Himmelfahrtskommando

Aussichtlose IT-Projekte überleben

Informationen zum Buch
Himmelfahrtskommando
Autor: Yourdon, Edward
ISBN: 3826613856
Verlag: mitp Verlag
Jahr: 2004
Seitenanzahl: 366 Seiten
Medienart: brosch.
Preis: 24,95 €
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Rezension von Dr. Georg Angermeier

Für eilige LeserInnen: Sie wollten schon immer wissen, warum Software-Projekte ihren Termin überschreiten? Hier finden Sie die Antwort und die Lösung des Problems.

Ob Ihnen allerdings die Lösung gefallen wird? Ich nehme hier die Quintessenz des Buchs vorweg: Gegen Himmelfahrtskommandos und gegen das Chaos in IT-Projekten hilft nur systematisches Projektmanagement nach Lehrbuch.

Es gilt aber auch:

"Ein Himmelfahrtskommando ist nicht der richtige Zeitpunkt, den Mitarbeitern eine neue Methode (ggf. die erste) beizubringen. Im Gegenteil, ein solches Vorgehen würde den Crash des Projektes maßgeblich verursachen."

Zwischen der Ausgangssituation: "Wir arbeiten alle an Himmelfahrtskommandos." und der vorsichtigen Vorstellung einfacher Terminplanungsverfahren wie der Critical Path Method behandelt Edward Yourdon deshalb ausführlich das Thema: "Wie bewältige ich ein scheinbar aussichtsloses Software-Projekt so, dass ein akzeptables Ergebnis entsteht, alle Teammitglieder durchhalten und die Unternehmensführung zufrieden ist?"

Wenn bei Ihnen also alle Projekte "im grünen Bereich" sind, Endtermine zu mindestens 50% eingehalten, schlimmstenfalls um 10% überzogen werden und die geplanten Projektbudgets auch mal unterschritten werden, dann brauchen Sie dieses Buch nicht zu lesen.

Für alle anderen, also vermutlich für alle, ist Yourdons "Himmelfahrtskommando" hingegen gleichzeitig ein unverzichtbarer Führer durch den Projektdschungel, ein Quell der Erbauung und vor allem ein Lehrbuch für den pragmatischen Einsatz von Projektmanagement.

In der Einführung analysiert und beschreibt er die Ursachen und das Entstehen des uns allen bekannten Phänomens aussichtsloser Projekte. Haben wir zunächst gedacht, dass eigentlich nur die Idioten der Geschäftsführung daran schuld sind, so verstehen wir danach die Hintergründe und Zwänge solcher "politischen" Entscheidungen. Dies und die Kenntnis der im zweiten Kapitel vermittelten politischen Spielregeln ist eine äußerst wichtige Grundlage für die spätere Entwicklung von Verhandlungs- und Handlungsoptionen.

Die meiner Meinung nach wichtigsten und hilfreichsten Kapitel für die Abwicklung von Himmelfahrtskommandos sind deshalb auch Kapitel 3: "Verhandlungen" und Kapitel 4 "Menschen in Himmelfahrtskommandos". In ihnen geht es darum, wie man einerseits den Stakeholdern realistische Projektvorgaben abringt und andererseits, wie man mit den zur Verfügung stehenden Teammitgliedern ein Optimum an Leistung erzielt.

Die Methoden, die er dabei vorschlägt, sind oft unkonventionell - so wie eben auch das Projekt kein gewöhnliches ist. Sie sind erfrischend zu lesen und man ertappt sich selbst beim amüsierenden Tagtraum, wie man mit einem Projektteam einen leerstehenden Trakt des Bürogebäudes besetzt, um ungestört arbeiten zu können. Der Haken dabei ist, dass hier von amerikanischen Verhältnissen ausgegangen wird, bei denen weder Betriebsrat nach Feuerpolizei viel zu sagen haben. Auch die Diskussionen um Überstunden und Bonuszahlungen sind nur zum Teil auf deutsche Verhältnisse übertragbar. Es macht trotzdem Vergnügen sie zu lesen, wie überhaupt das ganze Buch selbst anspruchsvolle Inhalt wie die Theory of Constraints zur angenehmen Lektüre transformiert.

Es bleibt dennoch mehr als genug für die deutsche/europäische Unternehmenskultur übrig. Dies betrifft z.B. das Thema der Zeit- und Aufwandsschätzung, die Frage der richtigen Teamzusammensetzung oder die sehr ausführliche Behandlung des Anforderungsmanagements.

Wenn Sie jetzt gleich eine Besprechung mit Ihrem Auftraggeber und das Buch "Himmelfahrtskommando" noch nicht zur Hand haben, hier schon mal ein schneller Erste-Hilfe-Tipp. Fragen Sie Ihren Auftragsgeber/Vorgesetzten doch ganz einfach:

"Jeder will die Dinge gut, schnell und billig. Jeder weiß, dass man eigentlich nur zwei der drei Dinge erreichen kann. Welche zwei wollen Sie?"


Verlagstext

Sie sind eher die Regel als die Ausnahme, sie sind kräfte- und vor allem nervenzehrend und jeder Softwareentwickler kennt sie: IT-Projekte, die einen völlig unrealistischen Zeitplan haben und ihren finanziellen Rahmen weit überschreiten, Projekte, die von vornherein zum Scheitern verurteilt sind, wahre Himmelfahrtskommandos, bei denen man eigentlich nur verlieren kann.

Wenn Sie solch ein Himmelfahrtskommando nicht vermeiden können, wie können Sie es wenigstens überleben, ohne Ihre Gesundheit, Ihre Würde und Ihren Verstand zu verlieren?

Worauf sollten Sie sich konzentrieren und welche Software-Features lieber leise sterben lassen? Wo sollten Sie Kompromisse machen und wo stur bleiben? Wie sollet man mit unternehmensinternen politischen Spielchen umgehen, sie mitspielen? Wie kann ein gutes Zeitmanagement helfen? Taugen die modernen Konzepte wie xTreme Programming oder die Theory of Constraints und Critical Chain etwas? Wie können Sie durch geschicktes Verhandeln mehr Zeit, Geld oder Ressourcen für Ihr Projekt bekommen? Und vor allem auch: Wann ist es Zeit endgültig auszusteigen? Fragen wie diese sind es, die dieser Survival Guide aufgreift.

Edward Yourdon hat keine Patentrezepte zu bieten, aber Sie erhalten jede Menge Denkanstöße und lernen Ansätze kennen, wie man das Projekt bzw. sich selbst wie Münchhausen am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen kann. Vor allem aber macht Yourdon Mut, solche Himmelfahrtskommandos durchzustehen, egal ob Sie Projektleiter, Softwareentwickler oder Manager sind.



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