Sieben Qualitätswerkzeuge

Die Sieben Qualitätswerkzeuge sind Methoden des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses mit grafisch dargestelltem Ergebnis. Sie wurden in den 60er Jahren in Japan zusammengestellt und bilden den zentralen Werkzeugkasten des Qualitätsmanagements. Im einzelnen sind dies:

  • Prüfformular / Strichliste
  • Histogramm
  • Pareto-Diagramm
  • Ishikawa-Diagramm / Ursache-Wirkungs-Diagramm / Fishbone-Diagramm
  • Streudiagramm
  • Regelkarte
  • Graphischer Vergleich bzw. Schichtung / Flussdiagramm / Brainstorming (unterschiedliche Angaben bei verschiedenen Quellen)

Strichlisten bzw. Prüfformulare dienen der Datenerfassung vor Ort. Nur wenn etwas gemessen wird, kann es auch ausgewertet werden. Da die Messdaten die Basis jeglichen Verbesserungsprozesses sind, wird in zunehmendem Maße die Messdatenerfassung auf elektronischem Weg direkt im Produktionsprozess vorgenommen, so dass das Bild des mit der Strichliste auf dem Klappbrett durch die Produktionshalle laufenden Qualitätsmanagers bald ausgedient haben wird.

Histogramme bzw. Säulendiagramme dienen zur Visualisierung der Häufigkeit von Ereignissen oder Fehlern in kategorisierter Form (z.B. Wochentag, Materialeinsatz, Methode usw.). Histogramme beruhen direkt auf den Daten der Strichlisten - ihre Aussage kommt durch die Gruppierung zustande und ist somit stark durch die Fragestellung beeinflusst.

Das Pareto-Diagramm ist das nach Häufigkeit sortierte Histogramm. Es dient dazu, die wichtigsten Ursachen zu identifizieren, um möglichst schnell mit den gegebenen Kapazitäten Erfolge zu erzielen. Insbesondere im Ursachenfindungsprozess dient es dazu, als Wegweiser die Analysekapazität möglichst effizient einzusetzen und nur nach den "großen Fischen" zu jagen.

Das Ishikawa-Diagramm (auch unter Fishbone-Diagramm und anderen Bezeichnungen bekannt) ist das grafisch bekannteste der sieben Qualitätswerkzeuge. In einem Fischgrät-Muster werden die möglichen Ursachen eines Problems in Kategorien hierarchisch aufgetragen.

Streudiagramme werden verwendet, um Messdaten, zwischen denen ein Zusammenhang vermutet wird, auf ihre Korrelation hin zu überprüfen. Durch einfache lineare Regression wird die Stärke des Zusammenhangs bestimmt.

Regelkarten sind ein komplexes Instrumentarium zur statistischen Prozesskontrolle (Statistical Process Control, SPC). Es werden nach bestimmten Regeln Stichproben eines Produktes erfasst und Mittelwert, Standardabweichung sowie Extremwerte berechnet. Die kontinuierliche Erhebung und Auswertung der Stichproben führt bei Überschreiten der sogenannten Eingreifsgrenze zu geeigneten Maßnahmen, um den Qualitätsstandard wieder herzustellen.

Der graphische Vergleich bzw. die sogenannte Schichtung oder auch Stratifikation ist ein primitives statistisches Werkzeug für die Ursachenfindung von Problemen. Die Messdaten werden nach vermuteten Ursachen oder nach rein formalen Gesichtspunkten (z.B. Tagschicht und Nachtschicht) gruppiert und auf gleiche Weise ausgewertet. Die Ergebnisdiagramme (z.B. Histogramm der aufgetretenen Fehler) werden miteinander verglichen und auf systematische Unterschiede überprüft. In unterschiedlichen Quellen wird statt dem graphischen Vergleich auch das Flussdiagramm oder das Brainstorming als zu den sieben Qualitätswerkzeugen gehörig angegeben.

Neben diesen sieben klassischen Qualitätswerkzeugen werden immer wieder andere Methoden zum "Standardwerkzeugkasten" hinzugefügt. Hierzu zählen beispielsweise das Flussdiagramm zur Prozessbeschreibung und die Regressionsanalyse zur mathematisch korrekten Behandlung des Streudiagramms.

Abgegrenzt von den Sieben Qualitätswerkzeugen, die im laufenden Prozess zur Überprüfung und Verbesserung eingesetzt werden sind die drei Methoden des Quality Engineering, die tiefgreifendere Entwurfs- und Änderungsprozesse begleiten:

  • Quality Function Deployment
  • FMEA (Failure Mode and Effect Analysis bzw. Fehlermöglichkeit und Einflussanalyse)
  • Design of Experiments (DoE)

Relevante Beiträge im Projekt Magazin
von Wilfried Reiter
31 Bewertungen
3.80645
0 Kommentare
Es ist oft schwierig, herauszufinden, was ein Kunde will. Viele Kunden verwenden Fachbegriffe falsch, machen widersprüchliche Angaben, überschätzen die technischen Möglichkeiten oder wissen nicht genau, was sie wollen. Für einen Projektleiter steckt die Auftragsklärung also voller Stolpersteine. Wer sich auf die Angaben des Kunden verlässt oder dessen schwammige Erläuterungen interpretiert, hat bei der Abnahme des Projektergebnisses oft Probleme, weil der Kunde sich in Wahrheit etwas ganz anderes gewünscht hat. Wilfried Reiter erklärt, wie Sie als Projektleiter herausfinden können, was Ihr Kunde wirklich will.
von Tim Krüger
20 Bewertungen
3.75
0 Kommentare
Ein großer Mobilfunkanbieter stand 2007 vor dem Problem, dass die Fachabteilungen immer mehr Anforderungen an die Neu- und Weiterentwicklung der internen IT-Systeme stellten. Arbeitskapazität und Budget der IT-Abteilung reichten aber nicht aus, um diese umzusetzen. Es wurde deshalb ein Verfahren entwickelt, mit dem sich Projektinhalt und –umfang reduzieren und an die Ressourcensituation anpassen lassen. Dabei werden die besonders nützlichen Funktionsanforderungen herausgefiltert und umgesetzt, Anforderungen mit einem niedrigeren Nutzen fallen weg. Das Verfahren basiert auf dem Pareto-Prinzip und wird im Unternehmen deshalb als Pareto-Analyse bezeichnet. Tim Krüger stellt Ablauf und Nutzen der Pareto-Analyse vor.
von Dirk Heche
4 Bewertungen
2.75
0 Kommentare
Unerwartete Probleme entstehen häufig bei der Übergabe von Zwischenergebnissen innerhalb eines Projekts. An diesen Schnittstellen können inhaltliche Lücken auftreten, manchmal wurden auch Arbeiten doppelt ausgeführt. Um die Lücken zu schließen bzw. Überschneidungen zu klären, ist zusätzlicher, ungeplanter Arbeitsaufwand erforderlich. Dirk Heche erklärt, wie ein Projektleiter mit einem angepassten Regelwerk die Qualitätssicherung an Schnittstellen gewährleisten und dadurch den zusätzlichen Aufwand minimieren kann.
Alle relevanten Beiträge anzeigen
Tech Link