Englischer
Begriff
  • Groupthink

Gruppendenken

Der Psychologe Janis Irving führte den Begriff "groupthink" 1972 mit seinem Buch: "Victims of groupthink" ein. Mit ihm wird die vollständige Assimilation aller Einzelmeinungen innerhalb der Gruppe zu einer gemeinsamen Gruppenmeinung bezeichnet. Folge des Gruppendenkens sind irrationale Entscheidungen, die in der Regel zu Katastrophen führen.

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Die Gefahr des Gruppendenkens ist besonders groß, wenn die Gruppe von außen Druck erfährt. Projektteams unter hohem Erfolgsdruck sind der Gefahr des Gruppendenken daher besonders ausgesetzt. Üblich ist als Resultat die zu optimistische Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit und die Angabe nicht haltbarer Termine. Um größere Gefahren (z.B. fehlerhafte Produkte) zu verhindern, müssen für das Qualitätsmanagement und bei Entscheidungsprozessen explizite Maßnahmen gegen das Gruppendenken getroffen werden.

Symptome des Gruppendenkens sind:

  • Unverletzlichkeitsillusion: Offensichtliche Gefahren werden ignoriert, selbst hohe Risiken werden in Kauf genommen.
  • Es gibt keine Notfallpläne.
  • Kollektive Verdrängung: Die Gruppenmitglieder wehren durch Abwertung und objektiv falsche Erklärungen Gegenmeinungen ab.
  • Illusion der richtigen Sache: Die Gruppenmitglieder sind der festen Überzeugung, im Recht zu sein und ethisch korrekt zu handeln.
  • Schaffung von Feindbildern: Die Gruppe konstruiert sich aus externen Personen (z.B. Wettbewerbern) Feindbilder.
  • Konformitätsdruck: Jede abweichende Meinung innerhalb der Gruppe wird bereits im Entstehen massiv unterdrückt.
  • Selbstzensur: Die Gruppenmitglieder unterdrücken selbst die eigene, abweichende Meinung.
  • Illusion der Einstimmigkeit: Die Gruppenmitglieder glauben, dass alle mit der Gruppenentscheidung übereinstimmen. Schweigen gilt als Zustimmung.
  • Zensoren ("mindguards") entstehen: Einige starke Gruppenmitglieder übernehmen die Aufgabe, die Gruppe von verunsichernden Informationen von außen zu "schützen".
Diese Symptome erscheinen nur auf den ersten Blick leicht zu überwinden zu sein. Das bekannte Branchendenken und das "Not Invented Here"-Phänomen sind jedoch Beweise für die große Verbreitung des Gruppendenkens. In gewisser Weise ist es eine Überlebensstrategie kleiner Gruppen in bedrohlicher Umgebung oder extremen Umständen. Der unbedingte Zusammenhalt der Gruppe kann wichtiger sein als die Individualität ihrer Mitglieder. Als Dauerzustand oder für kreative Problemlösungen ist Gruppendenken jedoch äußerst gefährlich.

Mögliche Maßnahmen gegen das Gruppendenken im Team sind:

  • Schaffen eines Bewusstseins in der Gruppe um die Ursachen und Gefahren des Gruppendenkens.
  • Die Führungspersonen müssen sich bei Entscheidungen bewusst neutral verhalten und offene Diskussionen mit unterschiedlichen Meinungen ermutigen.
  • Die Führungsperson muss die Äußerung von Zweifeln und Gegenargumenten unterstützen und selbst für Kritik empfänglich sein.
  • Bei Entscheidungen sollte eine anerkannte und starke Person den "Advocatus diaboli" spielen.
  • Zur Untersuchung von Machbarkeiten kann die Auftrennung der Gruppe in zwei unabhängige Teilgruppen nützlich sein, um verschiedene Perspektiven zu erhalten.
  • Beobachtung von Wettbewerbern und Benchmarking mit anderen Marktteilnehmern.
  • Nach einer vorläufig getroffenen Entscheidung sollten nochmals alle Gegenargumente zusammengestellt werden und die Entscheidung daraufhin überprüft werden.
  • Bei wichtigen Entscheidungen sollten externe Fachleute zur Beratung herangezogen werden.
  • Institutionalisierung von unabhängigen Kontroll- und Entscheidungsgremien in der Aufbauorganisation (z.B. Aufsichtsrat - Vorstand).
  • Projektmanagement-Coaching
  • Zeitlich begrenzte Zusammensetzungen von Teams, Wechsel des Teams bei jedem größeren Projekt

Dieser Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 30.03.2004.
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