Moderation von Arbeitsgruppen

English
Facilitation

Die Moderation von Arbeitsgruppen ist eine Methode für die Teamarbeit. Dabei gestaltet ein Moderator den Lösungs- und Lernprozess, der die Teilnehmer Schritt für Schritt zum Ziel führt. Die Methode nutzt die Kreativität und die Kompetenzen der Teilnehmer, um Ideen und daraus mögliche Lösungsansätze zu entwickeln. Die Moderation soll eine intensive Beteiligung der Teilnehmer bewirken, so dass sie ihre Interessen in die gemeinsame Arbeit einbringen.

Moderation von Arbeitsgruppen

Moderation von Arbeitsgruppen

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Facilitation

Die Moderation von Arbeitsgruppen ist eine Methode für die Teamarbeit. Dabei gestaltet ein Moderator den Lösungs- und Lernprozess, der die Teilnehmer Schritt für Schritt zum Ziel führt. Die Methode nutzt die Kreativität und die Kompetenzen der Teilnehmer, um Ideen und daraus mögliche Lösungsansätze zu entwickeln. Die Moderation soll eine intensive Beteiligung der Teilnehmer bewirken, so dass sie ihre Interessen in die gemeinsame Arbeit einbringen.

Moderation von Arbeitsgruppen

Einsatzmöglichkeiten

  • Arbeitstreffen
  • Workshops
  • Seminare / Trainings
  • Tagungen / Kongresse

 

Ergebnisse
  • Lösungsvorschlag für das Problem
  • Maßnahmenplan für die Umsetzung
Vorteile
Entwicklung innovativer Lösungen, da die Kreativität der Teilnehmerinnen und Teilnehmer genutzt wird.
Erarbeitung fachlich fundierter Lösungen, da die Mitglieder der Arbeitsgruppe über vielfältige und unterschiedliche Kompetenzen verfügen.
Die Beteiligten akzeptieren und unterstützen die gemeinsam gefundene Lösung.
Effizientes und zielgerichtetes Vorgehen, da der Problemlösungsprozess einer vorgegebenen Struktur folgt.
Optimierung der Gruppenarbeit durch die speziell dafür entwickelten Arbeitstechniken
Grenzen, Risiken, Nachteile
Wenn auf die Problemstellung spezialisierte Experten verfügbar sind, sollten zunächst diese mit der Entwicklung einer Lösung beauftragt werden.
Für die Bearbeitung einfacher Probleme ist der Aufwand einer Arbeitsgruppe zu hoch.
Die Moderation von Arbeitsgruppen setzt auf eine gemeinsame, schrittweise Entwicklung von Lösungen und liefert deshalb unter Zeitdruck keine tragfähigen Ergebnisse.
Voraussetzungen
  • Die Arbeitsgruppe muss frei von Vorgaben arbeiten können.
  • Es dürfen keine Lösungen oder Teillösungen vorgegeben sein.
Qualifizierung

Fortbildung / Ausbildung für Moderation

Benötigte Informationen
  • Problembeschreibung
  • Expertise der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Thema
Benötigte Hilfsmittel

Mehrere Pinnwände (mit Papier bespannt), Flip-Chart, Moderationsmaterial (idealerweise in einem Koffer): Moderationskarten (unterschiedliche Farben und Formen), Pinn-Nadeln, Filzschreiber (dick), Filzschreiber (dünn), Klebestifte, Klebepunkte.

Moderationsmaterial

Bild 1: Moderationsmaterial

Herkunft

Eberhard Schnelle (1921-1997) veröffentlichte 1972 die Arbeitsgruppenmoderation unter dem markenrechtlich geschützten Namen "Metaplan-Methode". Die erste Gesamtdarstellung der Methode veröffentlichten 1980 von Karin Klebert, Einhard Schrader, Walter Straub unter dem Titel "ModerationsMethode: Das Standardwerk" (aktuell: Auflage 3, Verlag Windmühle, 2006).

Durchführung: Schritt für Schritt

Die Methode "Moderation einer Arbeitsgruppe" beschreibt für den Moderator / die Moderatorin eine Vorgehensweise, wie mehrere Personen gemeinsam ein Thema bearbeiten können. Die Moderation besteht aus sechs Prozessschritten (s. Bild 2).

Die hier dargestellte Moderation einer Arbeitsgruppe ergänzt auch den Methodensteckbrief "Workshop". Insbesondere bietet sie eine Vorgehensweise für die dort aufgeführten Arbeitsschritte 5 bis 7 ("Bearbeiten Sie das Workshop-Thema", "Dokumentieren Sie das Ergebnis", "Erstellen Sie einen Maßnahmenplan oder eine Entscheidungsvorlage").

Aus Gründen der einfacheren Lesbarkeit wird im Folgenden nur noch die grammatikalisch männliche Form (Teilnehmer, Moderator) verwendet. Es sind dabei aber stets Personen jeden Geschlechts gemeint.

Bild 2: Prozessschritte einer  Arbeitsgruppenmoderation

Bild 2: Prozessschritte einer Arbeitsgruppenmoderation
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Schritt 1: Stellen Sie ein gemeinsames Verständnis unter den Teilnehmern her!

Jeder Teilnehmer hat zu Beginn seine eigenen Vorstellungen zum Thema. Im ersten Schritt geben Sie den Teilnehmern Gelegenheit, ihre Vorstellungen hierzu zu äußern. Ziel ist, dass die Teilnehmer eine gemeinsame Sicht auf das Problem oder die Fragestellung erhalten.

Erarbeiten Sie hierfür Leitfragen, die den Teilnehmern ermöglichen, ihre Sicht auf das Problem zu äußern. Mögliche Techniken hierfür sind das Blitzlicht oder die Einpunktfrage (s.u.).

Blitzlicht

Im Blitzlicht hat jeder Teilnehmer die Gelegenheit, zu vorbereiteten Fragen Stellung zu nehmen. Als Materialien sind Flip Chart, dicke Filzstifte und optional eine mit Papier bespannte Pinnwand erforderlich.

Fragen können z.B. sein:

  • Wie nehme ich die Terminverzögerung im Projekt wahr?
  • Wie stark bin ich persönlich von der Terminverzögerung betroffen?
  • Was kann und will ich in diesem Workshop dazu beitragen, das Problem zu lösen?

Vorgehensweise

  1. Der Moderator bereitet die Fragen für das Blitzlicht vor und schreibt diese auf ein Flip Chart (s. Bild 3).
  2. Der Moderator eröffnet das Blitzlicht und erläutert die Regeln (s.u.).
  3. Die Teilnehmer beginnen mit der Beantwortung. Optional kann der Moderator die Antworten auf einem Plakat visualisieren.
  4. Besprechen Sie am Ende Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Antworten.

Regeln

  • Die Beantwortung der Fragen ist freiwillig.
  • Ein Teilnehmer beginnt mit der Beantwortung der Fragen und ein anderer macht dann weiter.
  • Über die Antworten der Fragen wird nicht diskutiert.

Bild 3: Beispielplakat (Flip Chart) für ein  Blitzlicht

Bild 3: Beispielplakat (Flip Chart) für ein Blitzlicht

Einpunktfrage

Bei der Einpunktfrage beantworten die Teilnehmer eine oder mehrere Fragen mit vorher festgelegten Antwortmöglichkeiten (geschlossene Frage, Bild 4 a) oder vorgegebenen Skalen (ein- oder zweidimensional, Bild 4 b). Als Materialien sind dicke Filzstifte, Klebepunkte und eine mit Papier bespannte Pinnwand erforderlich.

Beispielfrage: Wie stark betrifft mich die Terminverzögerung? Antwortmöglichkeiten: "sehr stark", "stark", "teils / teils", "weniger", "gar nicht".

Vorgehensweise

  1. Der Moderator bereitet eine Pinnwand mit der oder den Einpunktfragen vor.
  2. Der. Moderator verteilt an jeden Teilnehmer pro Frage einen Klebepunkt.
  3. Der Moderator bittet die Teilnehmer, Ihren Punkt an die Stelle zu kleben, die Ihrer Antwort entspricht.
  4. Der Moderator fordert die Teilnehme auf, das Gesamtbild zu kommentieren und ihren Punkt zu erläutern. Optional kann der Moderator die Antworten der Teilnehmer visualisieren.

Regeln

  • Die Teilnahme an der Einpunktfrage ist freiwillig.
  • Jeder Teilnehmer klebt einen Punkt an die Stelle, die seiner Antwort am besten entspricht.
  • Die Teilnehmer kleben die Punkte möglichst gleichzeitig, damit die Anonymität gewahrt bleibt.
  • Kein Teilnehmer ist verpflichtet, etwas zum Gesamtbild zu sagen oder seinen Punkt zu erläutern.
Bild 4: Beispielplakate für eine Einpunktfrage mit  ein (a) und zwei (b) Dimensionen

Bild 4: Beispielplakate für eine Einpunktfrage mit ein (a) und zwei (b) Dimensionen
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Schritt 2: Ermitteln Sie die zu bearbeitenden Themen!

In diesem Schritt tragen die Teilnehmer ihr Wissen zusammen und ermitteln die zu bearbeitenden Teilthemen. Formulieren Sie hierzu als Moderator eine oder mehrere Fragen, die Teilaspekte des Problems oder Themas erkunden. Beispiel: Was sind mögliche Ursachen für die Terminverzögerung?

Teilschritt A: Wissen der Teilnehmer mit Kartenabfrage oder Zurufabfrage zusammentragen

Kartenabfrage

Als Materialien werden benötigt: Pinnwand, Papier zum Bespannen der Pinnwand, Moderationskarten, Pinnadeln, Filzschreiber (dick, dünn)

Vorgehensweise

  1. Der Moderator schreibt die Frage auf die Pinnwand.
  2. Der Moderator erläutert das Vorgehen.
  3. Der Moderator teilt jedem Teilnehmer Moderationskarten aus oder legt diese in die Mitte der Teilnehmer.
  4. Der Moderator bittet die Teilnehmer, die Frage mit Stichworten auf den Karten zu beantworten Dazu haben die Teilnehmer ca. 10 Minuten Zeit.
  5. Der Moderator sammelt die Karten ein und mischt diese, damit die Anonymität der Karten gewahrt bleibt.
  6. Der Moderator liest die erste Karte vor und pinnt diese an die Pinnwand.
  7. Der Moderator liest die zweite Karte vor und fragt die Teilnehmer, ob diese Karte zum Thema der ersten Karte gehört, oder ein neues Thema betrifft. Gehört sie zum gleichen Thema, pinnt er sie unter die erste Karte; gehört sie zu einem neuen Thema, pinnt er sie neben die erste Karte. Auf diese Weise arbeitet der Moderator alle Karten ab. Dadurch entstehen Spalten mit den Antworten der Teilnehmer. Jede Spalten repräsentiert ein Oberthema.
  8. Der Moderator fordert die Teilnehmer auf, für jede Spalte ein Oberthema zu formulieren. Dieses schreibt er auf eine Moderationskarte und hängt es über die entsprechende Spalte.

Regeln

  • Jeder Teilnehmer schreibt seine Antworten gut leserlich auf eine Moderationskarte (maximal 3 Zeilen).
  • Für jede Antwort wird eine Karte geschrieben.
  • Jeder Teilnehmer kann beliebig viele Karten schreiben.
  • Nach dem Einsammeln der Karten können noch weitere Karten geschrieben werden.
  • Die Beantwortung der Fragen ist anonym.
  • Die Teilnehmer formulieren die Oberthemen.

Bild 5: Beispielplakate für eine Kartenabfrage  (Frage – Anpinnen der Karten – Finden der Überschriften)

Bild 5: Beispielplakate für eine Kartenabfrage (Frage – Anpinnen der Karten – Finden der Überschriften)
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Variante: Zurufabfrage

Die Zurufabfrage ist eine Variante der Kartenabfrage. Dabei werden die Antworten der Teilnehmer nicht auf Moderationskarten geschrieben, sondern dem Moderator zugerufen. Dieser scheibt die Antworten dann auf eine Pinnwand. Wenn alle Antworten auf der Pinnwand aufgeschrieben sind, dann fordert der Moderator die Teilnehmer auf, die Themen zu Clustern zusammenzufassen und Oberthemen zu formulieren.

Bei der Zurufabfrage gelten die gleichen Regeln wie bei der Kartenabfrage.

Teilschritt B: Priorisieren der Themen

Der Moderator stellt den Teilnehmern dazu eine Frage, mit der die Themen gewichten werden können, z.B.: Welches Thema halte ich für besonders wichtig?

Dies geschieht mit Hilfe der Techniken "Themenspeicher" und "Mehrpunktfrage" (s. Bild 6). Als Materialien werden benötigt: Pinnwand, Papier zum bespannender Pinnwand, Filzschreiber (dick und dūnn), Klebepunkte.

Vorgehensweise

  1. Der Moderator bereitet ein Plakat für die Pinnwand vor. Dabei übernimmt er die Oberthemen aus der Kartenfrage bzw. der Zuruffrage in den Themenspeicher (Bild 6, linke Spalte).
  2. Der Moderator erläutert die Regeln.
  3. Die Teilnehmer kleben ihre Punkte zu den Themen, die sie für besonders wichtig halten.
  4. Der Moderator zählt die Punkte, die zu jedem Thema vergeben wurden.
  5. Der Moderator schreibt die dadurch ermittelte Reihenfolge der Themen an die Themen.

Falls es Einwände zur ermittelten Reihenfolge gibt, kann diese auch durch eine Diskussion mit den Teilnehmern korrigiert werden.

Regeln

  • Jeder Teilnehmer bekommt einen Klebepunkt mehr als die Hälfte der zur Auswahl stehenden Themen. Dadurch ist eine optimale Gewichtung der Themen möglich.
  • Jeder Teilnehmer kann zu jedem Thema so viele von seinen Punkten kleben, wie er für notwendig hält.
  • Die Teilnehmer kleben die Punkte möglichst gleichzeitig, damit die Anonymität gewahrt bleibt.
Bild 6: Beispielplakate für eine Mehrpunktfrage  (Themenspeicher – Bewertung durch Kleben der Punkte)

Bild 6: Beispielplakate für eine Mehrpunktfrage (Themenspeicher – Bewertung durch Kleben der Punkte)
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Praxistipps ...

Varianten ...

Ergänzende Methoden

Workshop

Moderieren Sie Arbeitstreffen, in denen Spezialisten gemeinsam eine anspruchsvolle Aufgabe lösen. Sie sind für den Lösungsprozess verantwortlich, die Teilnehmer für die erarbeiteten Inhalte.

Mind Mapping

Lassen Sie Ihren Assoziationen freien Lauf und bringen Sie zugleich Ihre Ideen strukturiert aufs Papier! Ob allein oder im Team - Mind Mapping ist die Methode erster Wahl für alle Aufgaben im Projekt.

Brainstorming

Sammeln Sie schnell eine große Anzahl an Ideen zu einem Thema! Ob im Team oder allein: Die freie Assoziation förder ungewöhnliche und neuartige Ideen zu Tage.

Fachartikel zur Methode

Teil 2:
Durchführung in der Praxis

Projektteams stehen immer wieder vor der Herausforderung, Probleme lösen zu müssen oder schwierige Aufgaben zu meistern. Um im Rahmen eines Workshops gemeinsam eine Lösung zu finden, eignet sich die sog.

Teil 1:
Vorbereitung auf den Workshop
Oft ist es sinnvoll, die Lösung für ein Problem oder eine schwierige Aufgabenstellung in einer Gruppe zu entwickeln. Denn so lassen sich die verschiedenen Sichtweisen der Betroffenen berücksichtigen.
Teil 1:
Vier originelle Techniken für den Workshopstart und die Themenbearbeitung
Sie suchen nach neuen und kreativen Möglichkeiten, um frischen Wind in Ihren Workshop zu bringen und die Teilnehmer zu Höchstleistungen zu motivieren? Dr.
Teil 2:
Sechs originelle Techniken für die Themenbearbeitung und den Workshop-Abschluss
In diesem Zweiteiler lernen Sie insgesamt zehn kreative Möglichkeiten kennen, um frischen Wind in Ihren Workshop zu bringen und die Teilnehmer zu Höchstleistungen zu motivieren. Im ersten Teil schilderte Dr.
Wenn sich Arbeitsgruppen selbst organisieren müssen z.B. in einem Workshop, kommt es häufig vor, dass die vorgegebene Zeit überzogen wird und die Präsentation der Ergebnisse unbefriedigend verläuft.

Aufgabengebiete

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