Erfahrungen der Lufthansa Technik AG Das Project Excellence Model – PM-Systeme kontinuierlich verbessern

Durch regelmäßige Evaluation können Organisationen den eigenen PM-Reifegrad ermitteln und so ihr Projektmanagement kontinuierlich verbessern. Ein geeignetes Tool hierfür ist das Project Excellence Model der GPM. Die Lufthansa Technik AG setzt in einem Teilbereich das Modell seit 2008 erfolgreich ein. Petra Hollmeyer schildert ihre Erfahrungen aus mittlerweile über 80 Evaluationen.

 

Erfahrungen der Lufthansa Technik AG Das Project Excellence Model – PM-Systeme kontinuierlich verbessern

Durch regelmäßige Evaluation können Organisationen den eigenen PM-Reifegrad ermitteln und so ihr Projektmanagement kontinuierlich verbessern. Ein geeignetes Tool hierfür ist das Project Excellence Model der GPM. Die Lufthansa Technik AG setzt in einem Teilbereich das Modell seit 2008 erfolgreich ein. Petra Hollmeyer schildert ihre Erfahrungen aus mittlerweile über 80 Evaluationen.

 

Im Sinne eines professionellen Projektportfoliomanagements geht es nicht nur darum, die richtigen Projekte durchzuführen, sondern auch die Einzelprojekte richtig zu managen. Die Weiterentwicklung des eigenen Projektmanagement-Systems, sofern überhaupt vorhanden, vernachlässigen dabei jedoch viele Organisationen. Schlecht gemanagte Projekte mit Termin- und Budgetüberschreitungen sowie unzufriedene Stakeholder sind daher keine Seltenheit.

Das Ziel: Exzellente Projekte

Um einer solchen Entwicklung vorzubeugen, nahm sich der Bereich VIP & Executive Jet Solutions (WV) der Lufthansa Technik AG vor ein paar Jahren vor, sein Projektmanagement an das Kerngeschäft anzugleichen und damit zu verbessern. Und zwar mit dem Ziel: Exzellent! Dieses Gütesiegel soll nicht nur jedes VIP-Flugzeug tragen, das die Hamburger Hallen verlässt, sondern auch das Projektmanagement, das zu diesem Ergebnis beiträgt.

Aus diesem Grund investierte der Bereich viel Energie in den Aufbau eines professionellen Projektmanagements, das nachhaltig im Betrieb verankert werden sollte und kontinuierlich verbessert wird. Grundlage für dieses Vorhaben bildet eine umfassende und regelmäßige Evaluation aller Projekt- und Fachfunktionen auf Basis des Project Excellence Models der GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e.V.

Dieser Beitrag stellt die Grundzüge des Project Excellence Models vor und beschreibt dessen Einsatz in der Praxis. Sie erfahren, wie sich das Modell auf verschiedene Unternehmensbelange anpassen und so die Projektperformance verbessern lässt. Zudem werden Erfahrungen beschrieben, die der Bereich WV bei der Umsetzung des Modells in der Praxis sammeln konnte.

Projekte bei VIP & Executive Jet Solutions

Der Bereich VIP & Executive Jet Solutions (WV) ist ein Komplettanbieter für die Neugestaltung von VIP-Flugzeugkabinen bzw. für den Kabinenumbau sowie für die Instandhaltung von Flugzeugen internationaler Konzerne, Regierungen sowie vermögender Privatpersonen. Die Organisationsstruktur von WV entspricht der in der Werften-Industrie und im Großanlagenbau üblichen Struktur von Produktion, Installation und Instandhaltung in separaten Verantwortungsbereichen.

Bild 1: Luxuriöse Innenausstattung eines Flugzeugs, konzipiert und umgesetzt von VIP & Executive Jet Solutions.
Bildquelle: Lufthansa Technik AG

Individuelle Wünsche und Lösungen für die VIP-Kunden zu erkennen und zu realisieren, gehört zum Tagesgeschäft. Es ist das Ziel, die Kunden mit Luxus, Design, Qualität und Perfektion zu versorgen. Dabei stellen die Produkte keine gewöhnlichen Möbel, Tapeten und Fußbodenbeläge dar, sondern Flugzeugbauteile. Als solche müssen sie höchsten Anforderungen genügen: Sie müssen den Brandschutzbestimmungen entsprechen und dürfen nur schwer entflammbar sein, müssen höchsten Belastungen standhalten und sind exakt an die Struktur des Flugzeugs angepasst. Die Innenausstattung wird nach den individuellen Wünschen der Kunden gebaut und muss gleichzeitig alle luftfahrtrechtlichen Anforderungen erfüllen.

Warum das Project Excellence Model?

Was in den 50er Jahren einst mit der Fertigung von wenigen Möbelstücken begann, hat sich mit der Komplettausstattung von VIP-Flugzeugen insbesondere in den letzten zehn Jahren zu einem Kerngeschäft entwickelt. Der Bereich WV begann daher vor etwa sieben Jahren damit, das bis dato vorhandene Projektmanagement auf den Prüfstand zu stellen. Ziel war es, die immer komplexer werdenden Projekte und Rahmenbedingungen besser zu managen und die Projektziele zu erreichen.

Unter Zuhilfenahme des Project Excellence Model (PE-Modell) der GPM wurden dafür zunächst durch einen externen Berater u.a. Prozesse, Methoden und Projektrollen intensiv analysiert – mit ernüchterndem Ergebnis: Die Organisation wies im Sinne eines professionellen Projektmanagements eine nur geringe Reife auf. Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortung zwischen Linie und Projekt waren nicht klar definiert. Projektmanager hatten nicht die notwendige PM-Qualifikation und PM-Standards waren kaum vorhanden.

Prozesse und Methoden nachhaltig sichern

Als Folge wurden 2008 in Form eines Veränderungsprojekts Projektmanagement-Standards eingeführt. Zusätzlich baute die seit 2009 etablierte zentrale PM-Einheit ein Qualifizierungs- und Zertifizierungssystem sowie die jährliche PM-Evaluation zur Effizienzsteigerung und Ergebnissicherung bei WV auf. Linienführungskräfte und Projektmanager wurden im Sinne eines guten Change Managements bei der Gestaltung und Festlegung rechtzeitig eingebunden. Unmittelbar nach der Einführung setzten diese dann die vereinbarten Standards in ihren Projekten auch um, Qualifizierungsangebote wurden dankend angenommen.

Den Strömungsabriss vermeiden…

Doch viele Organisationen können sicher ein Lied davon singen, was nach Einführung neuer Prozesse, Verfahren o.ä. passiert, wenn sich niemand um die nachhaltige Verankerung kümmert. Damit die Bemühungen, ein professionelles Projektmanagement-System zu etablieren, nicht einfach verpuffen, müssen diese nachhaltig gesichert werden.

Bewertungen und Kommentare

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Alle Kommentare (3)

Jörg
Kopatz

Ein umfassender Einblick in die Vorgehensweise des Unternehmens, aus dem ich zum einen Anregungen mitnehmen kann und des Weiteren viele Parallelen entdecke, die es gilt zu bewerten. Danke für diese Übersicht.

 

Guest

Der Bericht bestätigt genau auch unseren Ansatz einen Project Health Check - Projektoptimierung auf Basis des Project Excellence Modells durchzuführen. Das bieten wir sogar als Seminar an, um unsere Erfahrung auf diese Weise weiterzugeben. Unsere Erfahrungen decken sich mit vielen Elementen aus diesem Artikel. Die ganzheitliche Betrachtung eines Projekt-Systems, die das Project Excellence Modell ermöglicht macht es so besonders. Oftmals wird aus unserer Erfahrung der Einsatz von Fragebögen und Bewertungen als nicht zielführend kritisiert. Eine Kritik die wir aufgrund der ganzheitlichen Betrachtung des Project Excellence Modells nicht nachvollziehen können, da es genügend Flexibilität für Anpassungen lässt. Das Feedback unserer Kunden bestätigt die Gültigkeit dieses Ansatzes. Dadurch das sowohl das Projektmanagement als auch die Projektergebnisse in die Bewertung einfließen sind auch Führungs- und Mitarbeiteraspekte mit abgedeckt. Ein Kritikpunkt der auch gerne öfters im Zusammenhang mit Fragebögen und Checklisten, m.E. zu unrecht, angeführt wird ist die angebliche Nichtberücksichtigung der Führung im Projekt. Vielen Dank für diesen Praxiseinblick, der unseren Ansatz einmal mehr bestätigt. Wolfgang Gotscharek Gotscharek & Company GmbH www.gotscharek-company.com

 

Guest

Ein sehr schöner Artikel, der einen Einblick in das "Leben" mit dem PE-Modell bietet und ein Beispiel für die praktische und nachhaltige Nutzung bietet. Vielen Dank dafür. Ich wünsche mir weitere Informationen - zu Aufwand und Nutzen (im PDCA) der Vorgehensweise für das einzelne Projekt. - die Anwendung des Vorgehens innerhalb des Projektes als Eigenbewertung und - das (PDCA-)Steuern der Abwicklungsgüte im Projekt als Bestandteil der Projektziele. Hoffentlich als einen Folgeartikel. Damit wären benchmark-Daten vorhanden für analoge Vorgehen, die T-Systems beim PM-Forum 2006 bekannt gemacht hat. ...eine interessante Perspektive? Udo Schmidt, www.us4quality.com