Der Analytische Hierarchieprozess (AHP) unterstützt Entscheidungen, bei denen mehrere Kriterien gleichzeitig eine Rolle spielen und Zielkonflikte zu erwarten sind. Dazu werden Kriterien (und bei Bedarf Alternativen) systematisch paarweise verglichen und in eine Prioritätenstruktur überführt. Das Ergebnis ist eine nachvollziehbare Gewichtung der Kriterien und – bei Bewertung der Alternativen – eine begründete Rangfolge der Optionen.
Der Analytische Hierarchieprozess (AHP) unterstützt Entscheidungen, bei denen mehrere Kriterien gleichzeitig eine Rolle spielen und Zielkonflikte zu erwarten sind. Dazu werden Kriterien (und bei Bedarf Alternativen) systematisch paarweise verglichen und in eine Prioritätenstruktur überführt. Das Ergebnis ist eine nachvollziehbare Gewichtung der Kriterien und – bei Bewertung der Alternativen – eine begründete Rangfolge der Optionen.
Urheberrecht
Stefan Moser
Einsatzmöglichkeiten
Entscheidungsvorbereitung: Auswahl und Begründung von Alternativen bei Zielkonflikten (z.B. Standorte, Anbieter, Konzepte)
Projektmanagement: Priorisierung von Anforderungen, Maßnahmen, Risiken oder Projektportfolios
Beschaffung und IT: Auswahl von Software, Lieferanten oder Dienstleistern anhand definierter Kriterien
Organisation & Personal: Auswahl von Rollenprofilen, Kandidat:innen oder Entwicklungsmaß-nahmen auf Basis transparenter Kriterien
Der AHP kann auch von Einzelpersonen eingesetzt werden. Seine Stärke zeigt sich aber besonders in Teams oder Expertengruppen, wenn unterschiedliche Prioritäten strukturiert abgeglichen und zu einem konsensfähigen Ergebnis geführt werden sollen.
Der Aufwand für den AHP wird im Wesentlichen durch die Anzahl der Kriterien bestimmt, da diese die Zahl der erforderlichen paarweisen Vergleiche festlegt. Mit zunehmender Kriterienzahl steigt der Aufwand entsprechend an. Die Auswertung ist rechnerisch überschaubar und lässt sich manuell durchführen (z.B. mit Tabellenkalkulation), erfordert jedoch Sorgfalt und eine konsistente Begriffsdefinition der Kriterien.
Ergebnisse
Vollständige, verständlich definierte Kriterienliste (inkl. kurzer Begriffsabgrenzung/Definition), sodass alle Beteiligten dasselbe unter jedem Kriterium verstehen
Gewichtungen der Kriterien: Transparente Priorisierung (welches Kriterium ist wie wichtig?)
Dokumentierte Entscheidungslogik: nachvollziehbare Bewertungsannahmen, Skalen und ggf. Konsistenzkennzahlen
Bei Anwendung der priorisierten Kriterien auf die Entscheidung: Gesamtbewertung und Rangfolge der Optionen auf Basis der Gewichte
Vorteile
Nachvollziehbarkeit: Entscheidungen werden begründet, dokumentierbar und im Nachgang überprüfbar.
Transparenz: Zielkonflikte werden explizit gemacht, statt implizit mitzuschwingen.
Sowohl quantitative als auch qualitative Kriterien können in die Bewertung einbezogen werden. Voraussetzung ist jedoch, dass die Kriterien eindeutig formuliert und im Rahmen der paarweisen Vergleiche nachvollziehbar vergleichbar sind.
Konsistenzprüfung: Widersprüchliche Bewertungen werden sichtbar und können gezielt geklärt werden.
Durchführung: Schritt für Schritt
Der Analytische Hierarchieprozess (AHP, Analytical Hierarchy Process) wird eingesetzt, um einen gewichteten Kriterienkatalog zur Bewertung alternativer Optionen zu erstellen. Die dafür erforderlichen Schritte beschreibe ich in den Schritten 1 bis 6. Die anschließende Auswahl einer Option anhand dieser gewichteten Kriterien gehört jedoch nicht mehr zum AHP im engeren Sinne. In Schritt 7 erläutere ich ergänzend, wie die gewichteten Kriterien in einem Entscheidungsprozess angewendet werden können.
Unterschiedliche zur Auswahl stehende Optionen können grundsätzlich auch direkt anhand eines Kriterienkatalogs miteinander verglichen werden. Allerdings sind Kriterien in der Regel unterschiedlich wichtig. Deshalb führt ein direkter Vergleich der Optionen meist zu Diskussionen über das ermittelte Ergebnis und die Entscheidung erfolgt doch wieder subjektiv.
Methodisch hilfreicher ist es deshalb, zuerst die Kriterien gemeinsam zu priorisieren und quantitativ zu gewichten. Wenn Einigkeit über die Bedeutung der einzelnen Kriterien besteht, können Sie die Optionen anschließend gezielt analysieren und vergleichen. Beim numerischen Ergebnis dieses Vergleichs sind dann die Gewichtungen der Kriterien enthalten. Eine Reflexion des Ergebnisses kann dann qualifiziert alle Aspekte der Entscheidung betrachten.
Schritt 1: Schaffen Sie einen klaren Entscheidungsrahmen!
Bild1: Ausgangslage (links), Abgrenzen und Klären der Rahmenbedingung mittels Bild Metapher (Mitte), definierter Entscheidungsrahmen (rechts)
Ziel
Am Ende dieses Schritts haben Sie einen klaren Entscheidungsrahmen: Das Team weiß, worüber entschieden wird, welche Optionen betrachtet werden, was ausdrücklich nicht dazugehört ("Out") und welches Ziel die Entscheidung erfüllen soll. Zusätzlich ist der Orientierungsmaßstab gesetzt: Die Entscheidung erfolgt auf Basis definierter Kriterien, die das Team in den nächsten Schritten priorisiert.
Ablauf
Benennen Sie den Entscheidungsgegenstand. Formulieren Sie in einem Satz, welche Entscheidung ansteht (z.B. Auswahl eines Anbieters, Standorts, Konzepts oder einer Lösung).
Stellen Sie sicher, dass die Beteiligten die verwendeten Begriffe möglichst gleich verstehen. Gerade am Anfang wirkt es oft so, als sei alles klar – in der Praxis liegen die Unterschiede häufig im Detail.
Legen Sie Optionen und Abgrenzung fest. Listen Sie die betrachteten Alternativen auf und definieren Sie gleichzeitig, was nicht Teil der Entscheidung ist ("Out"). So verhindern Sie, dass während des Bewertungsprozesses neue Themen oder Optionen dazukommen. Sie können dafür die Methode In-Out-Rahmen / Ist-Ist-Nicht-Analyse verwenden (Bilderrahmenmetapher in Bild 1).
Formulieren Sie das Ziel und den Orientierungsmaßstab (Kriterien). Schreiben Sie in einem Satz auf, woran sich die Entscheidung orientieren soll. In der Praxis hat sich bewährt, die Orientierung explizit über Kriterien zu formulieren, z.B.: "Wir entscheiden auf Basis definierter Kriterien, die wir gemeinsam priorisieren." Damit verhindern Sie intransparente Einflussfaktoren ("hidden Agendas").
Begründen Sie den Methodeneinsatz: Halten Sie kurz fest, warum eine strukturierte Vorgehensweise sinnvoll ist (z.B. Zielkonflikte, unterschiedliche Prioritäten, widersprüchliche Informationen, hoher Abstimmungsaufwand, Gefahr von Endlosdiskussionen). Ziel ist es, Präferenzen sichtbar zu machen und eine Einigung über ein transparentes Kriterien-Ranking zu ermöglichen.
Sichern Sie die Moderationsrolle ab: Klären Sie, wer den Prozess moderiert bzw. facilitiert. Gerade in der Startphase hilft das spürbar: Eine Person hält den Rahmen, sorgt für Begriffsklarheit und führt das Team durch die Schritte, ohne inhaltlich Partei zu ergreifen.
Ergebnis
Entscheidungsgegenstand (1 Satz)
Zielstatement (1 Satz)
Orientierungsmaßstab/Kriterienanker (1 Satz), z.B.: "Wir entscheiden auf Basis definierter und priorisierter Kriterien." Dabei sollte zugleich ein gemeinsamer Ankerbegriff bzw. Leitbegriff für den späteren Vergleich festgelegt werden.
Liste der Optionen (Alternativen)
Abgrenzung "Out" (was nicht dazugehört)
Kurzbegründung für den Methodeneinsatz
Benannte Moderations-/Facilitation-Rolle
Qualitätscheck
Entscheidungsgegenstand und Ziel sind jeweils in einem Satz so formuliert, dass Außenstehende sie verstehen.
Optionen und "Out" sind eindeutig abgegrenzt.
Der Kriterienanker ist klar benannt.
Für die Moderationsrolle ist eine Person verbindlich benannt.
Typische Stolpersteine
Das Team startet zu früh mit Bewertungen ("Option A ist sowieso besser …"), bevor der Rahmen steht.
Begriffe bleiben ungeklärt ("beste Lösung", "praktisch", "passt gut") und tauchen später als Konflikt wieder auf.
Es kommen nebenbei Optionen oder Themen hinzu, weil "Out" nicht sauber festgelegt ist.
Beispiel: Unterkunft für eine Reisegruppe
Eine private Reisegruppe möchte gemeinsam eine Woche in den Urlaub fahren. Am gewählten Reiseziel stehen fünf Unterkünfte zur Auswahl. Die Gruppenmitglieder recherchieren und vergleichen Eigenschaften der Unterkünfte (Preis, Lage, Bewertungen, Ausstattung), kommen aber nicht zu einer stabilen Entscheidung. Die Informationen widersprechen sich und die Prioritäten unterscheiden sich (z.B. Lage vs. Budget, Storno vs. Ausstattung).
Die Gruppe setzt sich zusammen und beschließt, mit dem AHP gemeinsam die Kriterien für die Wahl der Unterkunft zusammenzustellen und zu priorisieren. Als erstes definieren sie gemeinsam den Entscheidungsrahmen (Bild 2):
Entscheidungsgegenstand: Auswahl einer Unterkunft auf Basis eines gemeinsamen Kriterien-Rankings, damit die Gruppe trotz unterschiedlicher Prioritäten zu einer tragfähigen Einigung kommt.
Ziel: Unterkunft auswählen, die unter den Rahmenbedingungen insgesamt am besten die Anforderungen erfüllt.
Orientierungsmaßstab / Kriterien-Anker: Entscheidung auf Basis definierter Kriterien, die die Gruppe priorisiert.
Optionen: Fünf vorrecherchierte Unterkünfte (nur diese fünf!)
Out: Reiseziel, Reisedauer, Anreiseform und Reisezeitraum
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Der Analytische Hierarchieprozess (AHP) unterstützt Entscheidungen, bei denen mehrere Kriterien gleichzeitig eine Rolle spielen und Zielkonflikte zu erwarten sind. Dazu werden die Kriterien systematisch paarweise verglichen und in eine Prioritätenstruktur überführt. Das Ergebnis ist eine nachvollziehbare Gewichtung der Kriterien. Mit den gewichteten Kriterien können Alternativen bewertet und eine begründete Rangfolge der Optionen abgeleitet werden. [Weiterlesen]
Was sind die Vorteile des Analytischen Hierarchieprozesses?
Nachvollziehbarkeit: Entscheidungen werden begründet, dokumentierbar und im Nachgang überprüfbar.
Transparenz: Zielkonflikte werden explizit gemacht, statt implizit mitzuschwingen.
Sowohl quantitative als auch qualitative Kriterien können in die Bewertung einbezogen werden. Voraussetzung ist jedoch, dass die Kriterien eindeutig formuliert und im Rahmen der paarweisen Vergleiche nachvollziehbar vergleichbar sind.
Konsistenzprüfung: Widersprüchliche Bewertungen werden sichtbar und können gezielt geklärt werden.