Planning Poker

Planning Poker ist eine Methode zur relativen Aufwandsschätzung von User Storys in der agilen Software-Entwicklung.

Erstmals beschrieben wurde Planning Poker im April 2002 von James Grenning (Grenning, James: Planning Poker or How to avoid analysis paralysis while release planning, April 2002).

Workshop-Ablauf zur Aufwandsschätzung mit Planning Poker

Am Workshop zur Aufwandsschätzung sollten alle Mitglieder des Entwicklungsteams, der Auftraggeber (bei Scrum der Product Owner) und ein neutraler Moderator teilnehmen. Die Aufgabenstellung muss vollständig in Form von User Storys beschrieben sein. Der Moderator stellt den Entwicklern die User Storys vor, wobei nur Rückfragen zum Verständnis zugelassen sind.

Anschließend schätzt das Team für die einzelnen User Storys den relativen Arbeitsaufwand ab. Hierzu erhält jeder Entwickler einen Satz Schätzkarten mit Punktwerten. Üblicherweise werden die Punktwerte in Fibonacci-Zahlen definiert: 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21 usw. D.h. der jeweils nächst höhere Schätzwert ergibt sich aus der Summe der beiden niedrigeren Punktwerte vor ihm. Durch diese stark ansteigende Folge soll die zunehmende Unsicherheit der Schätzgenauigkeit bei aufwendigeren Aufgaben verdeutlicht werden.

Die Punktwerte entsprechen keiner absoluten Messgröße, sondern bewerten lediglich den relativen Arbeitsaufwand der zu bewertenden User Storys. Diese sogenannten ↑Story Points können ggf. anschließend über Erfahrungswerte in absolute Aufwandsschätzungen umgerechnet werden.

Um den Schätzwert für eine User Story zu erhalten, stellt der Moderator diese vor und ruft die Teilnehmer zur zunächst verdeckten Abgabe ihres Schätzwertes auf. Nach dem Umdrehen der Karten können sich im Wesentlichen drei Situationen ergeben:

  1. Alle Schätzwerte sind gleich. Damit besteht Konsens und die User Story wird mit den entsprechenden Story Points bewertet.
  2. Die Schätzwerte liegen eng beieinander. Die User Story wird in diesem Fall mit dem höchsten gelegten Punktwert bewertet.
  3. Die Schätzwerte divergieren stark. In diesem Fall diskutieren die Schätzer ihre Gründe und versuchen mit einer oder mehreren neuen Schätzrunden einen Konsens zu finden. Falls dies nicht gelingt, wird die Schätzung dieser User Story auf einen weiteren Workshop verschoben. Bis dahin muss sie entweder in kleinere User Storys zerlegt oder fehlende Informationen recherchiert werden.

Ergebnis eines Planning-Poker-Workshops ist die Bewertung aller User Storys mit Story Points, sofern Einigkeit erzielt werden konnte und einer Liste aller User Storys, die genauer definiert werden müssen.

Mit Hilfe der so bewerteten User Storys ist dann eine weitere Projektplanung möglich, z.B. Planung des ersten ↑Sprints.

Das Unternehmen Mountain Goat Software LLC hat in den USA "Planning Poker" als eingetragene Marke registriert und stellt ein kostenfreies Online-Tool für diese Methode zur Verfügung.

Relevante Beiträge im Projekt Magazin
von Tord Björsne
6 Bewertungen
4.166665
1 Kommentar
In der agilen Software-Entwicklung wird der Leistungsumfang üblicherweise mit User Stories beschrieben und der jeweilige Entwicklungsaufwand in der relativen Einheit "Story Point" geschätzt. Eine Methode für die Aufwandsschätzung mit Story Points stellt das sog. "Team Estimation Game" dar. Tord Bjoersne, Ivan Kostial und Klaus-Dieter Schmatz beschreiben ihre Erfahrungen mit dieser Methode. Für ein Teilprojekt mit einem Umfang von zehn Mannjahren konnten sie mit dem Team Estimation Game 250 User Stories innerhalb einer zweistündigen Sitzung analysieren. Die so erhaltenen Schätzungen stellten sich als überraschend robust heraus und waren für die weitere Projektsteuerung überaus nützlich. Darüber hinaus förderte der gemeinsame Workshop den Wissensaustausch im Team und erwies sich sogar als gutes Team-Building-Event.
von Dr. Dirk Basten
14 Bewertungen
4.142855
5 Kommentare
Wie werden Aufwände für Software-Entwicklungen in der Praxis geschätzt? Wie zuverlässig sind diese Schätzungen? Wie könnten sie genauer werden? Eine Befragung von erfahrenen Projektmanagern zum Thema Aufwandsschätzung lieferte erstaunliche Resultate: Unter anderem waren die Befragten mit den Schätzwerten zufrieden, obwohl die tatsächlichen Kosten beträchtlich davon abwichen. Dr. Dirk Basten stellt die Ergebnisse dieser Studie vor und analysiert, warum Schätzungen die Ist-Werte nur selten richtig prognostizieren. Er leitet daraus konkrete Handlungsempfehlungen ab, wie sich die Genauigkeit von Aufwandsschätzungen erheblich steigern lässt.
von Dr. Oliver Linssen
8 Bewertungen
4
1 Kommentar
In agilen Software-Projekten, speziell in Scrum, hat sich zur Aufwandsschätzung in den vergangenen Jahren die Methode des Planning Pokers etabliert. Bei regelmäßiger Anwendung innerhalb eines Teams ermöglicht dieses Verfahren gute Prognosen. Dr. Oliver Linssen stellt in diesem Beitrag die Techniken vor, die für die Durchführung des Planning Pokers in Scrum erforderlich sind und gibt Empfehlungen, worauf Sie beim Einsatz in der Praxis achten sollten.
Tech Link