ich bin der Ansicht, dass sie weitgehend überflüssig und sogar nachteilig sind. Die Unternehmen werden dadurch langsamer. Das Wichtigste heute ist aber die Geschwindigkeit.

Projekt Magazin: Sie sagten in ihrem Vortrag, es sei wichtig, die Zeit zwischen der Konzeption und Realisierung stark zu verkürzen. Um das zu erreichen, solle der Abstimmungsaufwand verringert werden, man solle also z.B. die Anzahl der Meetings und E-Mails drastisch reduzieren. Sind solche Änderungen in der Praxis überhaupt möglich?

DeMarco: Man sollte niemals unterschätzen, wie schwierig es ist, Dinge zu ändern - egal um was es sich handelt. Als Berater besuche ich viele Unternehmen und stelle fest, dass in manchen Unternehmen viel schneller gearbeitet wird als in anderen. Ich bin der Überzeugung, dass die Langsamen von den Schnellen lernen können. Das ist nur möglich, wenn man den Unterschied zwischen langsamen und schnellen Unternehmen erkennt und versteht. Es geht nicht darum, wie schnell die Mitarbeiter in diesen Unternehmen denken - die meisten Menschen denken gleich schnell -, der große Unterschied liegt darin, wie viel Zeit sie verschwenden. Viele Unternehmen halten viele Abstimmungen, viele Meetings mit bunten Powerpoint-Präsentationen für notwendig und deshalb für gerechtfertigt. Sie sind der Überzeugung, dass sie ohne diese Dinge nicht auskommen. Schnelle Organisationen verzichten auf diese "Zeitfresser". E-Mails z.B. sind für uns alle sehr wichtig geworden. Jeder arbeitet damit. Manche Unternehmen haben am Tag ein Dutzend E-Mails, andere Hunderte oder sogar noch mehr. Es ist nicht so, dass die einen Unternehmen mehr E-Mails benötigen als die anderen, um ihre Arbeit zu erledigen, vielmehr haben sie sich angewöhnt, sich zu viel abzustimmen. Sie betreiben "Überorganisation".

Petra Berleb im Gespräch mit Tom DeMarco.

Projekt Magazin: Wir reden hier von Projektmanagement, und das ist doch zu einem Großteil Organisation bzw. Koordination.

DeMarco: Koordination ist nur ein kleiner Teil von Management, und zwar der mechanische und einfache Teil. Als frisch gebackener Manager sucht man nach Dingen, die einfach und mechanisch abzuarbeiten sind.

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