Projektmanagement-Glossar
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Projektfortschritt

Projektfortschritt ist das Verhältnis der zu einem Stichtag erbrachten Leistungen zum gesamten vereinbarten Leistungsumfang des Projekts.

Projektfortschritt

Projektfortschritt ist das Verhältnis der zu einem Stichtag erbrachten Leistungen zum gesamten vereinbarten Leistungsumfang des Projekts.

Kompetenzbasiertes Projektmanagement (PM3)

Motzel und Felske definieren im PM3 (Standardwerk der GPM) Projektfortschritt als "Beschreibung und Gegenüberstellung der zu einem bestimmten Projektzeitpunkt (Stichtag) geplanten und tatsächlich erreichten zeit-, aufwands- und ergebnisbezogenen Projektziele (in messbaren bzw. nachprüfbaren Größen)" (Motzel, Erhard u. Felske, Peter: Projektcontrolling: Überwachung, Steuerung und Berichtswesen, in: Kompetenzbasiertes Projektmanagement (PM3), Bd. 2, S. 1005, Nürnberg, 2009).

Der gemäß dieser Definition ermittelte Projektfortschritt bezieht sich nicht auf den gesamten Leistungsumfang des Projekts, sondern nur auf den Vergleich von Plan- und Istwerten zu einem Stichtag. Wenn zum Stichtag das Projekt planmäßig verlaufen ist, beträgt der Projektfortschritt demzufolge 100%. Weiterhin bezieht diese Definition nicht nur den Leistungsumfang, sondern auch die Messgrößen Kosten und verstrichene Dauer mit ein. Dadurch wird der auf diese Weise definierte Projektfortschritt zur Leistungskennzahl.

PMBOK(R) Guide

Demgegenüber verwendet der PMBOK Guide den Begriff "progress" nicht als primären Begriff, er spricht statt dessen von "performance" allgemein oder im Speziellen von "project performance", "scope performance" oder "work performance". Obwohl "performance" wörtlich übersetzt "Leistung" bedeutet, bezeichnet der PMBOK Guide mit diesen Begriffen weitgehend die erbrachten Ergebnisse in Relation zum Inhalt und Umfang des Projekts. Ähnlich wie in der Definition des PM3 bezieht auch der PMBOK Guide in die Fortschrittsmessung die Erfüllung der Termin- und Kostenpläne mit ein. Methodisch geschieht dies über die Earned Value Analyse.

PRINCE2

Bei PRINCE2 stellt "progress" bzw. "Fortschritt" eines der sieben Themen (Wissensgebiete) dar. Ähnlich der DIN 69901-5 definiert PRINCE2 "Fortschritt" verhältnismäßig allgemein als "Maßstab, nach dem beurteilt wird, ob und in welchem Umfang die Ziele eines Plans erreicht wurden. Er kann auf Arbeitspaket-, Phasen- und Projektebene überwacht werden."

Allerdings interpretiert PRINCE2 den Fortschritt aufgrund seines Prinzips der Produktorientierung etwas anders als die oben angeführten Projektmanagementsysteme. Wichtigstes Messinstrument für den Projektfortschritt ist bei PRINCE2 die sog. Produktstatusauskunft, d.h. die Auflistung aller zu erstellenden Produkte mit den Angaben über ihren jeweiligen Status. Darüber hinaus empfiehlt PRINCE2 zur Überwachung des Projektfortschritts explizit Methoden der anderen Projektmanagementsysteme, wie z.B. die Earned Value Analyse oder die Meilensteintrendanalyse.

DIN 69901-5

Die DIN 69901-5:2009-1 "Projektmanagement - Projektmanagementsysteme - Teil 5: Begriffe" beschreibt Projektfortschritt sehr allgemein als einen Vergleich von Planung und aktuellem Stand einer Aktivität. Dabei benennt die Definition der DIN 69901-5 weder die Referenzgröße noch die Messgröße eindeutig und erfüllt damit nicht die Anforderungen an eine sinnvolle Definition.

Erläuterungen und Kommentar

Im Vergleich der Richtlinien ist es überraschend, dass der Begriff "Projekfortschritt" so uneinheitlich definiert wird. Möglicherweise liegt dies daran, dass es vielerlei Methoden zur Überwachung des Projektfortschritts gibt mit entsprechend vielen Kennzahlen.

Eine Möglichkeit, auf diese Unklarheit zu reagieren besteht darin, auf den Begriff "Projektfortschritt" zu verzichten und direkt von Fertigstellungsgrad, Earned Value, Budgetausschöpfungsgrad oder vergangener Projektlaufzeit zu sprechen. Die andere Möglichkeit ist, "Projektfortschritt" aus Sicht des Auftraggebers zu definieren: Für den Auftraggeber ist die entscheidende Frage, wie viel des vereinbarten Leistungsumfangs bereits realisiert ist und auch im Falle eines vorzeitigen Projektabbruchs weiter verwendet werden kann. Diese Betrachtungsweise unterscheidet sich erheblich von anderen Fortschrittsmessungen, denn diese messen lediglich, ob das Projekt plangemäß verläuft. Für den Auftraggeber hingegen kann auch ein Projekt, dessen Fertigstellungsgrad über 90% beträgt, völlig wertlos sein, solange er mit den erbrachten Leistungen nicht die angestrebten Ergebnisse erzielen kann. Messgröße für einen so definierten Projektfortschritt wäre der Preis, den der Auftraggeber für erbrachte Teilleistungen zu zahlen verpflichtet ist im Verhältnis zum Preis der vollständigen Lieferung.

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