IPMA, PMI, PRINCE2 Projektmanagement-Zertifizierungen im Vergleich

Teil 2:
Anforderungen und Kosten im Detail
Projektmanagement-Zertifizierungen im Vergleich

Sie möchten sich zertifizieren, wissen aber noch nicht, bei welchem der drei großen Anbieter? Im abschließenden zweiten Teil erhalten Sie einen detaillierten Vergleich zu den Zertifizierungen von IPMA®, PMI® und AXELOS Ltd. (PRINCE2®) – inklusive Kosten, Anforderungen und Regelungen zur Rezertifizierung.

Management Summary

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Artikelserie

  1. Die führenden Institutionen und ihre Standards
  2. Anforderungen und Kosten im Detail

IPMA, PMI, PRINCE2 Projektmanagement-Zertifizierungen im Vergleich

Teil 2:
Anforderungen und Kosten im Detail
Projektmanagement-Zertifizierungen im Vergleich

Sie möchten sich zertifizieren, wissen aber noch nicht, bei welchem der drei großen Anbieter? Im abschließenden zweiten Teil erhalten Sie einen detaillierten Vergleich zu den Zertifizierungen von IPMA®, PMI® und AXELOS Ltd. (PRINCE2®) – inklusive Kosten, Anforderungen und Regelungen zur Rezertifizierung.

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27.06.2024
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Ein Zertifikat ist ein wichtiger Nachweis der eigenen Projektmanagement-Qualifikation. Zertifizierungen gewährleisten ein einheitliches Verständnis von Projektmanagement, führen zu einer reibungsloseren Zusammenarbeit über Länder- und Unternehmensgrenzen hinweg und verkürzen die Zeit der Einarbeitung. Immer mehr Unternehmen fördern und verlangen entsprechende Qualifikationsnachweise sowohl von ihren eigenen Mitarbeitenden als auch von externem Personal. Ein Zertifikat steigert somit die Attraktivität von Mitarbeitenden sowohl im eigenen Unternehmen als auch auf dem Arbeitsmarkt.

Wer sich entschlossen hat, die eigene Kompetenz durch eine Projektzertifizierung zu erweitern, sollte sich jedoch angesichts der dafür erforderlichen Ressourcen genau überlegen, in welche Ausbildung sie oder er Zeit und Geld investiert. Als Entscheidungshilfe gibt dieser zweiteilige Beitrag einen Überblick über die Zertifizierungen der drei Organisationen IPMA, PMI und AXELOS (PRINCE2), die sich im Bereich Projektmanagement als führende Größen etabliert haben.

Nachdem im ersten Teil die Organisationen selbst und ihre Standards vorgestellt wurden, befasst sich der vorliegende zweite Teil detailliert mit den VoraussetzungenInhalten und Kosten der einzelnen Zertifizierungen sowie mit den Bedingungen zur Rezertifizierung. Der Artikel liefert so die Basis, um den finanziellen und zeitlichen Aufwand einer Zertifizierung abschätzen und die verschiedenen Zertifizierungen miteinander vergleichen zu können.

Angaben zu Seminarkosten

Alle Angaben zu Seminarkosten in diesem Beitrag basieren auf einer Kurzrecherche bei zwei bis vier zufällig ausgewählten Seminaranbietern und beziehen sich auf Präsenztrainings. Die Preisangaben dienen lediglich zur groben Orientierung, der tatsächliche Preis kann deutlich nach oben oder unten abweichen. Zudem unterscheiden sich die Konditionen der verschiedenen Anbieter hinsichtlich des Schulungsmaterials, der Verpflegung und möglicher Preisnachlässe.

IPMA-Zertifikate

Das Qualifizierungs- und Zertifizierungskonzept der IPMA besteht aus den vier Leveln A bis D, wobei A der höchste Level ist. Unterschiede gibt es bei den Schwerpunkten, die die verschiedenen deutschsprachigen Landesorganisationen setzen. Während die Schweizer spm sowie die österreichische pma Projekt-, Programm- und Portfoliomanagement seit Längerem gleichermaßen bewerben, lag der Fokus bei der deutschen GPM zunächst stärker auf dem klassischen Projektmanagement. Jetzt werden auch hier vermehrt Programm- sowie Portfoliomanagement angeboten. Zu den 28 Kompetenzelementen der Domäne "Projektmanagement" kommt bei Letzteren ein weiteres Element "Projektselektion und Portfoliobalance" dazu.

Die GPM hat die vierstufige Zertifizierung um ein Basislevel ergänzt. Zum Thema Agilität hat sie ausdrücklich viele agile Inhalte integriert und baut diese nun zunehmend auch in den Prüfungen auf 20% aus. Außerdem bietet sie das Zertifikat hybrid+ (GPM) an. Die österreichische PMA bietet gemeinsam mit der Österreichischen Computer Gesellschaft ebenfalls ein Einstiegsseminar außerhalb der Zertifizierungsschiene an. Zudem hat sie aufbauend zur pma/IPMA® 4-Level-Zertifizierung die Agile-Leadership-Zertifizierung auf Level D und C geschaffen. Die Schweizer spm bzw. die Zertifizierungsorganisation VZPM hat eine durchgehende 4-Level-Zertifizierung in Agile Leadership.

GPM Basislevel – Basiszertifikat im Projektmanagement

  • Zielsetzung: Schneller Einstieg für Interessierte, die im Beruf oder Ehrenamt von Projektmanagement-Know-how profitieren. Keine formellen Einschränkungen: Das Zertifikat richtet sich an Schülerinnen und Schüler, Auszubildende, Studierende und Berufstätige.
  • Inhalte: Wesentliche Konzepte und Begriffe im Projektmanagement sowie grundlegende Methoden – z.B. Zieldefinition, Phasenplanung und Stakeholdermanagement. Teilnehmende erwerben Kompetenzen, um ihren eigenen Beitrag im Projekt verstehen und gestalten zu können.
  • Voraussetzungen: Keine. Empfohlen wird ein Basislehrgang von mindestens 24 Stunden oder eine vergleichbare Hochschulveranstaltung. Rezertifizierung nach 5 Jahren.
  • Prüfung: 90-minütige schriftliche Prüfung
  • Kosten: Die Seminarkosten betragen durchschnittlich 1.280 Euro, wobei Studierende, Schülerinnen und Schüler sowie Auszubildende teilweise einen deutlichen Preisnachlass erhalten. Die Zertifizierungsgebühr beträgt in Deutschland 225 Euro für Nichtmitglieder, 203 Euro für Mitglieder und 150 Euro für Studierende. jeweils zzgl. MwSt.

IPMA Level D – Certified Project Management Associate

  • Zielsetzung: Vorhandenes PM-Wissen vertiefen oder Praxiserfahrung mit fundiertem Wissen hinterlegen; v.a. für Personen, die in Projektteams Projektmanagementaufgaben übernehmen wollen.
  • Inhalte: Wissen und umfangreiche Übungen, um PM-Methoden im Alltag sicher anwenden zu können. Zusammenarbeit im Projektteam.
  • Voraussetzungen: Keine. Rezertifizierung nach 5 Jahren.
  • Prüfung: Zwei schriftliche Prüfungen von je 90 Minuten oder eine schriftliche Prüfung von 90 Minuten und Report von 25 Seiten. Für Teilnehmende mit dem Basiszertifikat wird die Prüfung auf eine schriftliche Prüfung von 90 Minuten reduziert. 
  • Kosten: Die Seminarkosten liegen bei durchschnittlich 3.200 bis 3.600 Euro (Empfehlung: mind. sieben Tage Seminar). Die Zertifizierungsgebühr beträgt in Deutschland 630 Euro für Nichtmitglieder, 567 Euro für GPM-Mitglieder und 250 Euro für Studierende (zzgl. MwSt). Ist bereits ein Basiszertifikat vorhanden, reduzieren sich die Kosten auf 450 Euro, 405 Euro bzw. 150 Euro (zzgl. MwSt).
    In Österreich sind es 577,50 Euro für Nichtmitglieder, 484 Euro für pma-Mitglieder (inkl. USt). In der Schweiz 900 Franken bzw. 400 Franken für Studierende und Erwerbslose.

Agiles Projektmanagement wird in vielen Firmen zunehmend wichtiger. Demnach steigt der Bedarf an entsprechend qualifizierten Mitarbeitern. Welche Zertifizierungen es im agilen Projektmanagement gibt und wie sich diese unterscheiden, zeigt Ihnen Elisabeth Ammer. Finden auch Sie die für Sie passende agile Zertifizierung!

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IPMA Level C – Certified Project Manager

  • Zielsetzung: Das Zertifikat Level C bescheinigt die Eignung, Projekte mit begrenzter Komplexität zu managen. Es richtet sich somit an (angehende) Projektleitende, an Teilprojektleitende von komplexen Projekten sowie an Personen in einer leitenden Funktion im Projektmanagement, z.B. in einem PMO, im Projektcontrolling oder im Qualitätsmanagement eines Projekts.
  • Inhalte: Im Mittelpunkt der Ausbildung steht das Management von Projekten. Dazu gehört die Fähigkeit, Projektdesign als Ansatz zu verstehen und einzusetzen sowie das Beherrschen agiler, klassischer und hybrider Projektmanagement-Ansätze.
  • Voraussetzungen: In Deutschland und der Schweiz sind mindestens 3 Jahre Projekterfahrung in einer verantwortlichen PM-Rolle erforderlich, in Österreich mindestens 3 Jahre, davon 2 in verantwortlicher Position. Rezertifizierung nach 5 Jahren.
  • Prüfung: Zweistündige schriftliche Prüfung, Report, mehrstündiger Workshop und Interview. Für Teilnehmende mit „IPMA Level D“-Zertifikat entfällt der Workshop.
  • Kosten: Aufwand und Kosten hängen u.a. davon ab, ob die Teilnehmenden bereits ein Level-D-Zertifikat mitbringen oder nicht. Die Kurse zur Vorbereitung auf Level C waren im Internet z.B. von 3.000 Euro (Upgrade Level D auf Level C) bis 6.000 Euro (Kombi Level D/C) zu finden.
    Die Zertifizierungsgebühr beträgt in Deutschland 1.530 Euro für Nichtmitglieder und 1.377 Euro für Mitglieder (zzgl. MwSt.), in Österreich 1.353 Euro bzw. 1.133 Euro (inkl. USt) und in der Schweiz 2.900 Franken. Berechnet sind jeweils die einzelnen Schritte, diese ergeben die Gesamtsumme.
    Über Preisreduktionen bei Höherzertifizierung, also beim Aufbau des Zertifikats auf einem anderen, informieren die zuständigen Zertifizierungsstellen.

IPMA Level B – Certified Senior Project, Programme, Portfolio Manager

Ab Level B werden seit Überarbeitung der ICB 2015 drei verschiedene Qualifikationen angeboten: Projekt-, Programm- und Portfoliomanagement.

Wer die erforderliche Erfahrung – 5 Jahren Projektleitung, davon 3 Jahre in komplexen Bereichen – mitbringt, kann sich direkt von Level D auf Level B zertifizieren. Es gibt deshalb Kombiseminare für Level D und B.

  • Zielsetzung: Die Level-B-Zertifizierung baut Führungskompetenz in komplexen Projekten aus. Sie richtet sich an Personen, die große, komplexe und für die Organisation relevante Vorhaben, Projektportfolios oder ‑programme verantworten.
  • Inhalte: Dieser Level zielt auf den Nachweis der Fähigkeit, große Teams auch in komplexen Projekten und schwierigem Umfeld erfolgreich zu führen. Neben dem Beherrschen agiler, klassischer und hybrider Projektmanagement-Ansätze sowie Führungskompetenz wird auf die Fähigkeit zur Strategieumsetzung durch Projekte Wert gelegt.
  • Voraussetzungen: Mind. 5 Jahre Projekterfahrung in der Projektleitung, davon mindestens 3 Jahre in komplexen Projekten. Rezertifizierung nach 5 Jahren.
  • Prüfung: Dreistündige schriftliche Prüfung, Report, mehrstündiger Workshop und anderthalbstündiges Interview. Für Teilnehmende mit einem Level-C-Zertifikat entfällt der Workshop.
  • Kosten: Die Preise für Seminare entsprechen denen für Level C. Die Zertifizierungsgebühr beträgt in Deutschland 1.935 Euro für Nichtmitglieder und 1.742 Euro für Mitglieder (zzgl. MwSt.). In Österreich sind es 2.541 Euro bzw. 2.304,50 Euro (inkl. USt) und in der Schweiz 3.900 Franken.
    Über Preisreduktionen bei Höherzertifizierung informieren die zuständigen Zertifizierungsstellen.
    Die pma bietet anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens für Online-Zertifizierungen bei Anmeldung in 2023 Vergünstigungen an.

IPMA Level A – Certified Project, Programme, Portfolio Director

Wie für Level B gibt es auch für Level A adäquate Zertifikate für Projekt-, Programm- und Portfoliomanagement.

  • Zielsetzung: Zielgruppe für die höchste der IPMA-Zertifizierungen sind Projektführungskräfte auf oberster Ebene, etwa Leiterinnen und Leiter von strategischen Großprojekten, Portfolios oder Programmen, aber auch Führungskräfte projektbasierter Organisationen. Auf der pma-Webseite finden sich folgende Projektbeispiele für eine Level-A-Zertifizierung: Bau eines Krankenhauses bzw. eines Flughafens, eine Bewerbung für Olympia oder der Aufbau eines Rechenzentrums.
  • Inhalte: Schwerpunkte sind das Umsetzen von Strategien durch Projekte, die strategische Steuerung von projektorientierten Organisationen sowie das Zusammenspiel von Projekt-, Programm- und Portfoliomanagement, Leadership-Fähigkeiten sowie unternehmerische Verantwortung.
  • Voraussetzungen: Projekterfahrung: Mindestens 5 Jahre in der Leitung von hochkomplexen Projekten, davon mindestens 3 Jahre auf strategischer Ebene. Rezertifizierung nach 5 Jahren.
  • Prüfung: Report und zweistündiges Interview.
  • Kosten: Die Wissensvermittlung geschieht auf dieser Ebene durch Coaching, je nach individuellem Bedarf. Es ist mit Tagessätzen ab 2.000 Euro zu rechnen.
    Die Zertifizierungsgebühr beträgt in Deutschland 2.475 Euro für Nichtmitglieder und 2.228 Euro für Mitglieder (zzgl. MwSt.). In Österreich sind es 3.091 Euro bzw. 2.777,50 Euro (inkl. USt) und in der Schweiz 5.500 Franken.
    Über Preisreduktionen bei Höherzertifizierung informieren die zuständigen Zertifizierungsstellen.

Zusatzzertifikat hybrid+ (GPM)

Die GPM reagierte auf die Diskussion um Agilität bzw. die Verbindung von klassischem und agilem Vorgehen, indem sie im Herbst 2016 das Zusatzzertifikat hybrid+ für Zertifikanten vorstellte.

  • Zielsetzung: Projektleitungen und andere verantwortliche Positionen in innovativen Projekten mit agilem Vorgehen.
  • Inhalte: Agile Techniken kennen und anwenden können. Klassische Techniken sinnvoll in ein agiles Umfeld integrieren.
  • Voraussetzungen: Gültiges IPMA-Zertifikat, 1-2 Jahre praktische Projektmanagement-Erfahrung. Keine Rezertifizierung erforderlich.
  • Prüfung: Zweistündige schriftliche Prüfung
  • Kosten: Die drei- bis viertägigen hybrid+-Seminare werden für 1.500 bis knapp 2.000 Euro angeboten. Die Zertifizierungsgebühr beträgt in Deutschland 290 Euro für Nichtmitglieder und 261 Euro für Mitglieder (zzgl. MwSt.).

PMI-Zertifikate

Certified Associate in Project Management (CAPM)®

  • Zielsetzung: Dieses Angebot richtet sich an Personen mit ersten Projektmanagement-Erfahrungen, die sich weiterentwickeln wollen. Aber auch Personen, die in das Projektmanagement einsteigen wollen und Studierende ohne Projektpraxis können sich zur Prüfung anmelden, nachdem sie ein PMI-Einsteigerseminar absolviert haben.
  • Inhalte: Die neuen Inhalte des PMBOK Guide 7 fließen nach und nach in die Prüfungen ein. Das nachzuweisende Wissen ist in einer Examination Content Outline (PDF Englisch) beschrieben. Im Vorwort weist die PMI aber ausdrücklich darauf hin, dass sich das erforderliche Wissen nicht mit den Inhalten des PMBOK deckt, da die Prüfung in einer vom PMBOK-Team unabhängigen Arbeitsgruppe entwickelt wurde – u.a. auf Basis einer globalen Praxisanalyse (GPA). Diese beruht auf Marktforschungsergebnissen sowie einer Aufgabenanalyse (Job Task Analysis, JTA), in die eine Reihe von Branchentrends eingeflossen sind, die bisher in der CAPM-Zertifizierungsprüfung nicht berücksichtigt wurden.
  • Voraussetzung: Es sind entweder 1.500 Stunden Projekterfahrung (ca. ein Jahr) oder 23 Stunden Seminarbesuch vorzuweisen. Als Mindestausbildung wird ein „Associate Degree“ verlangt, das dem deutschen (Fach-)Abitur entspricht. Es finden sich aber auch Qualifizierungsanbieter, die Bewerberinnen und Bewerber mit Mittlerer Reife und Berufserfahrung ansprechen – bei Interesse lohnt die Nachfrage. Rezertifizierung nach 3 Jahren.
  • Prüfung: Die Prüfung besteht aus 150 Multiple-Choice-Fragen, die innerhalb von drei Stunden zu beantworten sind. Die Prüfung wird in einem Testzentrum der Firma Pearson VUE oder online abgelegt.
  • Kosten: Zur Vorbereitung werden spezielle CAPM-Seminare empfohlen oder auch die Teilnahme am Seminar für PMP-Interessierte. Letzteres lohnt sich vor allem dann, wenn man ohnehin auch die PMP-Zertifizierung plant, für die 35 Stunden Training nachzuweisen sind. Im Internet fanden sich solche Trainings zwischen 1.900 und 2.800 Euro zzgl. MwSt. Die Zertifizierungsgebühr beträgt 300 US-Dollar, für PMI-Mitglieder 225 US-Dollar.

Project Management Professional (PMP)®

  • Zielsetzung: Das Zertifikat richtet sich an Projektleiterinnen und Projektleiter mit umfassendem Wissen und mehrjähriger Erfahrung. Mit über 1.200.000 Aktiven gilt es als das weltweit meistverbreitete Zertifikat auf Projektleitungsebene.
  • Inhalte: Die neuen Inhalte des PMBOK Guide 7 fließen nach und nach in die Prüfungen ein. Grundsätzlich ist das nachzuweisende Wissen in einer Examination Content Outline (PDF Englisch) beschrieben. Im Vorwort weist die PMI aber ausdrücklich darauf hin, dass sich das erforderliche Wissen nicht mit den Inhalten des PMBOK deckt. Denn die Prüfung wurde in einer vom PMBOK-Team unabhängigen Arbeitsgruppe entwickelt, u.a. auf Basis einer globale Praxisanalyse (GPA). Diese basierte auf Marktforschung und einer Aufgabenanalyse (Job Task Analysis, JTA), in die eine Reihe von Branchentrends eingeflossen sind.
  • Voraussetzung: 35 Stunden Seminarbesuch. Dazu bei vorhandenem Hochschulabschluss mindestens 4.500 Stunden (ca. drei Jahre) Projektleitung. Mit (Fach-)Abitur oder vergleichbarem Abschluss mindestens 7.500 Stunden (ca. fünf Jahre) Projektleitung. Die benötigte Zeit fürs Selbststudium wird von Trainingsanbietern auf 80 bis 100 oder auch 100 bis 150 Stunden geschätzt. Viele bieten webbasierte Prüfungssimulationen an. Rezertifizierung nach 3 Jahren.
  • Prüfung: Vierstündiger Multiple-Choice-Test mit 180 Fragen, der bei einem Pearson-VUE-Testcenter oder online absolviert wird.
  • Kosten: Die Kosten für das Vorbereitungsseminar liegen in der Regel zwischen 2.000 und 3.000 Euro netto. Die Prüfungsgebühr beträgt für PMI-Mitglieder 405 US-Dollar, Nichtmitglieder zahlen 555 US-Dollar.

PMI Agile Certified Practitioner (PMI-ACP)®

Das PMI reagierte früh auf den Trend zu agilem Projektmanagement und brachte Anfang 2012 seine Zertifizierung zum PMI Agile Certified Practitioner auf den Markt (siehe auch "Was bietet die Zertifizierung zum "PMI Agile Certified Practitioner" (PMI-ACP)?"

  • Zielsetzung: Der PMI-ACP wendet sich an Projektleiter, die ihr Wissen über und ihre Erfahrung mit agilen Techniken und Werkzeugen belegen möchten.
  • Inhalte: Das PMI-ACP umfasst viele agile Ansätze wie Scrum, Kanban, Lean, Extreme Programmierung (XP) und testgetriebene Entwicklung (TDD). Genaueres verraten das Handbuch, eine Präsentation und die „Exam Content Outline“ auf der PMI-Webseite (Englisch).
  • Voraussetzung: 21 Stunden Seminarbesuch, dazu 12 Monate allgemeine Projekterfahrung plus mindestens 8 Monate Erfahrung in agilen Umgebungen. Bei vorhandener PMP-Zertifizierung entfällt der Nachweis über allgemeine Projekterfahrung, nicht jedoch der über die 8 Monate agile Projekterfahrung. (Fach-)Abitur oder vergleichbarer Abschluss. Rezertifizierung nach 3 Jahren.
  • Prüfung: Dreistündiger Multiple-Choice-Test. Die Tests werden an PCs bei einem Pearson-VUE-Testcenter absolviert. Sie können aber auch zu Hause oder am Arbeitsplatz unter Online-Aufsicht abgelegt werden. Bisher bietet das PMI keine prüfungsbegleitenden Unterlagen auf Deutsch an.
  • Kosten: Dreitägige Vorbereitungsseminare fanden sich ab 1.500 bis 2.000 Euro. Die Prüfungsgebühr beträgt für PMI-Mitglieder 435 US Dollar, Nichtmitglieder zahlen 495 US-Dollar.

PRINCE2-Zertifikate

PRINCE2 Foundation

  • Zielsetzung: Die PRINCE2-Ausbildung vermittelt durch klare Handlungsanweisungen, Rollendefinitionen und Aufgabenbeschreibungen schnell praxiserprobte Grundlagen, um Projekte zu managen. Foundation-Seminare führen in das Konzept und die Methodik von PRINCE2 ein. Das Zertifikat soll dokumentieren, dass eine Person in der Lage ist, sich effizient in PRINCE2-Umgebungen einzubringen.
  • Inhalte: Die in der Regel dreitägigen Vorbereitungsseminare vermitteln neben allgemeinen PM-Grundlagen u.a. die jeweils 7 Prinzipien, Themen und Prozesse von PRINCE2.
    Die Prinzipien sind: fortlaufende geschäftliche Rechtfertigung, Lernen aus Erfahrung, definierte Rollen & Verantwortlichkeiten, Steuern über Managementphasen, Steuern nach dem Ausnahmeprinzip, Produktorientierung, Anpassung an die Projektumgebung. Die Themen lauten: Business Case, Organisation, Qualität, Planung, Risiken, Veränderung, Fortschritt. Die Prozesse sind: Vorbereiten eines Projekts, Lenken eines Projekts, Initiieren eines Projekts, Steuern einer Phase, Managen der Produktlieferung, Managen eines Phasenübergangs, Abschließen eines Projekts.
  • Voraussetzung: Keine. Rezertifizierung nach 3 Jahren.
  • Prüfung: Die Prüfung ist ein einstündiger Multiple-Choice-Online-Test mit 60 Fragen, für die es jeweils vier Antwortoptionen gibt. Davon müssen 55% (36 von 60 Punkten) korrekt beantwortet werden. Es ist möglich, sich direkt bei PeopleCert zur Online-Prüfung anzumelden oder die Prüfung nach einem Training bei einem Trainingsanbieter zu absolvieren.
  • Kosten: Die meisten Vorbereitungsseminare dauern zwei bis drei Tage. Sie dürfen nur von akkreditierten Trainingspartnern (ATOs) durchgeführt werden. Die Prüfung kann direkt anschließend oder innerhalb eines Jahres online abgelegt werden. Präsenzseminare werden etwa ab 1.000 Euro (zzgl. MwSt.) angeboten, es gibt aber auch viele Online-Trainings. Die reine Zertifizierungsgebühr beträgt 270 Euro. Dazu kommen teilweise noch 95 Euro für das Original-E-Book und 60 Euro für die Trainingsunterlagen von PeopleCert, sofern diese nicht in den Seminarkosten enthalten sind. Wer plant, die Practitioner-Zertifizierung im unmittelbaren Anschluss zu machen, kann kombinierte Seminare für beide Stufen buchen.

PRINCE2 Practitioner

  • Zielsetzung: Die zweite Stufe der PRINCE2-Zertifizierung zielt auf Projektbeteiligte mit gestaltender Funktion, also vor allem Projektleiterinnen und Projektleiter ab. Sie müssen zeigen, dass sie PRINCE2 vollumfänglich kennen und in der Lage sind, die Methode auf die Herausforderungen spezifischer Projektumgebungen und -szenarios zuzuschneiden und anzupassen.
  • Inhalte: Die in der Regel zweitägigen Vorbereitungsseminare bauen auf Foundation-Inhalten auf. Manche Themen werden vertieft besprochen und trainiert. Der eigentliche Schwerpunkt liegt darauf, das Erlernte in einem Projektszenario praxisnah umzusetzen. Einige Anbieter veranstalten fünftägige Seminare, die beide Ebenen (Foundation und Practitioner) abdecken.
  • Voraussetzung: Eine vorangegangene Zertifizierung ist verpflichtend. Das muss jedoch nicht die PRINCE2 Foundation sein, AXELOS akzeptiert auch IPMA ab Level D oder PMI ab Stufe CAPM. Das bereits für die Stufe Foundation dringend empfohlene PRINCE2-Handbuch (Manual) ist nun definitiv erforderlich. Die Teilnehmenden arbeiten damit im Vorbereitungsseminar und verwenden es in der Prüfung. (Dabei ist ausschließlich das Original erlaubt, keine Kopien oder PDF-Ausdrucke.) Der Besuch eines Vorbereitungstrainings bei einem akkreditierten Trainingsanbieter ist nicht verpflichtend, wird aber dringend empfohlen. Man kann die Prüfung auch direkt bei PeopleCert buchen.
    Rezertifizierung nach 3 Jahren.
  • Prüfung: Die Prüfung ist ein Multiple-Choice-Test und dauert zweieinhalb Stunden. Sie basiert auf einem Projektszenario. Bei der Beantwortung der 70 Fragen gilt es, die PRINCE2-Prozesse, -Themen und -Prinzipien anzuwenden. Es müssen 42 von maximal 70 Punkten erzielt werden. Die Prüfung wird als Online-Prüfung oder auch als papierbasierte Prüfung (nur bei entsprechenden Trainingsanbietern) abgelegt.
  • Kosten: Die meisten Vorbereitungsseminare umfassen drei Tage und enden bei akkreditierten Trainingspartnern mit dem Ablegen der Prüfung am dritten Tag. Präsenzseminare werden um 1.700 Euro (zzgl. MwSt.) angeboten, es gibt aber auch viele Online-Trainings. Die Zertifizierung ist in den meisten Trainings enthalten. Dabei handelt es sich um ein verpflichtendes, nicht abwählbares Examenspaket von AXELOS, zu dem neben der reinen Prüfungsgebühr ein E-Book sowie Trainingsunterlagen gehören.

PRINCE2 Agile Foundation

Auch AXELOS bedient die Nachfrage nach agilem Projektmanagement über eine eigene Zertifizierung: Seit 2015 können Projektmanager Kenntnisse in PRINCE2 und agilem PM gemeinsam erwerben.

  • Zielsetzung: PRINCE2 Agile Foundation wurde für Personen entwickelt, die PRINCE2 noch nicht kennen und in einer agilen Projektumgebung arbeiten. Die Ausbildung umfasst einen Überblick über PRINCE2 sowie eine Einführung in agiles Projektmanagement und zeigt, wie man beide Konzepte erfolgreich verbinden kann.
  • Inhalte: Vermittelt werden neben agilen PM-Grundlagen wie Scrum, Kanban, Lean Start-up und Cynefin u.a. die jeweils 7 Prinzipien, Themen und Prozesse von PRINCE2 (siehe PRINCE2 Foundation).
  • Voraussetzungen: Keine, Rezertifizierung nach 3 Jahren.
  • Prüfung: Einstündiger Multiple-Choice-Test mit 50 Fragen, von denen 55% richtig beantwortet werden müssen.
  • Kosten: Das Foundation-Know-how wird meist in Seminaren angeboten, die auch die Practitioner-Zertifizierung umfassen. Eine reine Foundation-Ausbildung mit dreitägiger Dauer fand sich z.B. für 1.175 Euro plus 215 Euro Prüfungsgebühr.

PRINCE2 Agile Practitioner

  • Zielsetzung: Die zweite Stufe der agilen PRINCE2-Agile-Zertifizierung richtet sich an Projektmanager mit gestaltender Funktion in agilen Projekten.
  • Inhalte: Umfassendes Know-how der Inhalte des PRINCE2 Agile Guide, der in der Prüfung verwendet werden darf. Er fokussiert auf die praktische Kompetenz, die PRINCE2-Prinzipien, -Themen und -Prozesse mit der agilen Welt zu verbinden.
  • Voraussetzungen: Eine vorangegangene Zertifizierung ist verpflichtend. Das kann die PRINCE2 Foundation (klassisch oder agil) sein, aber auch IPMA ab Level D oder PMI ab Stufe CAPM. Der Besuch eines Vorbereitungsseminars wird empfohlen, ist aber nicht obligatorisch. Man kann sich das Wissen auch im Selbststudium aneignen. Rezertifizierung nach 3 Jahren.
  • Prüfung: Die Prüfung ist ein zweieinhalbstündiger Multiple-Choice-Test mit 50 Fragen, von denen 30 Fragen, also 60% richtig beantwortet werden müssen.
  • Kosten: Viele Veranstalter bieten Foundation und Practitioner unter dem Begriff PRINCE2 Agile gemeinsam an. Auch Updates für Inhaber klassischer PRINCE2-Practitioner-Seminare gibt es häufiger. Practitioner-Seminare in Präsenz finden sich um die 1.500 Euro. Die Zertifizierung ist in den meisten Trainings enthalten. Dabei handelt es sich um ein verpflichtendes, nicht abwählbares Examenspaket von AXELOS, zu dem neben der reinen Prüfungsgebühr ein E-Book sowie Trainingsunterlagen gehören.

Rezertifizierung – kontrovers diskutiert

Allgemein wird das Thema Rezertifizierung in Projektmanagement-Kreisen kontrovers diskutiert. Die Befürworter begrüßen es, dass die Rezertifizierung die aktuelle Kompetenz dokumentiert. Als weiteres Plus gilt, dass sie kontinuierliches und lebenslanges Lernen fördert.

Kritiker empfinden dies jedoch als überzogen und sprechen von unnötigem Druck, wenn die Zertifizierung nach wenigen Jahren wieder erlischt. Bei der IPMA beträgt diese Frist fünf Jahre, beim PMP der PMI drei Jahre. Letzteres gilt seit 2017 auch für die PRINCE2-Practitioner-Zertifizierung (davor fünf Jahre).

Seit Anfang 2023 gilt auch für das PRINCE2-Foundation-Zertifikat eine Pflicht zur Rezertifizierung: Es verfällt nun ebenfalls nach drei Jahren, falls man sich nicht zur Prüfung anmeldet. Das Verfallsdatum gilt nicht nur für neue, sondern auch für alte Foundation-Zertifikate, was AXELOS bzw. PeopleCert und anderen Trainingsanbietern erst einmal viel Geld in die Kasse spült.

Wer die Zertifizierung nicht auffrischt, muss die Qualifikation nicht gleich aus dem Lebenslauf streichen. Es ist dann Aufgabe der Personaler und Manager, selbst zu beurteilen, ob ein Gegenüber hinsichtlich Projektmanagement am Ball geblieben ist oder nicht. Der offizielle Titel des Zertifikats – inklusive des Logos der ausstellenden Organisation – darf allerdings in der E-Mail-Signatur und auf der Visitenkarte nicht mehr verwendet werden. Zudem fällt man aus den meisten offiziellen Zertifizierungslisten heraus oder wird unter "Zertifikat erloschen" bzw. "nicht mehr aktuell“ weitergeführt.

Aufwand der Auffrischung

Die Rezertifizierung kann durchaus zum Stressfaktor werden. Das gilt insbesondere für Projektleiterinnen und Projektleiter, die gerade für ein hochkomplexes und forderndes Vorhaben verantwortlich sind. Auch wer aktuell ein Projekt wie z.B. einen Flughafenbau oder die Organisation einer Weltmeisterschaft leitet, muss den Nachweis für hochkarätige Projektkompetenz regelmäßig neu erbringen. Insbesondere bei einem dreijährigen Rhythmus ist die Zeit zwischen den Prüfungsprozeduren knapp – zumal eine Rezertifizierung grundsätzlich ein gültiges, also noch nicht abgelaufenes Zertifikat erfordert.

Rezertifizierung bei IPMA, PMI und PRINCE2

Rezertifizierung bei der IPMA

Bei der IPMA gelten nach einem Leitfaden der PM-ZERT folgende Regelungen für die Rezertifizierung bei Level D bis A: Jedes Zertifikat verfällt fünf Jahre nach der Erstzertifizierung. Einen Anspruch auf Verlängerung gibt es bei gesetzlich geschützten Zeiten der Nichtbeschäftigung wie Mutterschutz oder Erziehungszeit. In begründeten Fällen können Zertifikatsinhaber noch durch einen Rezertifizierungsantrag die "wiederauflebende Verlängerung" ihres Zertifikats erreichen, wenn sie entsprechende Nachweise erbringen.

Die Rezertifizierung erfordert auf allen vier Leveln den Nachweis von 35 Stunden Weiterbildung pro Jahr während der aktuellen Gültigkeitsdauer des Zertifikats. Dazu zählen die Teilnahme an Trainingsveranstaltungen und Fachtagungen, Tätigkeiten in der Lehre, Vorträge oder die Abnahme von Prüfungen sowie Selbststudium von PM-Literatur oder das Publizieren zu PM-Themen.

Das Antragsformular der PM-ZERT hat die Form einer mehrseitigen Tabelle. Zu jeder angegebenen Qualifizierung in einer weiteren Tabelle gehören Informationen, auf welche Kompetenzelemente die einzelne Maßnahme einzahlt, sowie eine Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse und des daraus resultierenden Nutzens.

Für die Rezertifizierung in den Leveln C, B und A muss anhand eines Lebenslaufs die persönliche und berufliche Entwicklung in Bezug auf Projektmanagement dokumentiert werden. Es gilt nachzuweisen, dass die für das jeweilige Level geforderte Praxis weiterhin vorhanden ist und dass Projektmanagement-Wissen und ‑Kompetenzen auf einem aktuellen Stand sind. Ist das nicht der Fall, können Interessierte auch auf einen niedrigeren Level wechseln. Auf Ebene B und A kann der Schwerpunkt zwischen Projekt, Portfolio und Programm verändert werden. Eine kompakte Zusammenstellung der Regelungen zur Rezertifizierung stellt z.B. die österreichische PMA auf ihrer Website zur Verfügung. Darunter finden sich auch viele Informationen, welche Weiterbildungsmaßnahmen in welchem Rahmen auf welcher Ebene angerechnet werden.

Hoher Aufwand: Beispiel Level C IPMA

Wer eine (Re-)Zertifizierung anstrebt, sollte den Aufwand für Registrierung und Anmeldung zur Prüfung nicht unterschätzen. So werden für den Nachweis der für den IPMA Level C geforderten Managementkompetenz die folgenden Parameter berücksichtigt: Vielfalt von Art und Größe der Projekte, Komplexität der Projekte, Evidenz der Kompetenz, Kompetenzelemente (CE), Rolle des Antragstellers in den Projekten, Zeitaufwand für das Management von Projekten, Anzahl der aktuellen Projekte.

Mindesten sechs Wochen vor der eigentlichen Prüfung bzw. dem Assessment sind etliche Dokumente aktuell einzureichen: Antrag, Lebenslauf (mit Kurzdarstellung des aktuellen Arbeitgebers), Executive Summary Report, eine Selbstbewertung von Wissen und Fähigkeiten (Structured Evidence) sowie Referenzen. Die Formulare sind übersichtlich in einer Excel-Mappe zusammengefasst (siehe Dokumente zum Download auf der Infoseite zu Level C).

Ausführliche Angaben sind auch für die einzureichenden Projektbeschreibungen gefordert: Neben Kurzbeschreibungen des verantworteten Projektumfangs, dem Ziel, Projektstart und Verantwortlichkeiten wird gefragt nach Planabweichungen, kritischen Projektsituationen, Projektphasen, Meilensteinen, Budget und Aufwänden. Zu guter Letzt sind mindestens zwei Personen zu benennen, die willens sind, die Richtigkeit der Angaben zu bestätigen.

Härtefallregelungen

Sollten die Weiterbildungsnachweise nicht ausreichen, kann man ggf. unter Auflagen dennoch zugelassen werden: Das kann die Besprechung eines vorgegebenen Fachbuchs sein oder ein maximal einstündiges Interview durch zwei Assessoren.

Falls auch das noch nicht zur Zufriedenheit ausfällt, können die Assessoren die Auflage machen, innerhalb eines Jahres an einer Weiterbildungsmaßnahme zu vorgegebenen Elementen aus der ICB teilzunehmen. Während dieser Zeit ruht das Zertifikat.

Besonderer Service: Überprüfung zur Halbzeit

Bösen Überraschungen nach fünf Jahren beugt z.B. die GPM mit einem Frühwarnservice vor: Bei allen Zertifikatsinhabern wird zur Halbzeit der Gültigkeitsdauer der Zertifikate mit einem Intermediate Check überprüft, ob die Zertifizierungsanforderungen noch erfüllt sind. Dazu verschickt die Geschäftsstelle der PM-ZERT das Formular "Überprüfungsnachweis (F03)", das innerhalb von zwei Monaten zurückzusenden ist. Die Angaben in den Nachweisen werden formal und inhaltlich geprüft und in der Akte des Zertifikanten aufbewahrt. Sollten die Zertifizierungsanforderungen nicht mehr erfüllt werden, wird in Abstimmung mit der Inhaberin oder dem Inhaber des Zertifikats geklärt, wie der Status erhalten werden kann.

Kosten

Die Nettokosten der Rezertifizierung für Nichtmitglieder belaufen sich in Deutschland auf 250 Euro für Level D, 300 Euro für Level C, 400 Euro für Level B und 500 Euro für Level A. Die österreichische pma berechnet 203,50 Euro für Level D und 473,00 Euro für Level C, B und A, jeweils inkl. UAT. Die Schweizer VZPM verlangt 250 Schweizer Franken für Level D und jeweils 600 für die Level C, B und A.

Rezertifizierung bei der PMI

Der Countdown für die Rezertifizierung beginnt bei PMI-Zertifikaten ganze zwei Jahre früher als bei der IPMA, jedoch ist die Rezertifizierung mit weniger Aufwand verbunden. Für die PMI-Rezertifizierungen gilt das Konzept der Professional Development Units (PDUs), von denen man eine definierte Anzahl innerhalb der drei Jahre nachweisen muss. Ein PDU steht dabei für die einstündige Beschäftigung mit PM-Themen, z.B. für Lernen, Lehren oder andere Tätigkeiten.

Dr. Tomas Bohinc hat die wichtigsten Änderungen für die Rezertifizierung nach PMI für Sie zusammengestellt. Er erläutert die Kompetenzbereiche des Talent Triangle, gibt einen Überblick, wie sich seine Einführung auf die jeweilige PMI-Rezertifizierung

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PMP

Für die Rezertifizierung des am weitesten verbreiteten Zertifikats "PMP" benötigt ein Zertifizierter mindestens 60 PDUs. Davon müssen wenigstens 35 PDUs aus dem Bereich "Education" stammen, der wiederum in die drei Kompetenzbereiche "Arbeitsmethodik“ (Ways of Working), "Power-Fähigkeiten" (Power Skills) sowie "Unternehmerische Fähigkeiten“ (Business Acumen) aufgegliedert ist. Das PMI verdeutlicht dies durch das Bild des sogenannten "Talent Triangel" (Bild 1), dessen drei Schenkel die einzelnen Kompetenzbereiche symbolisieren. Jeder der drei Bereiche muss mit jeweils acht PDUs abgedeckt sein.

Die restlichen PDUs können ebenfalls in diesen Feldern erworben werden oder aus dem zweiten Bereich stammen, den das PMI "Giving Back" – also "etwas zurückgeben" – nennt. Aus diesem lassen sich bis zu 25 PDUs anrechnen. Er umfasst Aktivitäten wie Vorträge, das Verfassen von Fachartikeln, Mentoring oder ehrenamtliches Engagement beim PMI. Maximal acht PDUs können in diesem Bereich durch praktische Arbeit im Projektmanagement erworben werden (Bild 1, Quelle: PMI).

Die geforderte Verteilung der PDUs zur Rezertifizierung des PMP-Zertifikats
Bild 1: Die geforderte Verteilung der PDUs zur Rezertifizierung des PMP-Zertifikats
Quelle: © PMI 

PMI-ACP (sowie PMI-RMP, PMI-SP, PMI-CP)

Vergleichbare Regelungen gelten für die PMI-ACP-Zertifizierung (und weitere agile Zertifikate), die jedoch nur 30 PDUs erfordert. Im Bereich "Education" werden hier mindestens 18 PDUs benötigt, wobei jeder der drei Kompetenzbereiche des Talent Triangle mit mindestens vier PDUs abgedeckt sein muss. Aus dem Bereich "Giving Back" lassen sich maximal 12 PDUs anrechnen, davon höchstens vier aus praktischer Arbeit im Projektmanagement.

CAPM-Zertifizierung

Die CAPM-Zertifizierung, die vormals alle fünf Jahre zu wiederholen war, ist inzwischen ebenfalls auf das PDU-System umgestellt. Dabei wurde die Laufzeit auf drei Jahre verkürzt. Hier sind zur Rezertifizierung insgesamt 15 PDUs erforderlich, davon mindestens neun aus dem Bereich "Education" (je Kompetenzbereich mind. 2 PDUs). Maximal sechs PDUs können aus dem Bereich "Giving Back" stammen, davon höchstens zwei aus praktischer Arbeit im Projektmanagement.

Die PDUs müssen in ein Online-System eingegeben werden. Dazu ist eine Gebühr von 60 US-Dollar (PMI-Mitglieder) oder 150 US-Dollar zu überweisen. Ausführliche Informationen zum Rezertifizierungsprozess und den Erwerb von PDUs gibt es auf der Webseite der PMI.

Rezertifizierung bei PRINCE2

AXELOS hatte schon 2017 beim Update von PRINCE2 die Regelungen für die Rezertifizierung verschärft. Um den offiziellen Status als PRINCE2 Practitioner oder als PRINCE2 Agile Practitioner zu erhalten, ist seitdem eine Rezertifizierung schon nach drei statt nach fünf Jahren erforderlich. Zum Jahresstart 2023 erhielt die Foundation-Zertifizierung nun ebenfalls ein Ablaufdatum von drei Jahren. Die neue Regelung gilt auch für alle in der Vergangenheit erworbene Zertifikate. Immerhin: Wer sich dafür entscheidet, die Zertifizierung nicht zu erneuern, wird weiterhin im Register erfolgreicher Kandidaten (SCR) geführt. Aber es wird ein Hinweis hinzugefügt, dass die Zertifizierung nicht mit den aktuellen Zertifizierungsanforderungen übereinstimmt.

Für die Erneuerung des Foundation-Zertifikats gelten folgende Möglichkeiten:

  • Wiederholung der Prüfung
  • Punkte sammeln auf der Lernplattform MyAxelos
  • Upgrade auf das Practitioner-Zertifikat

Rezertifizierung über die Lernplattform "MyAxelos"

AXELOS bietet mit MyAxelos eine online verfügbare Wissens- und Lernplattform, über die sich Interessierte fachlich fit halten können. Das Abonnement bzw. die Mitgliedschaft kostet 99 Britische Pfund jährlich. Um diese zur Rezertifizierung zu nutzen, muss sie über drei Jahre laufen, damit man alle jährlichen Aktivitäten aktuell eintragen kann.

Personen mit einer PRINCE2-Zertifizierung erhalten darüber einen sogenannten "Digital Badge", der ihren aktuellen Zertifizierungsstatus dokumentiert. Um den Badge aktuell zu halten, muss man jährlich 20 Continuing-Professional-Development-Punkte (CPD-Punkte) erwerben. Das Zertifikat verlängert sich durch diese kontinuierliche Weiterbildung automatisch, eine Prüfung ist zur Rezertifizierung nicht mehr erforderlich. PeopleCert unterscheidet bei den Anforderungen nicht zwischen Foundation- und Practitioner-Zertifikaten. Weitere Informationen gibt es auf der AXELOS-Seite unter dem Reiter Resource Hub.

Tipps für die Wahl der geeigneten Zertifizierung

Alle drei großen Anbieter bieten viele Möglichkeiten, die eigene Kompetenz mit einer Projektzertifizierung zu belegen. Darüber hinaus existieren noch zahlreiche kleinere Anbieter, wie z.B. die International Association of Project Managers IAPM, die unter anderem mit lebenslang gültigen Zertifikaten wirbt, sowie interessante agile Zertifizierungen, z.B. zu Scrum oder SAFe. In Anbetracht der benötigten Ressourcen sollte man sich gut überlegen, in welche Ausbildung man Zeit und Geld investiert.

Als Erstes sollte man bedenken, wo man in den nächsten Jahren plant zu arbeiten und was die gängige Zertifizierung in diesem Umfeld ist. Auch wenn eine Projektmanagement-Ausbildung grundsätzlich hilfreich ist: Manche Unternehmen haben sich ausdrücklich auf eines der Konzepte festgelegt und verlangen dann genau diese Zertifizierung im Lebenslauf oder Beraterprofil.

Ebenfalls wichtig ist die Klärung der Frage, wie viel Agilität in der eigenen Zertifizierungslaufbahn sinnvoll ist. Spielt dieses Thema eine wichtige Rolle? Lässt es sich ggf. ergänzen? Oder sollte dies ein Schwerpunkt der Fortbildung bzw. des Zertifikats sein?

Festangestellten hilft in solchen Fragen die Personalabteilung weiter. Personen, die freiberuflich bzw. beratend tätig ist, tun gut daran, sich zu überlegen, in welchen Branchen und Kundenunternehmen sie künftig arbeiten wollen, um dort Erkundigungen einzuholen. Das gilt umso mehr, wenn sie ein Engagement im Ausland anstreben.

Gespräche mit Menschen, die den geplanten Weg schon gegangen sind, helfen zu überprüfen, ob die eigene Kalkulation realistisch ist. Wer im Bekanntenkreis nicht fündig wird, kann auf den branchenspezifischen Projektmanagement-Events Ansprechpartner finden oder in den einschlägigen Gruppen der Social-Media-Auftritte – und eventuell auch im Kommentarbereich dieses Artikels. (ag)

(URLs zuletzt geprüft im Oktober 2023)

IPMA

Deutschland

Österreich

Schweiz

PMI

PRINCE2

Die offiziellen Informationen zu PRINCE2 finden Sie auf den Webseiten von PeopleCert und AXELOS. Diese sind nicht zu verwechseln mit der Webseite "PRINCE2.com", die einem privaten Trainingsanbieter gehört.

 

Fortsetzungen des Fachartikels

Teil 1:
Die führenden Institutionen und ihre Standards

Sie möchten sich im Projektmanagement zertifizieren, wissen aber nicht, für welchen der drei großen Anbieter Sie sich entscheiden sollen? Teil 1 dieser Artikelserie bringt Licht in die Zertifizierungsangebote von IPMA®, PMI® und AXELOS Ltd. …

Alle Kommentare (4)

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Elisabeth
Wagner

Liebe Leserinnen und Leser,

hiermit liegt nur der zweite Teil des Artikels vor und ich nehme dies zum Anlass mich sehr herzlich für die wertvollen Kommentare und Ergänzungen zum ersten Teil zu bedanken. Ich denke, einige Themen in den Kommentaren sind darin aufgegriffen, manche kontroversen Fragen konnte ich hier nur anreißen.

Ziel dieses Artikels war ein Überblick über das, was ist. Ja, es gibt solche Artikel bereits. Allerdings hat sich in den letzten Jahren bei allen drei der besprochenen Anbietern vieles verändert. Meine eigene Recherche hat gezeigt, dass es oft gar nicht so einfach ist, eindeutige aktuelle Informationen zu manchen Themen zu finden.

Es war mir wichtig, die Diskussion zur Sinnhaftigkeit der Zertifizierungen und vor allem der Rezertifizierungen anzusprechen. Ein Für und Wider bis hin zu einer Empfehlung hätte den Rahmen dieses Artikels gesprengt. Als Privatperson habe ich da durchaus eine Meinung. Als Journalistin eines Fachartikels in einem unabhängigen Medium habe ich den Anspruch, allen Seiten gerecht zu werden und wenn, dann zu einer objektiven abschließenden Beurteilung zu kommen. Das ist, wenn überhaupt möglich, ein sehr aufwendiges Unterfangen. Zudem kommt es bei der Frage, was für die einzelne Person das Richtige ist, entscheidend auf das persönliche Umfeld an.

Interessant wären in diesem Zusammenhang mehr Äußerungen von Seiten jener Menschen, die Projektmanager/innen einstellen. Brauchen Sie Rezertifizierungen? Und wenn ja warum? Oder können Sie wie Frau Mayrshofer in Kommentar zu Teil 1 auch gut darauf verzichten? Vielleicht möchte sich ja der eine oder die andere hier noch zu Wort melden.

Auch weitere Informationen, Quellen und Meinungen sind natürlich wie immer willkommen.

Viele Grüße
Elisabeth Wagner

Frank
Schäfer

Vielen Dank für diesen interessanten Beitrag.
Allerdings bin ich über die Angabe der Kosten für die Prüfungsvorbereitung "gestolpert". Für den PMP setzen Sie 2.000 bis 3.000 EUR an. Das erscheint mir sehr bzw. zu hoch. Welche konkreten Leistungen sollen das sein? Ich habe selber 2015 den PMP gemacht. Der Vorbereitungskurs hat wirklich nur einen Bruchteil gekostet. Es war aber auch keine wochenlanges Intensivseminar (was ja auch nicht ausreicht), sondern ein längeres Kurs mit Blended Learing (Kombination aus Präsenz, Webinare und Selbststudium). 3.000 EUR hätten weder mein Arbeitgeber noch ich bezahlen wollen. Ein anderer Aspekt scheint mir noch sehr wichtig zu sein: der eigene Zeitaufwand! Gerade beim PMP ist es wichtig, dem PMBOK Guide sehr präsent zu haben und die Prozesslandkarte in- und auswendig zu kennen. Dafür braucht es viel Vorbereitungszeit. Bei mir war es der Zeitraum von ca. Oktober bis Februar, also ca. 5,5 Monate, zum Schluss hatte noch noch ca. 7 Tage Urlaub nur zur Prüfungsvorbereitung. Das muss man sich auch erst einmal "leisten" können und wollen. Bereut habe ich es nicht!

Hallo Herr Schäfer,
Danke für Ihre wertvollen Hinweise. Ja, Blendend Learning, für das Sie sich entschieden haben, ist eine Möglichkeit, die Kosten zu senken. Nicht nur für einen PMP-Vorbereitungskurs, sondern auch für viele andere Themen. Die von mir im Beitrag genannten Kosten beziehen sich auf mehrtätige Präsenz-Vorbereitungskurse. Ich möchte hier keinen Anbieter nennen, aber wenn man im Web unter "PMP Vorbereitungskurs" sucht, dann wird man schnell fündig.
Interessant auch Ihre Erfahrungen zur aufgewendeten Zeit - und dass Sie es nicht bereut haben.
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