Wenn Projekte nicht rund laufen

Das Integrale Modell – mit 4 Perspektiven zu Hochleistungsteams

Wenn es im Projekt mal nicht rund läuft, konzentrieren sich herkömmliche Verbesserungsansätze auf die objektive Sachebene: Welche Strukturen und Prozesse sind ineffizient, wo fehlen Qualifikationen und Know-how? Die Arbeit in diesen Handlungsfeldern ist wichtig und auch notwendig – aber eben nicht ausreichend, sagen Clemens Drilling und Dr. Andrea Maria Bokler. Das Integrale Modell betrachtet sowohl die harten als auch die weichen Faktoren im Projektmanagement. Wie Sie es anwenden und warum nur dann Verbesserungen nachhaltig erfolgreich sind, erfahren Sie hier.
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Donnerstagmorgen, Besprechungsraum eines mittelständischen Industrieunternehmens, irgendwo in Süddeutschland: Im offenen Stuhlkreis sitzen – vertieft in Small Talk – 25 Projektleiter. Eine gewisse Unruhe liegt in der Luft, denn alle warten gespannt darauf, dass es endlich losgeht. Mit einer Begrüßung eröffnet der Moderator das Meeting. Nach einer dreiminütigen gemeinsamen Stille haben sich die Teilnehmer mental vom Tagesgeschäft gelöst und damit den inneren Raum dafür geschaffen, was an diesem Tag kommen wird. Dieses Ritual ist ihnen bereits vertraut, daher sind sie von Beginn an fokussiert und bringen in der anschließenden CheckIn-Runde schnell die Themen auf den Tisch.

Konnten wir alle vereinbarten Meilensteine einhalten?

Die Stimmung ist etwas angespannt: Heute ist Meilenstein-Review und nicht alle haben die zugesagten Ergebnisse fertigstellen können. Mittlerweile ist es zu einem wichtigen Kulturelement im Unternehmen geworden, verpasste Meilensteintermine nicht einfach hinzunehmen, im Gegenteil. Seit einigen Monaten wird in einem solchen Fall nach den Ursachen geforscht, um dann passgenaue Gegenmaßnahmen einleiten zu können.

Doch so lief es nicht immer ab: Diese monatlich stattfindenden Meilenstein-Reviews sind u.a. Ergebnis eines Change-Projekts, das im Zuge einer Verbesserung des Projektmanagements durchgeführt wurde. Diese Meetings konnten schon nach kurzer Zeit zu effizienteren Projektprozessen beitragen. Kernelement des Change Projekts war eine Analyse anhand der vier Perspektiven des Integralen Modells.

Im folgenden Beitrag stellen wir Ihnen diese vier Perspektiven des Integralen Modells (angelehnt an Ken Wilber und Richard Barrett) vor, mit dessen Hilfe Sie Verbesserungsansätze in Ihrem Unternehmen ermitteln und daraus entsprechende Maßnahmen ableiten können.

Eine Frage der Perspektive

Zurück zu unserem Beispiel: Anders als früher, ist im besagten Industrieunternehmen die Ursachenanalyse bei Nichterreichung von Meilensteinen keine lockere Diskussionsrunde mehr, in der mögliche Ursachen unstrukturiert gesammelt werden. Denn dabei ist die Gefahr zu groß, etwas Wichtiges zu übersehen. Stattdessen durchleuchten die Teilnehmer des Meilenstein-Reviews die Situation aus vier Perspektiven (siehe Bild 1):

Die Perspektive der harten Fakten (Perspektive 4)

Mögliche Fragen:

  • Haben wir es hier mit Zielkonflikten zu tun?
  • Welche Schwächen in der Projektorganisation haben wir nicht gesehen?
  • Haben wir die Risiken genug beachtet? Gibt es Lücken in den Verträgen?

Die Perspektive der gemeinsamen Werte und Kultur (Perspektive 3)

Mögliche Fragen:

  • Gab es weniger Hilfsbereitschaft durch die anderen
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