KISS-Prinzip

Das "KISS-Prinzip" ist ein Paradigma um Komplexität zu reduzieren. "KISS" ist ein Akronym, das meist mit "Keep It Simple and Stupid" aufgelöst wird. Es wird in Projektmanagement, Produktentwicklung, Kommunikation und Werbung eingesetzt.

Das KISS-Prinzip im Projektmanagement

Als Urheber des KISS-Prinzips wird allgemein der Luftfahrtingenieur Clarence (Kelly) Johnson (1910-1990) angegeben. Johnson war Forschungsingenieur bei Lockheed und prägte die Abteilung für Sonderprojekte "Lockheed Advanced Development Projects", bekannt unter dem Namen "Skunk Works®". Er definierte dabei die "Basic Operating Rules of Lockheed’s SkunkWorks"

Diese Grundregeln beziehen sich unmittelbar auf die Abwicklung von militärischen Entwicklungsprojekten. In ihnen nimmt Johnson wesentliche Aspekte des Lean Project Managements vorweg. So fordert er in der vierten Regel: "A very simple drawing and drawing release system with great flexibility for making changes must be provided." eine sehr hohe Flexibilität für schnelle Änderungen. Auch fordert er möglichst kleine, aber sehr hoch qualifizierte Teams, um Entwicklungszeiten zu reduzieren.

Mit der fünften Regel beschreibt Johnson die wohl wichtigste Anwendung des KISS-Prinzips auf das Projektmanagement: "There must be a minimum number of reports required, but important work must be recorded thoroughly." Verallgemeinert heißt dies: Projektmanagement darf nicht als Selbstzweck betrachtet werden, sondern darf nur im unbedingt notwendigen Maß eingesetzt werden. Wo es erforderlich ist, muss es aber mit der höchsten Sorgfalt betrieben werden.

Unterschiedliche Interpretationen des Akronyms "KISS"

Die originale Formulierung von Johnson lautet "Keep It Simple, Stupid". Um Missverständnisse zu vermeiden, wird aber meistens die Form "Keep It Simple and Stupid" verwendet. Darüber hinaus sind folgende Auflösungen des Akronyms "KISS" zu finden:

  • Keep It Small and Simple
  • Keep It Short and Simple
  • Keep It Simple and Smart
  • Keep It Simple and Straightforward

Diese zugleich als Verallgemeinerungen anzusehenden Umformulierungen erleichtern die Übertragung des KISS-Prinzips auf andere Anwendungsbereiche.

KISS-Prinzip in der Kommunikation

Im Zusammenhang mit Kommunikation wird meist die Interpretation "Short and Simple" verwendet. Zweck ist hierbei, Missverständnisse zu verhindern. Je kürzer und einfacher eine Aussage getroffen wird, desto weniger Interpretationsspielraum gibt es. Andererseits gilt auch für kurze und einfache Aussagen das Prinzip der 4 Seiten einer Nachricht des Kommunikationswissenschaftlers Schulz von Thun. Bei kurzen Botschaften können die Aspekte des Appells, der Beziehungsebene und der Selbstmitteilung sehr viel weiter interpretiert werden als bei differenzierten und dadurch auch längeren Aussagen.

KISS-Prinzip in Werbung und Marketing

Die größte Verbreitung hat das KISS-Prinzip wohl in den Sonderformen der Kommunikation, der Werbung und dem Marketing gefunden. Werbebotschaften müssen, um zu wirken, der Zielgruppe in möglichst prägnanter Form den einfachen, selbstverständlichen Kaufgrund übermitteln. Ergänzt wird das KISS-Prinzip bei durch das "AIDA-Modell" für die angestrebte Wahrnehmung von Werbung: Attention, Interest, Desire, Action.

KISS-Prinzip in der Produktentwicklung

In der Produktentwicklung ist das KISS-Prinzip mehrfach anzuwenden. So ist bereits bei der Spezifikation eines neuen Produkts darauf zu achten, dass nicht alle technisch möglichen, sondern nur die von den Kunden gewünschten Funktionen realisiert werden. Um dies zu erreichen, kann unter anderem Quality Function Deployment eingesetzt werden.

In noch höherem Maße gilt das KISS-Prinzip für die Bedienung eines Produkts – insbesondere auch bei Software-Produkten. Das angestrebte Ideal für Bedienelemente und Benutzeroberflächen besteht darin, dass die Anwender ohne Bedienungsanleitung und ohne Erklärung das Produkt auch bei erstmaliger Benutzung richtig bedienen können.

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