Quartalsweise Planung, aktive Auftraggeber und Project Tailoring 3 Erfolgsfaktoren fĂŒr agiles Portfoliomanagement

3 Erfolgsfaktoren fĂŒr agiles Portfoliomanagement

Wie setze ich gezielt, aber pragmatisch die richtige Unternehmensstrategie um? Die Basler Versicherungen Schweiz setzen dazu auf agiles Projektportfoliomanagement. Johannes Felchlin zeigt von einer quartalsweisen Planung bis hin zur Sensibilisierung der Auftraggeber, welche Maßnahmen bei der EinfĂŒhrung notwendig und erfolgreich waren.

Management Summary

Quartalsweise Planung, aktive Auftraggeber und Project Tailoring 3 Erfolgsfaktoren fĂŒr agiles Portfoliomanagement

3 Erfolgsfaktoren fĂŒr agiles Portfoliomanagement

Wie setze ich gezielt, aber pragmatisch die richtige Unternehmensstrategie um? Die Basler Versicherungen Schweiz setzen dazu auf agiles Projektportfoliomanagement. Johannes Felchlin zeigt von einer quartalsweisen Planung bis hin zur Sensibilisierung der Auftraggeber, welche Maßnahmen bei der EinfĂŒhrung notwendig und erfolgreich waren.

Management Summary

Wie bekomme ich als Projektportfoliomanager ein gutes GefĂŒhl, dass das Unternehmen aktuell an den "richtigen" Projekten arbeitet? Wie sollte ein aktiv agierendes Projektportfoliomanagement (PPM) der zunehmenden Dynamik in den Unternehmen Rechnung tragen? Und wie kann die Organisation im Hinblick auf die fortschreitende Agilisierung und Digitalisierung wertschöpfend unterstĂŒtzt werden?

Diese Fragen stellen wir uns bei den Basler Versicherungen Schweiz ĂŒber die letzten Jahre vermehrt. Wir versuchen mit gezielten, lösungsorientierten, aber möglichst pragmatischen Vorgehen, Prozessen und Methoden positiven Einfluss auf die Ziel- und Strategiedefinition zu nehmen. Dazu setzen wir auf ein agiles PPM. Diese Entwicklung braucht viel Begleitung wĂ€hrend des Übergangs und vor allem Zeit, da neue Denkweisen und nachhaltige kulturelle VerĂ€nderungen nicht verordnet oder geschult werden können, sondern wachsen mĂŒssen. Notwendige Zwischenschritte und Erfolgsfaktoren schildere ich in diesem Beitrag.

Die IT arbeitet bereits vollstÀndig agil

Die Basler Versicherungen Schweiz stellten vor etwa sieben Jahren die gesamte IT-Anwendungsentwicklung und den IT-Betrieb (Build und Run, aber ohne Infrastruktur) auf agile Arbeitsweisen um. SĂ€mtliche IT-Projektarbeiten sowie der IT-Betrieb werden agil (Scrum und Kanban) gefĂŒhrt. Nach einer ein- bis zweijĂ€hrigen ineffizienteren Periode oder Durststrecke stellen wir mittlerweile fest, dass die IT in kĂŒrzerer Zeit Resultate mit besserer QualitĂ€t liefert. Entscheidend ist dabei, dass sich die etwa 20 Scrum-Teams stark auf wenige Aufgaben gleichzeitig fokussieren und stĂ€rker sequenziell statt parallel arbeiten. Das war fĂŒr die Auftraggebenden am Anfang nicht immer einfach zu verstehen. Sie mussten damit umgehen, dass z.B. im Moment nicht an ihrem bewilligten Projekt gearbeitet wird, sondern erst im ĂŒbernĂ€chsten Sprint in z.B. einem Monat, dann aber mit Hochdruck und dem gesamten Team. Die gesamte Umsetzungsdauer wurde jedoch nicht lĂ€nger. Nach einigen positiven Erlebnissen befĂŒrworten und unterstĂŒtzen alle EntscheidungstrĂ€ger dieses Vorgehen.

Hybrides Projektportfolio als Herausforderung

Unser Projektportfolio, das permanent etwa 60 aktive Projekte und ĂŒber das Jahr verteilt etwa 100 Projekte beinhaltet, ist bezĂŒglich der Umsetzungsmethoden noch ziemlich hybrid: Etwa 30% der Projekte werden agil gefĂŒhrt, die Mehrzahl aber nach wie vor klassisch geplant und nur der IT-Teil agil umgesetzt. Das Projektportfolio beinhaltet vor allem IT-Systemerneuerungen/-EinfĂŒhrungen und Produktentwicklungsprojekte, aber auch Prozessoptimierungen, IT-interne Projekte und immer mehr Compliance-Projekte. Die komplexeren und strategischen Projekte werden vom zentralen Projektleitungspool durchgefĂŒhrt, der wie das PPM beim CFO angehĂ€ngt ist. In diesem Pool befinden sich etwa 15 erfahrene Senior Projektleiterinnen und Projektleiter, die jeweils ein großes oder zwei bis drei mittlere Projekte fĂŒhren. Die Mehrzahl der Projekte fĂŒhren jedoch nach wie vor die Projektleiter aus den entsprechenden Fachbereichen.

Die agile Arbeitsweise der IT, die starke Zunahme der vollstĂ€ndig agil gefĂŒhrten Projekte und die digitale Transformation sowie kĂŒrzere ProdukteinfĂŒhrungszeiten fĂŒhrten dazu, dass wir auch im PPM auf eine agile ProjektportfoliofĂŒhrung umstiegen und dies nun seit drei Jahren erfolgreich praktizieren.

Bottom-up-Planung war ĂŒberholt

Vor der Umstellung agierten wir mit einem mehrheitlich bottom-up generierten Jahres-Projektportfolio. Mitte des Jahres sammelten wir Projektideen, definierten strategische Initiativen und nahmen danach die AufwandsschĂ€tzungen vor. Mittels Szenarien und Simulationen wurde gegen Jahresende ein Jahresportfolio genehmigt. SelbstverstĂ€ndlich kam alles anders als geplant und oft war die ursprĂŒngliche Planung bereits nach wenigen Monaten ĂŒberholt, viele neue Projekte gestartet und die laufenden Projekte umgeplant.

Erfolgsfaktor 1: quartalsweise Projekt- und Ressourcenfreigabe

Deshalb arbeiten wir nun mit einer quartalsweisen agilen Portfolioplanung, die jeweils vom sog. "Projektportfolio- und Priorisierungsboard" (PPB) genehmigt wird. Dieses von der GeschĂ€ftsleitung eingesetzte Projekt-Entscheidungsgremium konzentriert sich, was die Ressourcen angeht, vor allem auf die erfolgsrechnungsrelevanten Investitionen und die IT und ist mehrheitlich mit GeschĂ€ftsleitungs- bzw. Vorstandsmitgliedern bestĂŒckt. Dabei gibt es verschiedene Ebenen (Bild 1):




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Alle Kommentare (4)

Hermann
Doppler

Hermann Doppler

★★★★★
★★★★★
Interessanter und guter Beitrag. FĂŒr mein Empfinden ist der Vorgang ein "Agilermachen" des Policy Deployment Prozesses. In der Industrie habe ich vergleichbare Erfahrungen mit dem "Agilermachen" des Hoshin-Kanri Prozeßes gemacht. Dabei habe ich auch erfahren: AgilitĂ€t ist eine Denkweise. Die kurzzyklischeren VorgĂ€nge (VUCA) im Umfeld erfordern kurzzyklischeres Handeln bzw. Steuern. Die Ableitung der Erkenntnisse und Methoden (besonders Scrum) aus der IT habe ich vergleichbar erlebt. Auch der Anpassung der Kummunikation (Stand up Meetings, Sitzungen usw.) kommt eine hohe Bedeutung zu. Die Nutzung der von Scrum bekannten Retrospektive (auch als Teamreflexion) halte ich fĂŒr wichtig.

 

Dennis
Riedel

Dennis Riedel

★★★★★
★★★★★
Den Punkt "aktive Auftraggeber" finde ich sehr gut und spannend.

 

Dieter
Bertsch

Dieter Bertsch

Ihre Beobachtung, dass der Projekterfolg entscheidend von der Mitwirkung der Auftraggeber abhÀngt, kann ich voll bestÀtigen. (Deshalb haben sie in agilen Projekten in der Rolle des Product Owners ja auch eine ganz andere Verantwortung.)
&nbsp.
Um so mehr interessieren mich Ihre Erfahrungen, die Sie in den verschiedenen Checklisten dokumentiert haben. WĂŒrden Sie auch die Checklisten der anderen Phasen veröffentlichen?

 

hannes.felchlin@bluewin.ch

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Lieber Herr Bertsch. Vielen Dank fĂŒr Ihren Kommentar. Da wir die agile Arbeitsweise bis jetzt nur in der IT eingefĂŒhrt haben und sonst eher hybrid unterwegs sind, gibt es neben der PO Funktion immer noch Projekt-Auftraggebende. Da ist die Zuordnung von Rechten und Pflichten nicht immer einfach. Wenn Sie mir ein Mail schreiben, kann ich Ihnen die Auftraggeber-Checkliste auszugsweise zukommen lassen. Veröffentlichen werde ich sie nicht. Gruss und Dank aus der Schweiz. Hannes Felchlin