Aufwandsschätzung

  1. Das Erstellen einer Prognose über den Aufwand, der erforderlich ist, um eine Aufgabe durchzuführen oder ein Produkt herzustellen
  2. Methode, um Aufwände zu prognostizieren
  3. Schätzwert für einen Aufwand

zu 1) Erstellen einer Prognose über den Aufwand

DIN 69901-5

Die DIN 69901-5 fasst unter dem Begriff "Aufwandsschätzung" alle Prognosen über Kosten sowie den Bedarf an Ressourcen und Zeit für Vorgänge, Arbeitspakete oder Projekte zusammen.

PMBOK(R) Guide 2008

Der PMBOK Guide trennt die Prozesse "Estimate Costs", "Estimate Activity Resources" und "Estimate Activity Durations" voneinander und kennt daher keine direkte Entsprechung zur Aufwandsschätzung gemäß DIN 69901-5.

Kompetenzbasiertes Projektmanagement (PM3) der GPM

Das Standardwerk der GPM definiert die Aufwandsschätzung als die Prognostizierung der für "die Durchführung eines Projekts erforderlichen Einsatzmittel … und Geldmittel" (Seibert, Siegfried: Kosten und Finanzmittel in: PM3, S. 768). Die Schätzung von Dauern zählt demgemäß nicht zur Aufwandsschätzung.

zu 2) Methode, um Aufwände zu prognostizieren

Die DIN 69901-3 benennt Aufwandschätzung als Projektmanagement-Methode. Als mögliche Schätzmethoden führt die DIN 69901-3 auf: Expertenschätzung, Delphi-Methode, Dreipunkt-Methode, Schätzklausur und Projektvergleich.

zu 3) Schätzwert für einen Aufwand

Umgangssprachlich wird der Begriff "Aufwandsschätzung" auch für das Ergebnis, d.h. den geschätzten Arbeitsaufwand oder die prognostizierten Kosten verwendet.

Erläuterungen und Kommentar

Um Verwechslungen zu vermeiden empfiehlt es sich, den Begriff "Aufwandsschätzung" ausschließlich für den Prozess der Prognoseerstellung zu verwenden. Für das Ergebnis und die Methoden sollte man eindeutige Begriffe wie z.B. "Schätzmethode" bzw. "Schätzwert" oder "geschätzter Aufwand" bevorzugen.

Für Verwirrung sorgt die unterschiedliche Interpretation des Schätzgegenstands. So kann mit "Aufwand" der Bedarf an Ressourcen (insbes. Personal, aber auch Sachmittel oder Infrastruktur), Finanzmittel oder Zeit bezeichnet werden. Darüber hinaus kann sogar mit "Aufwandsschätzung" der eigentlich anschließende Schritt der Kostenschätzung gemeint sein.

Es empfiehlt sich daher dringend, bei Verwendung des Begriffs "Aufwandsschätzung" immer den Schätzgegenstand explizit zu präzisieren, z.B. "Aufwandsschätzung (Personalbedarf)", oder direkt z.B. von "Schätzung des Arbeitsaufwands" zu sprechen.

Aufgrund des innovativen Charakters von Projekten ist es sehr schwierig, bei der Planung die voraussichtlichen Kosten und Arbeitszeiten zu bestimmen. Andererseits muss für die Erstellung eines Angebots oder eine Wirtschaftlichkeitsrechnung eine Aussage über die zu erwartenden Aufwände für die Erzielung des Projektergebnisses getroffen werden. Die meisten Richtlinien gehen deshalb von einem iterativen Vorgehen (grobe Aufwandsschätzung, endgültige Kalkulation) aus.

Als Prognose weist das Ergebnis der Aufwandsschätzung immer entsprechende Unsicherheiten auf. Diese Unsicherheiten sollten in Form von optimistischen und pessimistischen Werten benannt werden.

Häufig finden Aufwandsschätzung in einem vorgegebenen Kostenrahmen statt, der z.B. vom Auftraggeber gesetzt wird. In diesem Fall sind ggf. weitere Iterationen erforderlich, um die geschätzten Kosten der Durchführung, den Leistungsumfang und die Rahmenbedingungen in Einklang zu bringen.

Im Gegensatz zum Schätzgegenstand wird aus dem Kontext normalerweise unmissverständlich klar, wofür der Aufwand geschätzt wird. Alle PM-Richtlinien gehen davon aus, dass Aufwände für Aktivitäten, d.h. Vorgänge, Arbeitspakete oder Projekte geschätzt werden. Selbst PRINCE2, das explizit die Produktorientierung als Prinzip hat, macht hiervon keine Ausnahme. In der Praxis sind jedoch häufig Aufwands- oder Kostenschätzungen anhand von Leistungsverzeichnissen üblich. Dies bedeutet, dass der für die Erstellung eines bestimmten Produkts erforderliche Aufwand geschätzt wird. Insbesondere im Bauprojektmanagement ist dies die dominierende Herangehensweise zur Aufwandsschätzung.

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