Time Boxing

Time Boxing ist ein Prinzip der Ablaufplanung im so genannten "Agilen Projektmanagement" für die Software-Entwicklung, wie z.B. Extreme Programming oder Scrum. Es besteht darin, den Terminplan in fest fixierte Zeitabschnitte, so genannte Time Boxes, zu unterteilen. In diesen Zeitabschnitten findet die Arbeit am Projektergebnis statt, Projektmanagementprozesse sind dagegen nicht unbedingt an diese Zeitabschnitte gebunden. Time Boxing steht im Kontrast zur traditionellen Projektplanung mit Arbeitspaketen. Während bei einem Arbeitspaket die zu erbringende Leistung fixiert ist, legt eine Time Box die Dauer der Arbeit fest.

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Der wichtigste Grund für die Planung mit Time Boxes anstelle von Arbeitspaketen scheint darin zu liegen, dass die genaue Definition von Arbeitsergebnissen bei Software-Entwicklungsprojekten sehr schwierig ist. Erst ausführliche Tests der technischen Zuverlässigkeit und der Benutzerakzeptanz geben Auskunft darüber, ob ein Ergebnis im Sinne des Projektziels vorliegt. Ohne exakt spezifiziertes und überprüfbares Ergebnis kann aber kein Arbeitspaket definiert werden. Um Software-Entwicklungsprojekte dennoch steuern zu können, müssen sie deshalb nach anderen Kriterien strukturiert werden. Der einfachste Ansatz ist hierfür die Strukturierung in festgelegte Zeitabschnitte, an deren Ende jeweils das erzielte Arbeitsergebnis evaluiert wird und die nächsten Arbeitsaufträge formuliert werden.

Der große Vorteil von Time Boxing besteht darin, dass es erlaubt, mit nicht ausreichend spezifierten Projektergebnissen und in einem dynamischen Projektumfeld zu arbeiten. Große Bedeutung hat dabei die sinnvolle Wahl der Dauer einer Time Box. Zu kurze Zeitabschnitte verhindern konkrete, bewertbare Zwischenergebnisse, zu lange Zeitabschnitte erhöhen das Risiko von Fehlentwicklungen aufgrund geänderter Anforderungen oder Randbedingungen.

Allerdings stellt die Verwendung von Time Boxing eine Abkehr vom Werk-Gedanken des Projektmanagements dar. Nicht mehr die erbrachte Leistung, sondern die aufgewendete Arbeitszeit wird zur Messgröße. Traditionelle Controlling-Methoden wie z.B. Earned Value Analysis sind beim Time Boxing nicht einsetzbar, da es keinen Vergleich mehr zwischen geplanten und erzielten Ergebnissen zu einem bestimmten Zeitpunkt und einem definierten Aufwand gibt.

Die Terminplanung mit Time Boxing lässt sich mit der traditionellen Projektplanung nach Arbeitspaketen in Einklang bringen, wenn man die Arbeitspakete so definiert, dass deren innere Strukturen sich nicht gegenseitig beeinflussen. Dann kann z.B. ein Arbeitspaket, das ein Software-Modul liefern muss, mit Time Boxing geplant werden. Ein anderes Arbeitspaket, in dem z.B. ein Hardware-Produkt entwickelt wird, kann dagegen traditionell mit voneinander abhängigen Vorgängen und definierten Zwischenergebnissen geplant werden.

Es ist ebenfalls möglich, Time Boxing und traditionelle Terminplanung innerhalb eines Projekts zu synchronisieren. Hierzu definiert man auf der obersten Ebene des Terminplans herkömmliche Phasen und Arbeitspakete. Auch das Projektergebnis wird nur grob spezifiziert. Für die Detailplanung einer Phase oder eines Arbeitspakets verwendet man Time Boxing. Der übergeordnete traditionelle Plan bestimmt lediglich Termine für größere Zwischenergebnisse. Die operative Projektarbeit in den Time Boxes definiert über das Änderungsmanagement und das Konfigurationsmanagement die endgültige Spezifikation des Projektergebnisses.

Bei der Verwendung von Time Boxing ist eine Bottom-up-Aufwandsschätzung nicht sinnvoll möglich. Ein Abschätzung des Projektbudgets kann lediglich über Analogschlüsse von vergleichbaren Projekten und mit Hilfe von Expertenschätzungen getroffen werden.

Dieser Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 21.11.2008.
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