IPMA Individual Competence Baseline

Die Individual Competence Baseline Version 4.0 (ICB4) der International Project Management Association (IPMA) wird ab 2018 die derzeit gültige ICB 3.0 als Grundlage für die Zertifizierung von Projektmanagern gemäß dem vier Stufen umfassenden Zertifizierungssystem der IPMA ersetzen.

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Der Zertifizierungsansatz der IPMA beruht darauf, die erforderlichen Kompetenzen eines Projektmanagers zu beschreiben, während die anderen Zertifizierungssysteme einen wissensbasierten Ansatz verfolgen. Da die IPMA internationaler Dachverband der nationalen Projektmanagement-Verbände ist, gibt die IPMA lediglich die Assessment-Themen und -kriterien für die Zertifizierungen vor. Die nationalen Fachverbände füllen diese Themen mit detaillierten Inhalten und erstellen darauf basierend die Prüfungen für die personengebundenen Zertifizierungen.

Differenzierung zur Organisational Competence Baseline

Die offensichtlichste Aktualisierung betrifft den Namen selbst. Während die ICB 3.0 die Abkürzung für "IPMA Competence Baseline Version 3.0" ist, wurde die neue Richtlinie "IPMA Individual Competence Baseline" benannt, um eine klare Differenzierung zur IPMA Organisational Competence Baseline (OCB) zu erzielen. Die IPMA OCB dient als Grundlage für das Assessment von Organisationen nach dem Reifegradmodell IPMA Delta.

Das Eye of Competence der ICB4

Von der ICB 2.0 übernahm die ICB4 stark überarbeitet die in drei Kategorien strukturierte Liste von Kompetenzen. Allerdings wurden die Kategorien eingängiger in "Perspective", "People" und "Practice" umbenannt, statt zuvor "Contextual Competences", "Behavioural Competences" und "Technical Competences".

Kompetenzen der Kategorie "Perspective"

Während die ICB 3.0 in den Contectual Competences noch die Differenzierung nach Projekten, Programmen und Projektportfolios vornahm, behandelt die ICB4 diese drei organisatorischen Ebenen nun konsequent getrennt von den persönlichen Kompetenzen. Diese sind in der Kategorie Perspective nunmehr:

  1. Strategy
  2. Governance, structures and processes
  3. Compliance, standards and regulations
  4. Power and interest
  5. Culture and values

Kompetenzen der Kategorie "People"

Die hier aufgeführten Kompetenzen sind im Wesentlichen sog. Soft Skills. Hier gibt es gegenüber den Behavioural Competences der ICB 3.0 nur wenig Änderungen. Das Einbeziehen der Soft Skills in die Projektmanager-Zertifizierung ist das Alleinstellungsmerkmal der IPMA-Zertifizierung. Die ICB4 zählt zehn auf den Faktor Mensch bezogenen Kompetenzen auf:

  1. Self-reflection and self-management
  2. Personal integrity and reliability
  3. Personal communication
  4. Relations and engagement
  5. Leadership
  6. Teamwork
  7. Conflict and crisis
  8. Resourcefulness
  9. Negotiation
  10. Result orientation

Kompetenzen der Kategorie "Practice"

In dieser Kategorie sind die traditionell von einem Projektmanager erwarteten Kenntnisse und Qualifikationen aufgeführt. Auch hier gibt es gegenüber den Technical Competences der ICB 3.0 nur wenige Änderungen. Die ICB4 beschreibt insgesamt 14 Kompetenz dieser Kategorie:

  1. Design
  2. Requirements, objectives and benefits
  3. Scope
  4. Time
  5. Organisation and information
  6. Quality
  7. Finance
  8. Resources
  9. Procurement and partnership
  10. Plan and control
  11. Risk and opportunities
  12. Stakeholders
  13. Change and transformation
  14. Select and balance

Projekt-, Programm- und Projektportfoliomanagement

Mit der ICB4 übernimmt nun auch die IPMA die Differenzierung zwischen Projekt-, Programm- und Projektportfoliomanagement in derselben Weise wie dies in den Standards von PMI und AXELOS schon seit geraumer Zeit der Fall ist. In drei Kapiteln führt die ICB jeweils aus, in welcher Ausprägung die oben aufgeführten individuellen Kompetenzen für diese Organisationsebenen erforderlich sind.

Erläuterung und Kommentar zur ICB4

Mit der Übernahme der Trennung in Projektmanager, Programm-Manager und Projektportfoliomanager löst sich die ICB4 endgültig vom traditionellen Projektmanagement, das keine Programme, sondern nur Multiprojektmanagement kannte und das die Verbindung zur Linienorganisation nicht im Projektportfoliomanagement sondern im Management by Projects sah.

Allerdings erweckt das Aufspannen einer Matrix mit 29 Kompetenzen und den drei Organisationsebenen eher den Eindruck eines Workarounds als eines in sich konsistenten Managementsystems. Worin z.B. die Unterschiede in den Soft Skills zwischen einem Projekt- und einem Programm-Manager liegen sollen, lässt sich nur schwer nachvollziehen.

Dieser Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 01.02.2016.
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