Viel Kommission – wenig Reform?

Öffentliche Großbauprojekte: Erst planen, dann bauen!

Die Reformkommission "Bau von Großprojekten" zeigt in ihrem Endbericht schonungslos die Defizite im Projektmanagement der Öffentlichen Hand auf. Die daraus abgeleiteten Maßnahmen des Bundesministers für Verkehr und Digitale Infrastruktur erscheinen dagegen wenig wirksam – meint Dr. Georg Angermeier. In Interviews mit dem Kommissionsmitglied Klaus Grewe und der Geschäftsführerin der neu gegründeten planen-bauen 4.0 GmbH, Dr. Ilka May, lotet er die Ansatzpunkte für eine Behebung der identifizierten Defizite im Projektmanagement von großen Infrastrukturprojekten der Öffentlichen Hand aus.

Ein Jahr später als geplant stellte die "Reformkommission Bau von Großprojekten" (im folgenden kurz "Reformkommission") am 29. Juni 2015 ihren Abschlussbericht (BMVI (d), 2015) der Öffentlichkeit vor. Über die Arbeit der Reformkommission berichtete das Projekt Magazin in einem Interview mit Klaus Grewe (Angermeier, Projekt Magazin, 19/2013). Grewe ist Mitglied der Reformkommission und stellte Lösungsansätze für das Management von großen Bauprojekten im Projekt Magazin vor (Grewe, Projekt Magazin 2/2014).

Eingerichtet hatte die Reformkommission im April 2013 noch der damalige Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer (BMVI (a), 2013). Sein Nachfolger, Alexander Dobrindt, will nun mit einem 10-Punkte-Plan die Empfehlungen der Kommission in die Praxis umsetzen (BMVI (e), 2015).

10 durchgreifende Maßnahmen … mit Wohlfühlfaktor

Der 112 Seiten umfassende Abschlussbericht (BMVI (d), 2015) liefert in seiner Zusammenfassung zehn Empfehlungen:

  1. Kooperatives Planen im Team
  2. Erst planen, dann bauen
  3. Risikomanagement und Erfassen von Risiken im Haushalt
  4. Vergabe an den Wirtschaftlichsten, nicht den Billigsten
  5. Partnerschaftliche Zusammenarbeit
  6. Außergerichtliche Streitbeilegung
  7. Verbindliche Wirtschaftlichkeitsuntersuchung
  8. Klare Prozesse und Zuständigkeiten / Kompetenzzentren
  9. Stärkere Transparenz und Kontrolle
  10. Nutzung digitaler Methoden – Building Information Modeling

Auf den ersten Blick sieht dies nach einer klaren Maßnahmenliste aus, die man direkt umsetzen kann. Bei genauerer Betrachtung – und vor allem im Vergleich mit der Sammlung von Defiziten bei Großprojekten – kommt man etwas ins Grübeln, wie wirksam diese Maßnahmen denn sein können. Viele klingen wie die wohlbekannten, in immer wieder unterschiedlichen Formulierungen aufgeführten Erfolgsfaktoren für Projekte: Kommunikation, Kooperation sowie vollständige Planung von Leistungsumfang, Terminen und Kosten.

Und natürlich darf das Lieblingsmodewort aller Manager nicht fehlen: "Transparenz". Dass die identifizierten Mängel auf strukturellen Defiziten beruhen und daher nicht nur auf Symptom- oder Apell-Ebene angegangen werden können, scheint dem ersten Augenschein nach nicht zur Botschaft der Reformkommission zu gehören.

Selbstverständlich finden sich in den Empfehlungen durchaus harte Aussagen. So fordert die Reformkommission z.B., dass die Mittel für ein Großprojekt erst dann in den Haushalt eingestellt werden sollten, wenn die Planung vollständig vorliegt und ein

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