Stacey-Matrix

Die Stacey-Matrix visualisiert den Zusammenhang zwischen der Genauigkeit, mit der das Projektziel spezifiziert ist und der Kenntnis des Projektlösungsansatzes, mit dem es erreicht werden kann.

Die Stacey-Matrix geht auf den britischen Professor für Management Ralph Douglas Stacey (*1942) zurück, der sich mit Organisationstheorie und komplexen Systemen befasst. Die Bezeichnung "Matrix" ist dabei nicht präzise, es handelt sich eher um den ersten Quadranten eines Koordinatensystems. Auf dessen Ordinate wird aufgetragen, wie unklar das Projektziel beschrieben ist, d.h. wie groß die Unsicherheit über die Anforderungen ist. Auf der Abszisse wird die Unklarheit über den Lösungsansatz aufgetragen, d.h. wie unbekannt das Vorgehen ist, um das Projektziel zu erreichen.

Entlang der Winkelhalbierenden wird dann der Charakter des Projekts von einfach (klares Ziel und klarer Lösungsansatz) über kompliziert und komplex bis hin zu chaotisch (sowohl Ziel als auch Vorgehen sind unbekannt) aufgetragen. Ergänzend wird entlang dieser Skala die Wahl der Projektmanagement-Methodik aufgetragen von traditionell bis agil (siehe Abbildung).

Erläuterungen und Kommentar

Die Stacey-Matrix versucht einen Zusammenhang herzustellen zwischen den Eigenschaften eines Systems nach dem Cynefin-Framework und der Qualität eines Arbeitsauftrags. Die Reduktion auf die beiden Kriterien "Klarheit der Anforderungen" und "Klarheit des Vorgehens" erscheint jedoch als nicht ausreichend, es sollte mindestens die Qualität des Projektumfelds mit einbezogen werden. In einem hochriskanten Umfeld kann auch ein scheinbar einfaches Projekt chaotische Eigenschaften aufweisen.

Die zweite Annahme, dass der Grad an Komplexität eines Systems ein Kriterium für die Wahl des Vorgehensmodells liefert, kann ebenfalls hinterfragt werden. Die Argumentation, dass eine komplexe Aufgabenstellung ein flexibles Vorgehen erfordere, eine definierte Aufgabenstellung hingegen mithilfe einer vollständigen Ablaufplanung zu bearbeiten sei, erscheint nur auf den ersten Blick plausibel. Gerade bei einer vollständig definierten Aufgabe und klarem Lösungsweg kann dem Projektteam vollständige Freiheit in der Ausführung gegeben werden, da hier Detailplanung und enges Controlling einen unnötigen Overhead darstellen. Hingegen benötigt ein Projektteam bei einer komplexen Aufgabenstellung einen verlässlichen Handlungsrahmen, der z.B. Kriterien für Planungshorizonte, Bewertung des Projektfortschritts und der Erfolgsaussicht sowie Bereitstellung von Ressourcen regelt.

Empfehlung

Die vielfältigen Instrumente des Projektmanagements sollten nicht gegeneinander abgegrenzt werden, sondern vielmehr als sich ergänzende und gegenseitig unterstützende Werkzeuge verstanden werden. Hierfür sind Überlegungen über den Charakter der Aufgabenstellung, die Klarheit der Anforderungen sowie des Lösungswegs und die Einflüsse des Projektumfelds erforderlich. Von einer schematischen Auswahl rate ich hingegen ab.

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